Resident Evil: Afterlife (Filmkritik)

Alice (Milla Jovovich) hat genug davon ein Spielball zu sein und greift mit ihren Klonen die Umbrella-Zentrale und auch Albert Wesker (Shawn Roberts) direkt an. Allerdings geht einiges schief und rasch kommt es zu dem Punkt, an dem alle Klone tot sind und auch Alice ihre Sonderfähigkeiten verloren hat. Immerhin hat sie es (scheinbar) geschafft Wesker zu töten. Wieder auf sich allein gestellt mach Alice sich auf die Suche nach anderen Überlebenden, denn die Zeit ist außerhalb der Umbrella-Zentrale nicht stehengeblieben und die Welt ist mittlerweile überrannt worden. Horden von Zombies ziehen durch die Straßen und was einst nur in Racoon City ein Höllentrip war, hat sich überall verbreitet. Das Virus ist nicht zu stoppen.

Auf ihrer Suche findet sie unerwartet alte Bekannte wieder – Claire Redfield (Ali Larter), die allerdings von einem seltsamen Gerät kontrolliert zu sein scheint. Alice befreit sie und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Arcadia – dem offenbar letzten, sicheren Ort auf der Welt. Bald stoßen noch weitere Überlebende zu der Gruppe, bzw stoßen die beiden zu den Überlebenden und siehe da – auch Chris Redfield ist mit im Bunde. Aber die Freude währt kurz, denn ein Haufen Zombies steht vor der Tür und Arcadia scheint sich seltsamerweise „zu bewegen“ und die Rettung scheint ferner denn je, vor allem als sich herausstellt, dass der „letzte sichere Hafen der Welt“ nicht das zu sein scheint, wofür ihn alle gehalten haben.

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Mit „Resident Evil: Afterlife“ hat Paul W. S. Anderson das Ruder wieder an sich gerissen und gemeinsam mit seiner Frau Milla Jovovich ein weiteres Kapitel Popcorn-Unterhaltung für Computergamer (und solche, die es werden wollen) zusammengeschraubt und zusätzlich zum Drehbuch auch gleich noch die Regie übernommen hat. Auffällig im vierten Teil ist vor allem die neue 3D-Technik und der Einsatz von sehr, sehr vielen Zeitlupensequenzen. Manche Leute behaupten ja, dass der Film nur auf die halbe Spielzeit kommen würde, wenn die Zeitlupensequenzen „normal“ abgespielt werden würden und das mag durchaus so stimmen.

Nichtsdestotrotz bleibt natürlich am Anfang wie am Ende die große, einzige und in Bezug auf das „Resident Evil„-Filmfranchise wirklich wichtige Frage, die gleiche: Was erwarte ich mir von einem Resident Evil-Film? All jene da hinten, die jetzt gemeint haben, dass sie eine große, epische, tolle Story wollen mit prägenden Momenten, einer Charakterentwicklung und bitte nicht zu viel Action und schon gar keine „gestylte“ Action, weil das wäre ja Gewaltverherrlichung – hört hier auf zu lesen und geht zurück ins Arthouse-Kino. „Resident Evil“-Filme sind und werden auch nie für ihre gute, tolle Handlung oder sonderliche Charakterentwicklung bekannt werden. Das hier ist großes, actionreiches, stylisch inszeniertes Popcorn-Kino mit der „Hirn ausschalten sonst kann es nicht funktionieren“-Garantie. Und diesbezüglich gibt es keine Enttäuschung.

Naja, das stimmt so nicht ganz. Nach dem Cliffhanger bzw. dem Vorsatz vom dritten Teil („Ich komme euch besuchen mit meiner Klonarmee“) geht es gar nicht anders, als genau an dieser Stelle fortzusetzen und Paul W. S. Anderson weiß genau, was die Fans der Filme wollen. Und das kriegen sie auch. Die ersten 20 Minuten braucht der Film erstmal um das in Teil 3 gegebene Versprechen einzulösen (Sturm auf die Zentrale) und Alice ihrer „Superkräfte“ zu berauben, da diese in „Resident Evil: Extinction“ ja bereits dermaßen übermächtig war, dass es nicht mehr möglich schien das noch zu toppen. Also zurück an den Start, mehr oder weniger.

Aus meiner subjektiven Sicht ist „Resident Evil: Afterlife“, der Teil der Serie mit dem größten optischen Funfaktor und der gelungenste Eintrag in die Serie, gleich nach „Apocalypse“. Die Handlung an sich ist nur eine Entschuldigung, um die Charaktere (ein Wort, das in diesem Kontext eigentlich nicht passt) von A nach B zu treiben und es zwischendurch so richtig cool knallen zu lassen. Und hier kommt der Hochglanz-Stil und die Zeitlupen ins Spiel. Sicher – der einzige Grund für die Zeitlupen ist ein Ausrufezeichen unter eine Szene zu setzen, dass ganz laut und deutlich ruft: „Seht ihr, was für coole Aktionen wir liefern können?!“ und – zumindest bei mir – es wirkt.

Ich meine – in welchem anderen Film kann man schon einen Riesenmutanten sehen, der in Zeitlupe mit einer Mega-Axt in einem Duschsaal unter sprühendem Wasser auf eine Frau zuläuft und diese in Zeitlupe ihm entgegeneilt, während der Schnitt jede Sekunde dieser absolut abartigen Szene zelebriert. Da werden die Schritte im Wasser gezeigt, die aufspritzenden Wassertropfen , das Ausholen der Axt, das Ducken der Frau, der Lauf eine Wand hinauf – alles in Zeitlupe. Sinnfrei? Ja. Sieht es toll aus? Definitiv. Und um nichts anderes geht es hier.

Wer mit Szenen wie der oben beschriebenen nichts anfangen kann ist wortwörtlich im falschen Film. Denn genau das macht diese Reihe mittlerweile aus. Von dem im ersten Teil noch vorhandenen Horror-Anteil gibt es hier faktisch nichts mehr. „Afterlife“ ist ein Action-Film, in welchem zufällig Figuren aus dem Resident Evil-Universum vorkommen und in dem es deshalb möglich ist mit allem(!) davonzukommen. Logik hat in diesem Filmuniversum wenig bis nichts verloren (auch die Spiele gehen mittlerweile weit mehr in die Action-Richtung, siehe Resident Evil 6).

Toll finde ich, dass die Schauspieler, die bereits in den vorigen Teilen den diversen Personen ihr Gesicht liehen auch hier wieder dabei sind, allen voran natürlich Ali Larter als Claire Redfield. Das Chris dazu kommt ist zwar nett für Leute, welche die Charaktere aus den Spielen kennen, aber die Hauptfigur ist und bleibt nunmal Alice. Alle anderen sind dabei, damit sie eben dabei sind, kommen ihren Charakteren aus den Spielen aber wenig bis nie auch nur annähernd nahe. Allerdings denke ich, war das auch nie die Intention dahinter.

„Resident Evil: Afterlife“ ist ein dummes Popcorn-Produkt für Menschen, die eine Pause brauchen vom Denken und einfach mal etwas sehen wollen, was einfach Spaß macht, ohne dabei ihr Gehirn auch nur irgendwie beanspruchen zu müssen. Unter diesem Aspekt betrachtet macht der Film vieles (wenn auch nicht alles) richtig.

Das Setting wurde wieder aus der Wüste in die Stadt retour geholt und die Farbgebung ist dieses Mal düsterer, grauer und teilweise blendend weiß. Aber da der Horroranteil, wie gesagt, ohnehin nicht mehr vorhanden ist, passt die Sache gut zum Film. Einzig der fiese Cliffhanger am Ende (schlimmer als in Teil 3) wäre bei einem Film der ohnehin keine wirkliche Handlung hat, nicht nötig gewesen. Aber wozu jammern? Teil 5 wartet ja schon auf uns.

„Resident Evil: Afterlife“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, Arcadia suchende und Menschen rettende Punkte


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