Pawn (Filmkritik)

Nick (Sean Faris) schließt nach ein paar Monaten Gefängnis, die er wegen Autodiebstahls absitzen musste, seine schwangere Frau Amanda (Nikki Reed) endlich wieder in die Arme. Ab jetzt will er alles richtig machen und für seine Familie da sein. Blöd nur, dass Gangster Derrick (Michael Chiklis) und seine Jungs etwas dagegen haben und ausgerechnet das Lokal überfallen, in dem sich Nick gerade mit seinem Bruder getroffen hat.

Die Situation gerät schnell außer Kontrolle und neben der offensichtlichen Gefahr, korrupten/ehrlichen Cops und dem organisierten Verbrechen, hat Nick bald ein noch viel größeres Problem: für den Polizisten Barnes (Marton Csokas) ist er der Drahtzieher hinter dem Überfall. Kann er seine Unschuld beweisen und die bösen Jungs stoppen? Oder wird sein ungeborenes Kind ohne Vater aufwachsen müssen?

Pawn

Regisseur David A. Armstrong liefert hiermit nach Jahren als erfolgreicher Kameramann (unter anderen bei den „Saw“ Filmen) sein Debüt ab. Auffallend ist dabei, wie viele bekannte Namen bei diesem Erstlingswerk auf der Besetzungsliste stehen. Warum der Film dann doch nur als DVD- Premiere vermarktet wurde, wird nach Betrachten des Materials schnell klar. Einige der Stars sind nur kurz dabei und agieren dabei relativ lustlos und der Film an sich ist zwar nicht schlecht und hat durchaus seine Momente, für so etwas würde ich aber nicht ins Kino gehen.

Zuerst mal ein paar positive Dinge. Wie zu erwarten war bewegt sich die Kamera erstklassig in diesem engen Imbiss-Lokal immer genau so, dass man alles im Blick hat und immer weiß, was gerade passiert. Die zeitlichen Rückblenden, die ohne erklärende Inserts auskommen und nahtlos Handlungsstränge miteinander verbinden und Personen aufeinander treffen lassen, sind smart inszeniert, bleiben nachvollziehbar und sind mehr oder weniger logisch.

Das typische „Wer hilft hier zu wem?“ und „Was hat wer gegen wen in der Hand“? funktioniert, somit bleibt die ganze Sache spannend bis zum Schluss. Um dieses Konzept aufrecht zu erhalten wurde zwar bei ein paar anderen Filmen geklaut (z.b. bei „Die üblichen Verdächtigen“), aber eher störend als diese Tatsache ist der Fakt, dass die Drehbuchautoren irgendwie zu smart sein wollten, der große Überraschungseffekt am Ende dann aber doch nicht so recht daherkommen will.

Schauspielerisch hatte vor allem Michael Chiklis (Parker), der hier auch als Produzent agierte, seine Freude. Er ist überheblich, sarkastisch und unterlegt seine tödlichen Schüsse gerne noch mit einem lockeren Spruch für sein sterbendes Gegenüber. Seine Performance trägt für mich den Film, es macht einfach Spaß ihm zuzusehen. Die restlichen Darsteller reihen sich mit ihren Leistungen leider zwischen schlecht, ganz in Ordnung und völlig unmotiviert ein.

Sean Faris (Stash House) als zunächst ängstlicher und überforderter Antiheld kommt ganz sympathisch daher, schrammt aber bei seinen intensiveren Szenen, oft nur knapp am Overacting vorbei. Nikki Reed (Chain Letter) als seine Ehefrau bekommt zwar eigentlich nichts Wichtiges zu tun, ist jedoch echt nett und weckt gekonnt den Beschützerinstinkt in männlichen Zusehern. Marton Csokas (Dream House) hat zwar auch hier seine zwielichtige Ausstrahlung beibehalten, seine Rolle gibt aber einfach nichts her, mit dem er sein Können hätte zeigen können.

Forest Whitaker (Die Dunkle Wahrheit) wirkt einigermaßen motiviert, doch ist seine Rolle als Cop zu klein und unwichtig, als dass sie irgendeinen Eindruck hinterlassen hätte. Stephen Lang (Avatar) als Barkeeper spielt irgendwie wie auf Autopilot und Ray Liotta (The Son of No One) schlafwandelt durch seine Szenen als geheimnisvoller Mann im Schatten, der ja eigentlich bedrohlich sein sollte, dies aber völlig in den Sand setzt.

Es wird hier also ausreichend geboten, um dieses Katz und Maus Spiel der Intrigen unterhaltsam über die Runden zu bringen, nur über das vor der Kamera entweder verschwendete oder lustlos agierende Personal, sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen. Der Regisseur hat aber von diesem soliden Debüt ausgehend durchaus Potential, nun muss seinem technischen Erfahrungswissen nur mehr die Führungskompetenz der Darsteller nachfolgen, dann wird das noch was in Zukunft mit dem richtig guten Film.

„Pawn“ bekommt von mir 6/10 sämtliche Mitspieler gegeneinander ausspielende Empfehlungspunkte.


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