Best Of Worst Case: The Darkest Hour (Filmkritik)

Da sind also vier Amerikaner in Moskau. Zwei Herren (Emile Hirsch aus „Into The Wild“ oder „Milk“ und Max Minghella aus „The Social Network“) auf Geschäftsreise, deren Deal platzt und zwei Damen (Olivia Thirlby aus „Juno“ und Rachael Taylor aus „Shutter“), die Urlaub machen. Und das gerade rechtzeitig um das Ende der Welt mitzuerleben.

Denn als sich die vier im angesagtesten Diskotempel der Stadt kennenlernen geht plötzlich das Licht aus, der Strom ist weg und draußen am Himmel fallen wunderschön glitzernde Sterne vom Himmel. Die Glitzersterne stellen sich allerdings ziemlich rasch als Aliens heraus, die nichts anderes vorhaben, als an die Mineralien der Erde zu kommen – diese dienen als Nahrung – und die im Weg stehen Menschen eben zu eliminieren.

Was das Überleben noch schwerer macht: Die Wesen sind unsichtbar und bestehen aus reiner Energie. Nur in der Nähe von Glühbirnen oder ähnlichen Dingen verraten sie ihre Anwesenheit, da diese dann zu leuchten beginnen, bzw. sich einschalten. Ein langer Weg zurück nach Hause beginnt …

The Darkest Hour Film Aliens

Die erste Frage, die ihr euch beim Lesen dieser Zeilen stellen werden: Was macht ein Hochglanz-Produkt wie „The Darkest Hour“ in der Best Of Worst-Case-Serie. Die Antwort ist relativ einfach. Der Film passt perfekt hierhin und zwar aus mehreren Gründen:

Zum einen die Drehbuchschwächen, die man getrost eines „Worst Case“ würdig nennen kann. Ich werde jetzt nicht alle einzeln aufzählen, aber ein paar will ich niemanden vorenthalten:

  • Die Aliens können nicht durch Glas sehen. Aber sie sehen in Sergeis Wohnung. Durch das Fenster. Außerdem kommt niemand auf die Idee, einfach „Glasschilde“ mit sich herumzutragen, um (so wie die alten Römer mit ihren Schilden) eine „Schildkröte“ zu machen? Alle wären sicher.
  • Warum gehen Telefone und Glühbirnen an, wenn die Aliens kommen – Fernseher, Radios, Öfen, Kühlschränke, Mikrowellengeräte und alles andere nicht?
  • Warum steht am Roten Platz genau ein(!) Auto und das war’s? Und warum sind die Aliens so dumm, nicht UNTER das Auto zu sehen, wo sie doch ganz klar vorher Menschen entdeckt haben? Abgesehen davon: Die Dinger sehen durch die Motorhaube eines Autos auf den Motor – aber durch das restliche Auto sehen sie nicht?
  • Warum wird diskutiert, ob man die Abfahrt kurz(!) verzögern könnte um eine Überlebende zu holen und nur mit Mühe und Not wird zugestimmt, wenn dann genug Zeit ist, um eine komplette(!) Kanone nachzubauen, bevor man sich auf die Suche nach der Überlebenden macht?

Das sind nur ein paar der Fragen, die man sich während es Films bereits stellt – und das will was heißen, schließlich sollte man während einem Film ja doch so sehr gefesselt sein, dass man während dem Ansehen an die Drehbuchschwächen keinen Gedanken verschwendet.

Und trotzdem hat der Film ein paar Momente, die man toll finden kann – die Szene, in welcher die Aliens landen ist wunderschön anzusehen – Lichtpunkte, die schön wabernd zur Erde fallen, fast wie ein weltweites Weihnachtswunder. Oder die Art und Weise, wie die Aliens die Leute verheizen (auch wenn die Schuhe unsere Erde scheinbar unzerstörbar sind … die restliche Kleidung ist es nicht) ist auch toll anzusehen – vor allem als eines der Biester in der Diskothek aufräumt macht das Laune. Man hofft, dass der Film so weitergeht – was er aber nicht tut. Leider.

Der eine oder andere völlig unnötige und doofe Todesfall trägt dann noch seinen Teil dazu bei, dass man sich – wie man es von US-Produktionen ja gewohnt ist – kopfschüttelnd aufs Hirn greift, weil da unnötig Leute ziemlich doof verheizt werden. Weil wir gerade dabei sind – auch wenn der Regisseur von Nightwatch hier produziert hat, handelt es sich um eine US-Produktion unter der Regie von Chris Gorak („Right At Your Door“). Und das merkt man dem Film mit seinem Patriotismus an zahlreichen Stellen an. Leider ebenfalls zum negativen Filmgenuss.

The Darkest Hour Film Cast

Vorsicht, jetzt folgen Spoiler, die kurz umreissen, was bei dem Film zu erwarten ist:

  • Als die „guten“ Amis einen Russen finden der eine Mirkowellenwaffe entwickelt hat, der das Schutzschild der Aliens zerstören kann, sind alle happy. Dann schaffen es die Deppen, den Tod des werten Mannes (der coolste Charakter des Films) zu verursachen, hauen ab – treffen andere Russen (genauso cool, wenn auch grenzdebil) und zeigen denen die Waffe. Was am Ende des Films zu folgendem tollen Satz (von einem Russen zu den Amis) führt: „Now that YOU taught us how to fight, we have a chance!“
  • Oder als Boris und Co sich weigern die werten Damen und Herren zu einem wartenden U-Boot zu bringen hält der Hauptcharakter – dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, weil es einfach ein unsympathischer Kerl ist – eine kurze Rede, die vor soviel Kitsch und Klische trieft, dass man befürchtet, die ganze Bande würde darin ertrinken. Aber – es wirkt! Überraschung.

Die Kulisse „Moskau“ wurde übrigens überhaupt nicht gut eingesetzt – der Film könnte überall spielen, es macht keinen Unterschied, genauso wie die an sich guten Schauspieler in Charaktere ohne Tiefe gesteckt und vollkommen sinnentleerter Weise in diesem Film verheizt werden. Der „spezielle, unverbrauchte Charme Moskaus“ (O-Ton von Chris Gorak) kommt in keiner Weise irgendwann (bis auf die kurze (unnötige) Szene am Roten Platz) zur Geltung.

Zu guter Letzt noch die Effekte: Solange die Aliens nur als Lichtnebel sichtbar sind, sieht der Film verdammt gut aus. Und dann sieht man gegen Ende hin zum ersten Mal IN diese Nebel hinein. Und damit war völlig klar, dass „The Darkest Hour“ zu den „Best Of Worst Case“-Filmen gehört. Denn das Alien-Design und die graphische Qualität der Ausführung bewegen sich ab diesem Zeitpunkt auf einem „Mega Python vs Gateroid„-Niveau. Das tut dann doch ein bisschen weh.

Wenn man es auf einen einzigen Satz zusammenfassen muss, dann hat „The Darkest Hour“ das abrupte Ende aus „Skyline„, den dummen Patriotismus aus „Independence Day“, das unnötige 3D eines „Kampf der Titanen„-Remake und die unglaubwürdigen Performances eines „Shark Attack Mallorca„.

„The Darkest Hour“ bekommt von mir (nur aufgrund der unfreiwilligen Komik) -5 von -10 besser im Dunkeln bleibende Punkte.

Best of Worst Case-Urteil (Trashfaktor: Szenenfolgen, Drehbuch):
Einfach zum Lachen. Spätestens im Finale kann doch niemand mehr allen ernstes behaupten, dass der Film ernst gemeint sein kann. Und wenn doch: Schande!

Fazit: Zum Lachen und vergessen.

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