Cabin Fever 2: Spring Fever (Filmkritik)

So gut wie jeder Teenager in Amerika fiebert auf das bis dato wichtigste Erlebnis in seinem Leben hin. Die restlichen Kids hassen ihn und halten sich so weit wie möglich fern. Gemeint ist natürlich der „prom“, der Abschlussball der Highschool. Eine mörderische Party, ein sogenannter „Killer-Event“ sollte dieser Abschluss des Teenagerdaseins mindestens sein.

Blöd nur, wenn sich mitten unter den Feierlichkeiten ein Virus ausbreitet, der die betroffenen Personen mehr oder weniger schnell sowohl innerlich als auch äußerlich auffrisst. John (Noah Segan) hat sich die Feier mit seiner seit Jahren angebeteten Jugendfreundin Cassie (Alexi Wasser) nun wirklich etwas romantischer vorgestellt. Etwas weniger Blut wäre zum Beispiel ganz nett gewesen.

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2002 erschuf ein damals gänzlich unbekannter Mann namens Eli Roth den ersten Cabin Fever Film. Der Film funktionierte als Hommage an die Horrorfilme der 70er und 80er Jahre recht gut, dank seiner Kaltschnäuzigkeit, guten Darstellern und einer Geschichte voll ziemlich gemeiner Ideen, wurde der Film zu einem Erfolg und ist zu einem echten Geheimtipp unter Horrorfilmfans geworden. Danach begann für Roth der Abstieg mit seinen seichten Hostel Filmen und das gleiche Schicksal, wenn auch um einiges schlimmer, ereilte die Fortsetzung seines ersten, großen Erfolges.

2009 entstand nun unter der Regie von Tie West (The House of the Devil) Cabin Fever 2, der die auf ein paar wenige Personen eingedämmte Infizierung mit dem fleischfressenden Virus aus dem ersten Teil, nun mitten in verschiedene Städte verlagert. Als Hauptschauplatz fungiert dabei ein Schulgebäude, in dem der von (fast) allen sehnsüchtig erwartete Abschlussball stattfindet.

Das Beste an diesem Film ist wohl die wie in einem animierten Bilderbuch gestaltete Zeichentricksequenz am Anfang und Ende der Story. Hier sieht man die Ausbreitung des Virus und wie er unaufhaltsam immer wieder neue Opfer findet. So weit so gut bzw. spannend, aber was aus dieser Ausgangslage gemacht wird ist einfach nur ekelhaft und schwer verdaulich. Am Schlimmsten sind wohl die nahezu ausnahmslos unsympathischen und untalentierten Darsteller, die sich in „American Pie“- mäßigen Szenen durch die Handlung bluten. Spannung kommt daher natürlich keine auf, im Prinzip sind einem alle egal, was ein echtes Mitfiebern unmöglich macht.

Ich verstehe schon das Prinzip immer härter sein zu müssen und neue Tabus zu brechen, sonst kommt man in der heutigen Zeit bei Horrorfans nicht mehr richtig an aber was hier gezeigt wird ist in meinen Augen eindeutig nicht das, was man in einer Cabin Fever Fortsetzung sehen wollte. Eigentlich ein richtig dummer, gefühlskalter Film, wegen solchen Machwerken werden Horrorfilmfreunde als stupid, abgestumpft und dämlich bezeichnet. Ich werde nun in leicht „spoilerischer“ Art einige Szenen aufzählen, damit man besser verstehen kann, dass man hier auschließlich mit Ekelsituationen punkten wollte und damit kläglich gescheitert ist.

Eine ziemlich eindeutig an Fettleibigkeit leidende junge Dame zieht sich nackt aus, da sie gerade von einem Freund im Pool verführt wird. Sie beginnt wegen des Virus und durch ihre Jungfräulichkeit bedingt heftig zu bluten und verliert beim Küssen auch noch ein paar Zähne, bis sie in einer Blutlacke untergeht. Ein kranker Hausmeister uriniert heimlich, teilweise blutig in die Bowle, die daraufhin mehrere dutzend Schüler voller Freude in sich hineinschütten. Ein Junge packt einen durch Oralsex infizierten Penis aus, der anfängt eine gelblich-rote-schleimige Flüssigkeit von sich zu geben. Als Höhepunkt gibt es dann auch noch Momente mit einer schwangeren Frau, die Beschreibung des Schicksales des Babys und seiner Mutter erspare ich euch hier lieber.

Angesichts einer Anhäufung solcher oder ähnlicher Bilder bin ich mir ziemlich sicher, dass es dem Regisseur ausschliesslich darum ging zu schocken und so vielleicht mit der dazugehörigen Mundpropaganda einen kommerziell erfolgreichen Film auf die Beine zu stellen. Ich befürchte sogar, ein paar niveaulose Typen im alkoholisierten Zustand können hier wirklich ihren Spass haben. Ich hatte überhaupt keinen unterhaltsamen Abend dabei, nur weil ich wieder mal erinnert wurde, was ich so gar nicht sehen will in Horrorfilmen und weil ich euch nun davor warnen kann bin ich froh, diesen Film gesehen zu haben.

Meine paar Punkte gibt es für die gut gemachten Splattereffekte, die zwei Personen aus dem ersten Teil, die für die wenigen spaßigen Momente sorgen und für den aus „Deadgirl“ bekannten Noah Segan, der hier der einzige Charakter ist, dessen Handlungen man nachvollziehen kann und der sich zumindestens ein bißchen in die Herzen der Zuseher spielen kann. Hier werden Menschen einfach zu unfreiwilligen Organ- und Blutspendern degradiert, das ganze Geschehen hat einfach null mit Spannung, Schockbereitschaft oder Filmkunst zu tun sondern dient einfach nur als abschreckendes Beispiel, wie man es nicht richtig macht. Danke für diese Lehrstunde, hoffe es dauert sehr lange bis zur nächsten Unterrichtseinheit.

Cabin Fever 2 bekommt von mir 3/10 extrem ekelhaft sinnlose, menschenverachtende Empfehlungspunkte.


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