Red Notice (Filmkritik)

FBI Profiler John Hartley (Dwayne Johnson) ist der Beste in seinem Job. Gerade hat er den Diebstahl eines der drei Eier der Cleopatra verhindert und mit Nolan Booth (Ryan Reynolds), den zweit meist gesuchten Kunstdieb der Welt gefasst. Dann wird er jedoch ausgetrickst und landet nicht nur im selben Gefängnis wie Booth, sondern gleich noch in der selben Zelle. Hartley entwickelt dadurch jedoch schnell einen Plan.

Gemeinsam werden sie ausbrechen und den Grund warum er hier sitzt, aufspüren. Es handelt sich dabei um Sarah Black aka The Bishop (Gal Gadot), die meist gesuchte Kunstdiebin der Welt. Wenn die beiden Männer sie finden, kann der eine seinen Namen wieder rein waschen und der andere ist dann an der Spitze innerhalb seines „Gewerbes“ angekommen. Das klingt natürlich viel einfacher, als es ist…

Für Regisseur Rawson Marshall Thurber (Wir sind die Millers), der hier auch alleine das Drehbuch geschrieben hat und Hauptdarsteller Dwayne Johnson, ist dies nach Central Intelligence und Skyscraper bereits die dritte Zusammenarbeit. Dabei hat man sich vom Zahlenspiel her, ganzheitlich für Superlativen entschieden. Mitt 200 Millionen Dollar Budget handelt es sich um den teuersten Netflix-Film aller Zeiten und mittlerweile ist er auch zum am meisten gestreamten Film der Plattform aufgestiegen. Zwei Fortsetzungen, die hintereinander gedreht werden sollen, sind angeblich bereits in Planung.

Kritiker hingegen sind dem Film weit weniger freundlich gesinnt. Nun ich persönlich finde, dass der Film weder den ganzen positiven Wirbel wirklich verdient hat, noch irgendeine Form von „Blockbuster-Bashing“. Red Notice ist einfach wie die gewaltigen Cheat-Meals, von denen Dwayne Johnson gerne Fotos auf Instagram stellt. Du lasst dich einfach fallen und hast Spaß, aber gleich danach richtet sich dein Geist wieder dahingehend aus, die Zeit sinnvoller zu nutzen.

In Zeiten von Corona, brauche ich da nicht lange um Daseinsberechtigungen derartiger Produktionen diskutieren. Noch dazu kommt hier die „First Person“ – Perspektive aus der Sicht von Drohnen, so umfangreich wie noch nie zuvor zum Einsatz. Das gibt den zahlreichen wunderschönen Schauplätzen, noch einmal einen zusätzlichen „Schönheits-Schub“ und verleiht dem Erzählfluss eine weitere Dynamik, wodurch man sich noch leichter mitziehen lassen kann.

Die Story ist natürlich quasi nicht existent, dient jedoch sowieso nur dazu, die beiden Hauptdarsteller in diverse Buddy-Momente zu bringen. Bevor ich auf die Männer zu sprechen komme, muss ich etwas über Gal Gadot loswerden. Ihr Wonder Woman 84 als Hauptdarstellerin und Produzentin Anfang des Jahres, fand ich ganzheitlich misslungen. Wie sie jedoch hier agiert ist derart verspielt und strahlt einfach eine ansteckend infantile Freude aus, dass es eine Freude ist, ihr zu zusehen.

Wenn sie Downtown summt während sie gerade den gefesselten Johnson etwas tiefer an seinem Körper (genau, dort wo es weh tut) mit Elektro Schocks bearbeitet, dann macht sie das so, dass man sofort grinsen muss und diese Szene, die so leicht nur peinlich oder dumm hätte sein können, funktioniert einfach. Dwayne Johnson liefert hingegen eher seinen Standard ab, im Vergleich dazu fand ich ihn etwa in Hobbs and Shaw viel intensiver oder in Jungle Cruise einfach charmanter.

Mit Ryan Reynolds (Killer´s Bodyguard 2) hat er dafür eine starke Chemie und dieser liefert auch wie so oft die witzigsten Momente, doch irgendwann ist auch die beste Masche etwas abgenutzt und so losgelöst wie bei Deadpool, war er sowieso schon lange nicht mehr. Die drei Hauptdarsteller an sich funktionieren schon sehr gut und auch gemeinsam, mehr zu erwarten ist vielleicht auch der falsche Anspruch, nur weil man „teuerste Netflix Produktion“ noch in den Ohren hat.

Die Figuren machen Spaß, der Twist kommt erwartet, technisch ist die Sache fast durchgehend sehr fein, die Action rockt und die Optik ist bestechend. Perfekt als kurze Flucht aus dem Lockdown, der dir dann jedoch schon beim Schlussspann wieder bewusst wird. Angst muss man hier freilich um Niemanden haben und Spannung gibt es auch keine, aber man ist hier ja für die Reise mit dabei und die (gewohnte) Ablenkung. Als Fan der Schauspieler muss man ihn fast sehen, doch alle anderen Menschen können auf Netflix auch einige andere Eigenproduktionen aus dem Action-Bereich finden, die mich weit weniger oberflächlich unterhalten haben (Extraction, Project Power oder The Old Guard zum Beispiel).

„Red Notice“ bekommt von mir 6,5/10 die Augen blendende und das Gehirn schonende Empfehlungspunkte.


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