Parasomnia (Filmkritik)

Als der junge Kunststudent Danny Sloan (Dylan Purcell) einen drogensüchtigen Freund in der psychiatrischen Klinik besucht, wird er auf zwei Patienten aufmerksam, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In einem Raum steckt der gefährliche Killer Byron Volpe (Patrick Kilpatrick), der mittels seiner Augen Menschen hypnotisieren kann und sie dann dazu bringt, sich gegenseitig umzubringen. Er ist an Armen und Beinen gefesselt, trägt eine Kapuze über dem Kopf und wiederholt immer wieder die Worte „Tick Tack, Tick, Tack“.

Im Zimmer neben Byron liegt ein junges Mädchen namens Laura Baxter (Cherilyn Wilson), die von Geburt an an einer seltenen Schlafkrankheit leidet. Sie befindet sich immer nur für wenige Minuten im Wachzustand, die meiste Zeit ihres Lebens hat sie schlafend verbracht. Danny besucht sie fortan immer öfter und bemerkt dabei bald, dass zwischen Byron und Laura irgendeine Verbindung besteht, bei der die Traumebene eine wichtige Rolle spielt. Kann der Einfluss des Killers noch unterbrochen werden und wenn ja, wie kann man ihn für immer aufhalten?

Parasomnia

Halloween 2009 die dritte Klappe und hier wurde ich auf eine sehr eigene Weise wirklich bestens unterhalten. Regisseur William Malone kennen Genrefreunde wahrscheinlich am ehesten durch sein Remake vom „House on Haunted Hill“ von 1999 (mit Famke Janssen und Geoffrey Rush) oder „FeardotCom“ von 2002 (mit Stephen Dorff und Natascha McElhone). Parasomnia ist meiner Meinung nach mit Abstand der beste Film von Malone, was man auch ganz einfach begründen kann.

Die Idee zu diesem Film kam Malone bei seiner Arbeit für die Masters of Horror Filmreihe und er wollte damals voll Begeisterung nicht den langsamen Studioweg gehen, sondern einfach drauflos drehen. Malone finanzierte den Film also mit der finanziellen Hilfe einiger Freunde einfach selbst (er hat auch sein Haus mit einem Kredit belastet) und hatte somit die totale Freiheit aber auch genug Probleme mit den Rechten bei der Veröffentlichung.
Diesen Enthusiasmus für die eigene Arbeit findet man ja eher selten in Hollywood, das auf die Regeln pfeifen ist für mich noch ein zusätzlicher Sympathiepunkt und ich bin echt froh, das mir der Film wirklich auch gefallen hat.

Der Film beginnt mit einem netten Cameoauftritt von Sean Young mit dem man als Zuseher gleich in die Handlung hineingesaugt wird und baut dann langsam und in unwirklich wirkenden Bildern die Spannung auf. Für Freunde schneller oder actionreicher Filme ist Parasomnia daher eher nicht zu empfehlen.

Einige im Film vorkommende Bilder und Kulissen sowie Teile der gesamten Bildsprache im Film wurden vom polnischen Surrealisten Zdzislaw Beksinski inspiriert, was dem Film diesen einzigartigen Touch gibt, der einem Film der zwischen Traum und Wirklichkeit wechselt, sehr zu gute kommt. Überhaupt dachte ich manchmal eine Szene zu sehen, die nur ein Traum sein kann und dann war sie aber doch echt.

Für die digitalen Effekte war Malone selber zuständig, sie sind nicht immer am neuesten Stand der Technik aber sie fügen sich gut ins Gesamtbild ein. Einige Szenen sind übrigens doch ziemlich heftig geraten, die Gewalt wirkt aber nie plakativ sondern unterstützt immer die Atmosphäre des Filmes und wirkt stimmig.

Die Darsteller sind alle mit grosser Spielfreude dabei, wie ich es von einer Independent Produktion auch erwartet hatte. Vor allem Cherilyn Wilson ist toll in der Rolle der Laura, die ja eigentlich ein kleines Kind ist, dass im Körper einer Frau feststeckt. Sie spielt genau so unschuldig naiv, wie ich mir den Prototyp einer Frau vorstelle, die Beschützinstinkte in Männern wecken soll.

Patrick Kilpatrick ist rein schon von seiner physischen Präsenz her unheimlich und sein sadistisches Grinsen gepaart mit seinen pechschwarzen Hypnoseaugen machen ihn zu einem der am bedrohlichsten wirkenden Killern seit langem. Dylan Purcell als Danny ist im Vergleich mit den beiden anderen tollen Hauptdarstellern etwas blasser unterwegs, man wird darfür mit einem obligatorisch schrägem Auftritt von Genrelegende Jeffrey Combs verwöhnt.

Das surreale Finale inklusive tanzender Roboterpuppen, langen, untypischen Kamerafahrten und zwei hypnotisierten Damen, die im Rythmus mit den Puppen Geige und Cello spielen, das hat mir dann mal wirklich großartig gefallen und ich wüsste nicht, wie das besser wirken hätte können. Endlich mal ein Schluss eines guten Filmes, der nicht verhaut worden ist.

Auch sehr schön ist der Einsatz der klassischen Musik zur Verstärkung des morbiden Grundgefühls und das Ende des Filmes, das irgendwie zum Träumen und zum Leben gleichzeitig anregt. Und nicht falsch verstehen, Parasomnia ist sicherlich kein perfekter Film, aber angesichts seiner Stärken und der gesamten Präsentation verzeihe ich diese Mängel nur allzu gerne.

Tja, was soll ich noch sagen, ich mochte das. War wieder mal ein sehr gut gemachter Genrefilm wo man wirklich merkt, dass dem Regisseur seine Figuren und seine Geschichte nicht egal sind.

Parasomnia bekommt von mir 8/10 hypnotisierende Empfehlungspunkte.


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