Die Herrschaft der Schatten – Vanishing On 7th Street (Filmkritik)

Paul (John Leguizamo) arbeitet in einem Kino in Detroit. Mit seinem Kopflicht sitzt er in seinem dunklen Kämmerlein, wechselt die Filmrollen und passt deren Lautstärke an. Durch einen plötzlichen Stromausfall herrscht kurze Zeit völlige Dunkelheit. Als das Licht wieder angeht, sind alle restlichen Menschen außer Paul aus dem Kino verschwunden, nur deren leere Kleidung blieb am Boden liegend zurück. Zur gleichen Zeit geht Rosemary (Thandie Newton) in einer kurzen Pause von ihrem anstrengenden Krankenhausjob ins Freie, um sich eine Zigarette anzuzünden. Die Lampen flackern, das Licht geht aus, danach ist das Spital bis auf die junge Raucherin leer.

Am nächsten Morgen erwacht Luke (Hayden Christensen) in seinem von Kerzen beleuchteten Schlafzimmer. Der Fernseher lässt sich nicht einschalten, auch sein Handy funktioniert nicht mehr. Als er die Strasse betritt, ist keine Menschenseele zu sehen. Alles wirkt verwüstet, verlassene Autos und überall herumliegende Kleidung pflastern sämtliche Wege. Was ist hier geschehen? Betrifft es nur diese Stadt oder die gesamte Welt? Gibt es noch mehr Überlebende und was haben die Stimmen und schemenhaften Gestalten in der Dunkelheit mit dem Verschwinden der restlichen Leute zu tun?

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Regisseur Brad Anderson ist wieder da. Der Amerikaner mit der Vorliebe für düster-unheimliche Stoffe, meldet sich nach „Session 9“ mit David Caruso, „Der Maschinist“ mit Christian Bale und „Transsiberian“ mit Woody Harrelson nun mit seinem neuesten, diesesmal sogar übernatürlichen Mysteriethriller zurück. Den einzig realen Hintergrund liefert hierbei eine Andeutung am Anfang und Ende des Filmes auf längst vergangene Ereignisse. Im Jahre 1590 verschwand in North Carolina die sogenannte „verlorene Kolonie“ und das Wort „Croatoan“ wurde dort in einen Baum eingeritzt. Bis heute hat niemand die Geheimnisse um die Kolonie oder die Bedeutung des unbekannten Wortes herausgefunden.

Genauso geht es auch dem Zuschauer bei diesem Erlebnis. Es gibt viele Fragen aber so gut wie keine Antworten. Der Ursprung der Dunkelheit, die sämtliche Menschen auszulöschen droht, wird nie auch nur ansatzweise geklärt. Dies könnte eine Naturkatastrophe, ein missglücktes Experiment, der Angriff einer außerirdischen Rasse oder die Strafe einer höheren Macht sein. Sowohl das Ende als auch ein Neuanfang wäre möglich. Sind die Stimmen in den Schatten die Seelen der Verschlungenen oder ist alles nur ein Trick der Schattenwesen, um noch mehr Leute anlocken zu können?

Freunde von Filmen, die am Schluss eine befriedigende Auflösung auf Fragen liefern, sind hier dementsprechend an der falschen Adresse gelandet. Wer aber einen stramm inszenierten, spannenden Thriller mit gerade mal vier Hauptdarstellern bewundern möchte, der ist hier schon ganz richtig unterwegs. Die Wesen bzw. Figuren in der Dunkelheit sind dabei wirklich bedrohlich und wirken wohl auch durch den geringen CGI – Aufwand bei den hier benötigten Effekten ziemlich realistisch. Die Kamera schafft es dabei, dass man trotz der Finsternis fast immer genau weiß, was gerade vor sich geht. Für den finalen Adrenalinkick sorgt dann auch noch die Musik, die die auswegslose Situation der Überlebenden stimmungsvoll untermalt.

Schauspielerisch hat mich vor allem Hayden Christensen positiv überrascht, den ich ja als Anakin Skywalker in Star Wars Episode 2 und 3 ehrlich nicht ausstehen konnte, der aber hier durchaus zeigt, was er kann. Verzweifelt, voll von seelischem Schmerz, egoistisch, aber trotzdem mit dem Herz am rechten Fleck. Glaubwürdig entfernt er sich hier von seinem Schönlingimage. Genau wie Thandie Newton, die völlig verzweifelt ihr Baby sucht, das ihr nach ihrer Drogensucht das Leben gerettet hatte, da sie so einen Neuanfang schaffte. Sie wirkt veloren von Beginn des Filmes an, was sie mit ihrer „ich habe gar nichts mehr, wenn ich meine Tochter nicht wieder bekomme“ Performance eindrucksvoll unterstreicht.

Bleibt nur noch John Leguizamo, den ich immer gerne sehe und er hier wieder mal den sympathischen Verlierertypen spielen darf. Diese drei unterschiedlichen Menschen treffen auf einen schwarzen Jungen, der sich in einem generatorbetriebenen Lokal im Licht verstecken konnte. Warum dies wichtig war und welche Bedeutung das Überleben des Buben für die anderen Beteiligten hat, wird nicht geklärt. Vielleicht soll auch alles was passiert nur ein Zufall sein, doch das traue ich Regisseur Anderson so nicht zu. Der wollte sicherlich zum Nachdenken anregen doch zu was genau, das bin ich mir so wirklich nicht sicher.

Insgesamt also ein spannender, gut gemachter und gespielter Thriller, der aber irgendwie den Zuschauer unbefriedigt entlässt, da er die Gesamten Ereignisse ungekärt lässt und so beinahe zum Weiterdenken zwingt, was doch normalerweise auf freiwilliger Basis passieren sollte. Ich glaube als reine Unterhaltung ohne zusätzlichen Anspruch hätte dieser Film noch besser funktioniert, doch auch so bereut man die investierte Zeit nicht wirklich.

Vanishing On 7th Street bekommt von mir 7/10 die Dunkelheit als wahrscheinlichen Sieger präsentierende Empfehlungspunkte.


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