Resident Evil: Retribution (Filmkritik)

Alice (Milla Jovovich) erwacht. Und zwar allein. Es dauert eine Weile bis sie sich orientieren kann, aber die Erinnerung kommt rasch wieder. Umbrella hat sie geschnappt. Sie ist erneut eingesperrt, aber sie hat keine Ahnung, „wo“ das ist. Als plötzlich die Türen aufgehen, sie ihren Kampfanzug wieder bekommt und sich aus dem Staub macht tauchen viele neue Fragen auf. Das Testcenter. Dort ist Alice gefangen und dort wurden in Simulationen all die Virus-Attacken auf die Welt verübt. Übeltäter bei der ganzen Geschichte ist – man höre und staune – die Red Queen. Der Supercomputer aus dem ersten Teil des Franchise. Durch die Hilfe von Ada Wong (Bingbing Li) einer undurchsichtigen Agentin, entkommt Alice und erfährt, dass sie sich erst durch die Testkammern ballern muss, um aus dem Testcenter zu entkommen.

Aber Hilfe naht. Von der anderen Seite versucht eine Truppe Söldner Alice zu erreichen, denn noch immer ist ihr Blut das Gegenmittel zum Virus – unter den Söldnern auch alte Bekannte aus vorigen Filmen (Carlos Olivera, gespielt von Oded Fehr) und Neuzugängen, bekannt aus den Spielen (Leon S. Kennedy, gespielt von Johann Urb). Quer durch den Komplex gejagt werden sie von einer alten Weggefährtin namens Jill Valentine, die genauso wie Claire im Teil 4, durch ein seltsames Gerät kontrolliert wird. Als wäre das nicht schon Problem genug, stellt Alice auch noch fest, dass im gesamten Areal Klone von ihr selbst und vielen ihr Bekannten herumlaufen, die allesamt verschieden programmiert wurden …

Resident Evil: Retribution

„Resident Evil: Retribution“ ist wohl nach „Sucker Punch„, der Film, der am ehesten als Computerspiel durchgeht, bzw. den Regeln der aktuellen und alten Shootermechaniken folgt. Level 1 – alles niederballern. Level 2: Noch mehr niederballern. Level 3: noch viel mehr niederballern. Alles in verschiedenen Settings (Kleinstadt-Vorort, Großstadt, etc), was durch die „Erklärung“ namens „Testcenter“ ja auch noch mehr oder weniger legitimiert wird. Aber alles mal schön der Reihe nach.

Regie und Drehbuch sind wieder einmal das Werk von Paul W. S. Anderson, der es sich wohl so rasch nicht mehr nehmen lassen wird seine Frau optisch einwandfrei in Zeitlupe in Szene zu setzen. Und wenn man die Videoschnipsel vom Making-Of mit Milla Jovovich mit in die Gleichung nimmt, dann weiß man wohl, wie viel Spaß die beiden da gemeinsam haben. Das merkt man dem ganzen Film auch an – mehr noch als in „Afterlife“ wird auf Logik eigentlich gepfiffen. Sicher wird versucht alle Tätigkeiten und Vorkommnisse im Film durch irgendwelche Erklärungen zu rechtfertigen, so wirklich befriedigend sind davon allerdings die wenigsten und das Anderson einfach neue Wesen aus den Spielen einbaut, ohne sie irgendwie zu erklären ist schon ein wenig befremdlich – und das sage ich als Fan der Filmreihe.

Überhaupt wirkt „Retribution“ wie der Versuch alle bis jetzt im gesamten Franchise vorgekommenen Personen wieder in die Handlung einzubauen, anders kann ich mir das Ganze nicht erklären. Ich meine – im Ernst jetzt – ging irgendjemanden Oded Fehr als Carlos ab? Hat jemand Luther West (Boris Kodjoe) nachgeheult? Okay – Jill Valentine (Siena Guillory) war klar – siehe Cliffhanger von Teil 4. Aber das man auch „Rain“ (Michelle Rodriguez) wieder zurückholen muss ist dann doch irgendwie befremdlich – noch dazu, wo ganze Szenen fast 1:1 aus dem Vorgänger geklaut sind.

Die Liste an Personen dann noch mit den beiden Neuzugängen Leon S. Kennedy (Johann Urb) und Ada Wong (Bingbing Li) vollzustopfen ist dann leider völlig in die Hose gegangen. Die beiden beliebtesten Charaktere der Spielereihe in diesen Film einzubauen mag auf dem Papier wie eine gute Idee ausgesehen haben – und die Idee finde ich immer noch super – diese dann allerdings zu Kanonenfutter verkommen zu lassen ist irgendwie … halbherzig. Zumal ich z.B. Leon lange Zeit noch nicht mal als Leon erkannt habe – und als ich dann wusste, wer das sein soll war ich fast ein wenig beleidigt. Zumindest hat man es geschafft Ada Wong (nicht nur optisch) halbwegs erkennbar in den Film zu integrieren.

Was im kurzen für „Afterlife“ galt, gilt im langen auch für „Retribution“ – viel Action, optisch fein gemachte Szenen, ganz, ganz viel Zeitlupe (kam mir noch viel mehr vor als im vierten Teil) und eine Handlung, die versucht komplex zu sein, im Grunde genommen aber nur konfus ist – ob sich das jemals wieder zu einem Handlungsstrang zusammenschustern lässt, bleibt für mich fraglich. Auch die Actionsequenzen sind einfach „over the top“ und die Coolness, die aus vielen der Dialoge dringt, ist an manchen Stellen schon zu viel – vom computerspiel-mäßigen Ablauf hab ich ja schon weiter oben geschrieben, möchte das hier nur noch doppelt unterstreichen: Das Gefühl von Level zu Level zu hüpfen mit immer neuen und immer größeren Gegnern ist wirklich sehr stark ausgeprägt. Das es – in Form der Computerkarte des Komplexes in welchem die Kamera herumschwenkt – eine stilistische Parallele zu Teil 1 gibt, ist zwar schön, hebt das „Level“-Gefühl aber nur noch höher.

Der Grund, weshalb dieses Mal zwei Axtmänner dabei sind lautet vermutlich: Weil es im letzten Teil nur einer war und im folgenden Teil müssen(!) es dann einfach zwei sein. Oder die autofahrenden Mutanten (ich weiß, die kommen im Spiel in Teil 6 auch vor), die einfach nur lächerlich wirken.

Als Fan der Spielereihe fand ich es hingegen schön, dass die Geschichte von Jill ziemlich ähnlich im Film genutzt wurde, inklusive optischer Anpassung. Warum es gegen Ende dann aber weitere optische Spielereien geben musste (Röntgenaufnahmen vom Auftreffen von Schlägen á la „Romeo Must Die“) entzieht sich meiner Erklärungsversuche, abgesehen von dem einen: „Anderson wollte das einfach mal ausprobieren und er wusste, dass er bei diesem Film sowieso machen kann, was er will. Hauptsache es sieht gut aus“.

Wenn man die Sache kurzfasst, dann liest sich der Gesamteindruck von „Retribution“ eigentlich sehr ernüchternd: Dumme Story, halbherzige Charaktere, billige Anbiederung an die Spiele-Fans, nette Anleihen bei den Spielen, aber schlecht eingesetzt, Charaktere, die man nicht als die erkennt, die sie darstellen sollen, einen Level-für-Level-Aufbau aus dem Shooter-Genre und eine Geschichte, die sich „global“ auf ihre Fahnen schreibt, aber letztlich nur in einem einzigen Komplex spielt mit einem erneuten Cliffhanger, der viel von dem vorhergehenden ad absurdum führt und die Tatsache, dass plötzlich die „Red Queen“ der Bösewicht (die Bösewichtin?) ist, verleihen dem ganzen doch ein wenig den Charme von „Abzocke“.

Und trotzdem macht es auf eine perverse, hirnlose, hochgestylte-Zeitlupen-Art Spaß sich den Film anzusehen. Nennt mich einen Idioten, aber ich werde mir auch Teil 6 (ja, der kommt) im Kino ansehen. Einfach nur deshalb, weil ich Trashfilme mag. Und wenn es etwas gibt, was das „Resident Evil„-Filmfranchise für mich seit spätestens Teil 3 repräsentiert, dann ist es genau das: Trash. Sonst nichts. Man kann Filme auf Hochglanz polieren, man kann sie in 3D filmen, man kann gute Schauspieler engagieren (und Michelle Rodriguez IST eine gute Schauspielerin, genauso wie Jovovich (Million Dollar Hotel, irgendwer?)), aber Trash bleibt trotz allem Trash.

Schön, dass ich weiß, dass ich mir immer einen Resi-Film ansehen kann, wenn ich mal Lust habe, mein Hirn so richtig auf Urlaub zu schicken. Und für ein paar Szenen (Kette und Zombies und weiße Wände, 2 Axtmänner, Rückwärts-Anfangs-Sequenz), die wirklich cool sind ist der Rest auch halbwegs ansehbar. Auch wenn ich mir mehr coole Szenen gewünscht habe.

„Resident Evil: Retribution“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, das Testcenter durchquerende und auf der Oberfläche schockierendes feststellende Punkte.


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