Astro Boy (Filmkritik)

In einer nicht allzu fernen Zukunft haben die besten Wissenschaftler der Welt ein Stück der Erde vom Rest getrennt. Aus diesem künstlich mit Flugfähigkeiten ausgestatteten Erdteil wurde Metro City. Hier blüht die technische Weiterentwicklung, Verbrechen oder Umweltverschmutzung gibt es praktisch nicht. Roboter helfen den Menschen bei so gut wie allen Tätigkeiten. Dr. Tenma (gesprochen von Nicolas Cage) und seinem Kollegen Dr. Elefun (gesprochen von Bill Nighy) gelang es, aus kosmischer Strahlung zwei der bisher stärksten Energiequellen überhaupt zu extrahieren. Die blaue Materie versorgt den Wirtskörper bzw. Roboter dabei mit rein positiver Energie, während die rote Materie für chaotisches, zerstörerisches Verhalten steht und nicht verwendet werden sollte.

Bei einem von Präsident Stone (gesprochen von Donald Sutherland) angeordneten Testlauf mit der roten Energie kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall, bei dem Dr. Tenmas Sohn Toby (gesprochen von Freddy Highmore) stirbt. In Folge dieser Tragödie konzentriert sich der gebrochene Vater nur mehr auf ein einziges Projekt. Aus der neuesten Robotertechnologie soll kombiniert mit der DNA seines Sohnes und der blauen Energie, eine perfekte Kopie von Toby enstehen. Entweder wird Tenma mit dieser verrückten Idee kläglich scheitern, oder er erreicht damit einen persönlichen Durchbruch, dessen Auswirkungen auf das Leben aller Menschen ihm noch gar nicht bewusst sind.

Astro-Boy

Astro Boy ist die amerikanische Kinoversion eines 1952 in Japan erstmals erschienenen Mangas. Ab 1963 lief dann auch die Anime Serie zum Comic, die den nun weltweit bekannten, charakteristischen japanischen Zeichenstil in verschiedenste Länder verbreitete. 2009 entstand nun diese Kinoadaption, die von dem in Hong Kong beheimateten, 2000 gegründeten Imagi Studio produziert wurde. Dies ist erst der dritte Film der relativ jungen Firma, die bisher vor allem mit dem 2007 enstandenen, computeranimierten Teenage Mutant Ninja Turtles Film aka. TMNT und den im selben Jahre enstandenen Anime „Highlander: The Search for Vengeance“ bekannt wurden.

Der Unterschied des Endproduktes im Vergleich zu den großen Studios Pixar (die ich liebe) und Dreamworks (die ich sehr schätze) ist dabei zwar sowohl vom Drehbuch als auch von den Animationen her sichtbar, doch ist dies in diesem Fall nicht wirklich ein Negativpunkt. Alles wirkt hier so, als wollte man einen Film schaffen, der zwar klar die breite Masse und vor allem Kinder ansprechen soll, doch gleichzeitig wollte man hier eindeutig kein liebloses Hochglanzwerk herunterkurbeln. Gelungen ist dies vor allem aus einem Grund: hier gibt es jede Menge Herz und zwar an den genau richtigen Stellen, nämlich im Körper von Astro Boy.

Die Botschaft ist klar. Wie so oft wiederholt sich die Geschichte und zeigt so die Natur des Menschen. Egal ob es nun Tiere oder andere Menschen sind, wir brauchen immer jemanden, den wir unterdrücken können und der die Drecksarbeit für uns macht. In diesem Fall sind dies die Roboter, die ja eh nicht leben und wir somit mit ihnen machen können, was wir wollen. Natürlich ist auch hier wieder ein Wesen – das nicht einmal selbst ein Mensch ist – nötig, um uns zu zeigen, was wahre Menschlichkeit bedeutet und wie weit wir uns selber schon davon entfernt haben. Botschaft angekommen und dabei nicht zu dick aufgetragen. Gut gemacht.

Beeindruckend auch die Anzahl der bekannten Darsteller, die als Sprecher für das ambitionierte Projekt gewonnen werden konnten. Vor allem Jungstar Freddie Highmore macht als Stimme von Astro Boy alles richtig und kommt unglaublich sympathisch an. Nicolas Cage als anfänglich mit der Arbeit verheirateter Vater, Donald Sutherland als egoistischer, über (Roboter)Leichen gehender Präsident und Kristen Bell als Astros beherzte Freundin Cora machen ihre Sache allesamt gut und mit sichtlicher Spiel- bzw. Sprechfreude. Auch Bill Nighy, Alan Tudyk, Nathan Lane, Charlize Theron und Samuel L. Jackson holen aus ihren Nebenrollen heraus was geht und runden das stimmlich sehr gut gecastete Ensemble ab.

An den Animationen kann ich auch nicht wirklich was aussetzen, der Mangel an bunten Farben ist handlungsbedingt und in manchen Einstellungen hätte man sich wohl mehr Leben in den Bildern gewünscht, doch im Gesamtbild bleibt der Stil eigenständig und wirkt in sich geschlossen sehr stimmig. Für den nötigen Humor sorgen vor allem die liebevoll schusseligen Sidekick Figuren. Insbesondere eine dreiköpfige Truppe aus völlig talentfreien Roboterrebellen liefert ständig Gründe um lachen zu können, wobei die meisten lustigen Situationen aus der Situationskomik enstehen und man einige nette Ideen überhört, wenn man nicht genau hinhört.

Insgesamt also ein liebevoll gemachter Animationsfilm voll mit sympathischen Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen. Da stören mich die kurzen Kitschpassagen wenig, denn die Liebe zum Detail zeigt hier deutlich, dass man es nicht mit einem seelenlosen Massenprodukt zu tun hat. Nach Pixars Wall-E der erneute Beweis, dass Roboter einfach menschlicher sind als deren Erfinder.

Astro Boy bekommt von mir 8/10 positive Energie nutzende Empfehlungspunkte.


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