Deadpool (Game-Review)

Deadpool-1

Deadpool hat nicht nur in den Comics das, was man in Österreich „Schmäh” nennt. Auch im gleichnamigen Videospiel, das jetzt auf der PS3, der xBox 360 und für den PC erschienen ist, hat die Hauptfigur jede Menge Witz. Allerdings ist dieser Witz nicht besonders pflegeleicht: Deadpool räkelt sich im Sofa und kratzt sich mit dem Lauf eines Revolvers an bestimmten nur Männern eigenen Körperteilen; Deadpool legt beim Besuch eines Swimmingpools latent machohaftes Verhalten an den Tag und sucht sich die „beste“ Beobachterposition aus; Deadpool erklärt das Entwicklerstudio „High Noon“ gleich zu Beginn des Spiels für inkompetent und ändert in umfangreicher Manier das Skript ab. Man muss ihn mögen, diesen Deadpool, der mit einer so unverschämten Selbstverständlichkeit auf Kosten der anderen (meist der Gegner) seine Schizophrenie auslebt.

Stichwort Schizophrenie: Die Inszenierung von Deadpools „Krankheit“, will sagen „leichten Andersartigkeit“, ist wirklich sehr gelungen. Wusste der Protagonist in den Comics stets um den Umstand, dass er eine fiktive Comicfigur ist, so ist auch dem Helden des Spiels bestens bekannt, wie der Hase läuft. Das Ergebnis ist eine brisante Hauptfigur, für die eigentlich keine Regeln der Moral oder des Anstands gelten können, da ja ohnehin bekanntlich alles nur Show ist. Dazu gehören gerade auch die Stimmen im Kopf des Schizophrenen, die – besonders in der englischen Originalfassung – von sehr guten Sprechern dargeboten werden und großen Unterhaltungswert haben. Richtigen Dialogen lauscht der Spieler hier, und dass Deadpools konträre Gedanken oftmals das Spielgeschehen kommentieren, macht großen Spaß.

Deadpool-2

Deadpool scheint es förmlich zu genießen, dass er sich über die aktuellen Gepflogenheiten in Konsolenspielen lustig machen kann. Wenn der Gamer schon in der ersten Spielszene eine Trophäe (Achievement) dafür bekommt, dass er Deadpool aus dem Liegestuhl aufstehen lässt, ist ein lautes Raunen des Schizos garantiert. „Wieso nicht gleich eine zweite Trophäe, wo es doch so lustig ist“ – und schon gibt es Achievement Nummer Zwei. Dass in Deadpools Wohnung zwar ein Verstärker, aber keine E-Gitarre zu finden ist, erklärt der Bewohner flugs durch den Umstand, dass das Entwicklerstudio High Noon keine Zeit hatte, eine virtuelle Gitarre zu konstruieren. Also bleibt es beim Luftgitarre-Spielen.

Vielfach werden auch Kampfszenen kommentiert, in denen sich Deadpool über das Gameplay amüsiert. Lässt sich der Spieler etwa zu viel Zeit, bekommt er zu hören, ob er denn nicht wisse, wo sich der Angriffs-Knopf befinde. Dass Deadpools Fähigkeit, einen Sprung durch erneutes Drücken der zuständigen Taste zu verlängern, bleibt freilich ebenfalls nicht ohne abgründiges Kommentieren. Die Kernidee, eine Hauptfigur in Szene zu setzen, die zwar alles tut, was getan werden muss, um den eigenen Superheldenstatus zu behalten, dabei aber mit sich selbst mehr als uneins ist, hat große Vorteile und birgt Spannung. Allerdings schafft sie auch einige Nachteile.

Drei Problembereiche gibt es, die im Verlauf des Spiels deutlich werden. Erstens: So lustig Deadpools zynisches sich-über-das-eigene-Videospiel-Mockieren ist, so sehr hat er mitunter einfach auch völlig Recht: Das Gameplay IST repetitiv, die Aufgaben SIND mitunter belanglos, und das Leveldesign HAT mitunter etwas Uninspiriertes. Zweitens: Brüche in der Schwierigkeit des Spiels. Ein Großteil des Spiels lässt sich mit Button-Mashing bewältigen, nur im letzten Abschnitt wird es dann auf einmal unerwartet schwer. Der Endkampf wiederum geht eher leicht von der Spielerhand. Drittens: Dass Deadpool zu Beginn des Spiels das Drehbuch des Entwicklerhauses abändert, ist zwar lustig. Aber leider wird dadurch auch die Story ein wenig fadenscheinig. So exzellent es die (tatsächlichen) Autoren des Spiels verstanden haben, die Hauptfigur anhand der „inneren Dialoge“ zu präsentieren, so hätte doch der Plot stringenter ausfallen können. Klar, das ist Jammern auf hohem Niveau, denn Deadpool-Fans werden den Titel auch trotz der Mängel lieben. Aber um rundum perfekt zu sein, hätten High Noon noch für mehr Abwechslung im Gameplay sorgen müssen.

„Deadpool“ (das Spiel) macht den gleichnamigen Comic-Superhelden mit Bravour zu einer spannenden Gaming-Hauptfigur. Fans des Schizos werden den sehr charakteristischen Humor des Spiels sehr zu schätzen wissen.

Wir geben „Deadpool“ 8,5 von 10 Empfehlungspunkten.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.