Dredd 3D (Filmkritik)

In einer gewalttätigen, düsteren Zukunft ist ein Großteil der Erde längst zu einem unbewohnbaren, verwunschenem Planeten geworden. In Mega-City One, einer Metropole in der 800 Millionen Menschen leben, werden täglich 17 000 Verbrechen gemeldet. Die einzige Instanz, die in diesen düsteren Zeiten für Recht und Ordnung sorgt, sind die Judges vom Justizpalast, die als Richter, Jury und Henker zugleich eingesetzt werden. Einer der besten ist Dredd (Karl Urban), der gerade die ihm wenig Freude bereitende Aufgabe bekommen hat, die Kadettin Anderson (Olivia Thirlby), bei seiner Arbeit mitzunehmen und über ihre Zukunft als möglicher Judge zu entscheiden.

Anderson hat zwar den Aufnahmetest zu den Judges knapp nicht bestanden, doch sie ist die stärkste Telepathin, unter all den bekannten Mutanten und darum wollen ihr Dredd´s Vorgesetzte noch eine Chance geben. Dredd wird schon bald über jede Hilfe die er bekommen kann dankbar sein, denn als er und Anderson von der Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Heady) in ihrem Hochhauskomplex Peach-Trees eingesperrt werden und zum Abschuss für sämtliche Bewohner freigegeben werden, ist die Überlebenschance für einen Judge denkbar gering.

Dredd-3D

Judge Joseph Dredd wurde im Jahre 1977 für das britische Science-Fiction Comicmagazin „2000 AD“ erfunden und gilt heutzutage als einer der bekanntesten englischen Comichelden weltweit. Sein Schöpfer John Wagner hatte zuvor bereits einige Storys über harte Cops im Dirty-Harry Stil verfasst und wollte dieses Konzept mit Dredd zu neuen Extremen führen, indem er seinen Charakter in eine ultrabrutale Zukunft versetzte und ihn 100 prozentig hinter seinen eigenen Werten stehen ließ, auch wenn so ständig Töten für die Gerechtigkeit an der Tagesordnung stand.

Im Jahre 1995 kam mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle bereits eine Verfilmung des Dredd-Materials in die Kinos. Diese zeichnete sich aber vor allem dadurch aus, dass sie zu bunt war, zu oft unfreiwillig komisch und Rob Schneider viel zuviel seiner nervig daherkommenden Screentime gönnte. Es musste wohl schon ein Landsmann von Mister Dredd sein, der Brite Alex Garland (unter anderem Autor von „The Beach“ und Drehbuchautor von „Sunshine“ und „28 Days Later“), um Dredd einen Film zu spendieren, der ihm gerecht wird. Regie führte zwar Pete Travis (8 Blickwinkel) doch in Interviews hab ich gelesen, dass Karl Urban bei Fragen sich eher an Garland gewendet hat, der auch großteils für den Schnitt verantwortlich war.

Ich mag ja grundsätzlich Filme, die sich nicht ernst nehmen, sehr gerne. Was Judge Dredd betrifft, wäre diese Herangehensweise aber falsch, denn hier muss es dem Ausgangsmaterial entsprechend ernst zur Sache gehen. Gewalt und Zynismus beherrschen diese Welt, in der die Guten nur sechs Prozent von den gesamten Verbrechen nachgehen können. Was dieses Abenteuer neben der Treue zur Quelle nun noch zu einem der besten Actionfilme des Jahres macht, kann man klar an zwei Punkten festmachen.

Erstens ist die Optik wirklich beeindruckend und ja ich sage es laut, auch der von mir ungeliebte 3D Effekt sieht stark aus vor allem dann, wenn handlungsbedingt die neue Designerdroge Slo-Mo zum Einsatz kommt. Diese Droge verlangsamt die Wahrnehmung der Zeit des Konsumenten auf ein Prozent des Normalwertes. In diesen Sequenzen fliegen Blut und Patronenhülsen dem Zuschauer so hübsch und dynamisch im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren, wie ich es selten gesehen habe. Diese Szenen werden effizient und klug, nicht übermäßig und selbstverliebt wie etwa in den letzen beiden „Resident Evil“- Filmen eingesetzt.

Zweitens sind die Charaktere und deren Schauspieler – allen voran die drei alle überragenden Hauptdarsteller – interessant, liebenswert und erschreckend, sucht euch ruhig selber aus was zu wem passt. Karl Urban (Star Trek) nimmt den gesamten Film über seinen Helm nicht ab. Somit hängt seine Performance rein von der Gestik seines Mundes und seiner Stimme an sich ab. Er schafft es aber mit diesen wenigen Mitteln sogar, seiner Figur eine gewisse Tiefe zu geben, innerhalb seiner reaktionären Welt, die man lernt zu respektieren, hat man ihn gegen Ende des Filmes fast schon irgendwie gerne.

Olivia Thirlby (The Darkest Hour) ergänzt seine unnahbare Art perfekt, mit ihrer mitreissenden Performance, die als eine Mischung aus selbstsicher und verletzlich daherkommt. Sie hat den ganzen Film über keinen Helm auf, da es ihre Fähigkeiten beeinträchtigen würde. Somit kann man als Ausgleich für Dredd´s Verhüllung sozusagen doppelt mit ihr mitfühlen was dazu führt, dass man auf keinen Fall will, dass sie den Film nicht überlebt. Und ja, ein Judge soll sie am Ende auch werden und nein, es ist nicht klar dass sie sowieso bis zum Filmende überleben wird. Bleibt noch Lena Headey (300), die eiskalt irre ihrem Sadismus frönt, dabei aber nie overacted, sondern eher ein ziemlich mulmiges Gefühl in der Bauchgegend erzeugt, wenn man sie zu lange beobachtet.

Dies beiden Punkte werden durch eine trostlose Grundstimmung, zynische Sprüche, eine explizite aber nicht voyeuristische Gewaltdarstellungen und ein paar unvorhersehbare Aktionen zusammengeführt zu einem Actionabenteuer, dass sowohl Dredd als auch Action/Science-Fiction Fans an sich, voll zufrieden stellen müsste. Auch ein paar moralische Aktionen und schwer zu verdauende Taten werden gezeigt, was vor allem bei Anderson zur Weiterentwicklung ihres Charakters führt und in einer rein amerikanschen Produktion, sicherlich zu ein paar unnötigen (weil sich auf selbsterkärende Aktionen beziehende) oder kitschigen Szenen geführt hätte.

Insgesamt nimmt „Dredd“ bekannte Zutaten und mischt sie gekonnt neu zuzsammen, bleibt sich selbst treu und ist kein Film geworden, der es jedem recht machen will. Dass diese Konsequenz sich in Amerika natürlich in einem schwachen Boxoffice Ergebnis ausgewirkt hat, war zwar irgendwie zu erwarten, ist aber trotzdem schade. So leicht lässt sich aber ein Dredd nicht unterkriegen, wir werden sicher irgendwann wieder mehr von ihm hören bzw. sehen.

„Dredd 3D“ bekommt von mir 8,5/10 alle Bösen mit beinharter und nicht zu hinterfragender Konsequenz bestrafende Empfehlungspunkte.


2 Gedanken zu „Dredd 3D (Filmkritik)

  1. Hui – der hat Spaß gemacht. Und so kompromisslos wie Dredd hier gezeigt wird hat das was. War unterhaltsam und auch toll gemacht. Kleiner, feiner Actionfeger.

    Karl Urban ist super (trotz Helm) und Olivia Thirlby kann endilch zeigen, dass sie nach „The Darkest Hour“ auch in guten Filmen mithalten kann.

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