Dante´s Inferno: An Animated Epic (Filmkritik)

Dantes heiliger Krieg für den Bischof dauerte drei Jahre lang an. In dieser Zeit hat der einst aufrichtige Krieger viele Dinge getan, auf die er nicht gerade stolz ist. Nun möchte er dies alles hinter sich lassen und nur mehr in die Arme seiner Beatrice flüchten. Als Dante jedoch beim Haus seines Vaters ankommt, sind alle Anwesenden getötet worden und seine über alles geliebte Herzensdame liegt gerade im Sterben. Kurz nach ihrem Tod verlässt ihr Geist den Körper und ist bereit in den Himmel überzugehen, doch plötzlich taucht eine geisterhafter Erscheinung auf und behauptet, Beatrice Seele gehöre ihm.

Während Dantes Abwesenheit hatte sie nämlich ihre Seele darauf verwettet, er würde ihr treu bleiben. Nun muss sie für Dantes Fehler büßen. Der schattenhafte Teufel fliegt daraufhin mit seiner Beute davon, doch Dante nimmt sofort die Verfolgung auf. Geleitet vom Geist des Virgil, der ihm vom Himmel gesandt wurde als Führer, beginnt eine turbulente Verfolgungsjagd. Dante wird sich dabei durch nichts aufhalten lassen und er wird seine Beatrice befreien, auch wenn er dafür in die Hölle hinabsteigen muss, um den Teufel persönlich zu besiegen.

Dantes-Inferno-An-Animated-Epic

Zwischen 1308 und 1321 erschuf der italienische Dichter Dante Alighieri sein episches Werk „Eine göttliche Komödie“. 2010 entstand ein lose darauf basierendes Videospiel namens Dantes Inferno. In diesem mutigen, von Electronic Arts und Visceral Games produzierten Spiel, hackt und schiesst man sich durch die Dämonen der Hölle, kann dabei bei einigen Kreaturen auch entscheiden, ob sie erlöst oder bestraft werden sollen. Das Spiel ist grafisch sehr beeindruckend, vom Stil her atemberaubend und atmosphärisch sehr düster und einnehmend. Für Hack ans Slay Freunde und Fans der God of War Serie also eine klare Empfehlung (das Spiel gibt es übrigens für die Xbos360, PS3, PSP und Microsoft Windows).

Dantes animiertes Epos kann man dabei als Spin-Off oder als Einführung in das Spiel und seine Grundstimmung sehen, in beiden Fällen funktioniert es sehr gut. Für diesen Film haben sich insgesamt sechs amerikanische und asiatische Leute für die gemeinsame Regie zusammengefunden, die allesamt vorher bereits einschlägige Erfahrungen als Regisseure und/oder als Mitarbeiter im Art Department von zahlreichen animierten Projekten gesammelt haben. Dabei durfte jeder sein eigenes Segment realisieren, alle Teile verbinden sich glücklicherweise nahtlos zu einem homogenen Ganzen, wobei vor allem der unterschiedliche Zeichenstil den Wechsel am Regiestuhl sichtbar macht.

Wie schon beim Spiel ist mir vor allem die kompromisslose Art und Weise der Macher aufgefallen, wie die neun Kreise der Hölle in Szene gesetzt wurden. Ständig wird man mit der Geräuschkulisse von permanent stöhnenden und leidenden Seelen konfrontiert, während geflügelte Dämonen, untote Krieger oder ungetaufte Babys mit Klingen statt Händen auf unseren Helden einstürmen. Wenn dann der grausig enartete, eigene Vater auf den Plan tritt und Dante nach dem Leben trachtet, dann wird es erst so richtig schön gruselig.

Die Grundstory von Dante Alighieri wurde hier zwar beibehalten, doch wohl um den Film dynamisch zu halten und damit das Ganze nicht zu lange dauert, haben die Filmemacher auch einiges an Handlung gekürzt bzw. Charakteren weniger Zeit gegeben. Sogar das Spiel hatte gefühlsmäßig mehr Handlung und somit Tiefe als dieser Film. Was den Zeichenstil anbelangt da gibt es dafür eigentlich nichts zu nörgeln, natürlich gefallen mir nicht alle Animationen gleich gut, doch insgesamt merkt man schon, dass hier genreerfahrene Leute am Werk waren.

Ziemlich involvierend ist auch die bombastische Musik von Christopher Tin, die zusätzlich zur Story für ständige Adrenalinschübe sorgt. Dass ist dann auch wiederum eine der großen Stärken des Filmes. Es ist eigentlich ständig etwas los. Wenn man nicht gerade die Augen interessiert über die aufwendig gestalteten Kulissen der Kreise der Hölle schwanken lässt, dann ist man ständig damit beschäftigt, Dantes stylishe Kampfszenen mitzuverfolgen. Dazu gibt es jede Menge Blut und auch mit nackter Haut wird nicht gerade gespart.

Insgesamt also eine klare Empfehlung für Freunde des Spieles und Fans besserer Anime-filmkost, Liebhaber der göttlichen Komödie dürften aber wohl doch einige Schwierigkeiten haben, diesen Film als Interpretation ihres heiß geliebten Stoffes annehmen zu können.

Dante´s Inferno: An Animated Epic bekommt von mir 7,5/10 die Hölle auf den Kopf stellende Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.