Lost Words: Beyond The Page (Game-Review)

Izzy ist ein junges Mädchen, Tochter ihrer Eltern, Schwester eines Babybruders und schwerer Fan von ihrer Großmutter, die eine wundervolle Person zu sein scheint. Und Izzy schreibt Tagebuch. Außerdem will Izzy vielleicht Autorin werden, also beginnt sie im Tagebuch eine Fantasy-Geschichte zu schreiben.

Aber ein Schicksalsschlag trifft die Familie, was dazu führt, dass ihr Tagebuch nicht nur fröhliche Einträge und ihre ersten Gehversuche als junge Schriftstellerin beinhaltet, sondern durchaus auch Gedanken und Gefühle, die man nur mit Trauerarbeit beschreiben kann.

Und das schlägt sich natürlich auch auf die Geschichte nieder, die sie zu schreiben gedenkt …

Und genau setzt auch das Gameplay an, denn „Lost Words: Beyond The Page“ ist ein kleines, aber feines Mini-Adventure, welches euch in Punkto Schwierigkeit genau nichts abverlangt, aber zumindest eine Geschichte erzählt, die – wenn auch in ihren Grundzügen nicht neu – überaus charmant präsentiert wird und schlichtweg mit viel Liebe erzählt und grafisch gestaltet wurde.

Ich schreibe „grafisch gestaltet“, weil es die Formulieung „Die Grafik ist super“ nicht treffen würde. Tatsächlich ist die Grafik in „Lost Words“ eher zweckdiendlich, aber überaus liebevoll gemacht. Und zwar zum einen in der Optik und in der anderen im Art-Design. Außerdem ist die grafische Gestaltung super ins Gameplay integriert. Gut, kann man jetzt sagen: Das ist in jedem Spiel so.

Aber nicht in dieser Form.

Denn bei „Lost Words“ ist es so, dass es zwei Spielebenen gibt. Die eine und erste ist die Geschichte von Izzy und den Dingen, die sie in ihr Tagebuch schreibt. Diese Einträge vervollständigt ihr, indem ihr (als Figur personifiziert) in den Tagebuchseiten herumspringt und auf Sätzen und Worten und Bildern landet, bestimmte Wort berührt, verschiebt oder nutzt um mit anderen zu interagieren. Ein Beispiel: Izzy erinnert sich an vier Momente mit ihrer Großmutter. Das Wort „remember“ ist im Text enthalten. Also schnappt ihr euch das Wort und „malt“ damit die leeren Fotorahmen aus, was dazu führt, dass diese Erinnerungen sich mit Leben bzw. Bildern füllen. Auf diesen könnt ihr dann zum Umblättern der Seite springen.

Die zweite Ebene ist die Geschichte, welche Izzy schreibt, die als klassischer Side-Scroller präsentiert wird mit wirklich schön animierter, detailsreicher und wirklicher toller Gestaltung. Der Clou in dieser Ebene ist, dass Izzy „Wortmagie“ lernt. Sie hat also ein Buch dabei, in welchem bestimmte Worte (nie mehr als sechs) niedergeschrieben sind, mit denen sie ihre Umwelt (an bestimmten Punkten) manipulieren kann.

So kommt sie zum Beispiel relativ am Anfang zu einem kaputten Lift, denn sie mit dem Wort „rise“ dazu bringt, nach oben zu fahren. Oder später lernt sie das Wort „Burn“ und kann damit Fackeln im Dunkeln anzünden.

Das ist alles überaus charmant gemacht, zumal überall in der Welt, je weiter ihr euch fortbewegt, die Geschichte von Izzy weitergeschrieben wird, das dazu führt, dass Sätze und Kommentare von Izzy in die Spielwelt geschrieben werden. Das macht Spaß, das ist super, das hebt die Stimmung und es ist – ich wiederhole mich – absolut charmant gemacht. Optisch, als auch inhaltlich. Die Animationen sind super und schön anzusehen und man merkt, dass sie Entwickler:innen hier ein Spiel gemacht haben, in dem Herzblut steckt. Die Story ist übrigens von Rhianna Pratchett, der Tochter des leider verstorbenen Terry Pratchett. Man darf allerdings keine riesengroßen Überraschungen erwarten, auch wenn die Geschichte vielleicht anders ausgeht als ihr erwartet und es im letzten Drittel einen durchaus längeren Hänger gibt, der die Story (und das Gameplay) mal für eine gute halbe Stunde ausbremst. Aber davor und danach: Super.

Auch toll: Im Verlauf der Geschichte gibt es immer wieder Punkte, an denen ihr euch zwischen mehreren Ideen von Izzy entscheiden dürft. So zum Beispiel die Optik und den Namen eurer Protagnositin, oder ob sie die Ruinen einer alten Zivilisation findet, die aus Philosophen oder Kriegern bestand. Je nachdem ändern sich zum Beispiel die Statuen in den Ruinen. In der einen Version halten sie Bücher in der Hand, in der anderen tragen sie Schild und Speer. Spieltechnisch macht das keinen Unterschied, aber es ist ein netter Nebeneffekt, der durchaus positiv zur Atmospähre beiträgt.

Das gesamte Spiel stellt euch tatsächlich vor keine Herausforderungen, aber es unterhält die gesamte Zeit, die Figuren sind großteils nette geschrieben und zu einhundert Prozent super vertont. Die Grafik passt zum märchenhaften Ambiente und durch die Abwechslung zwischen Tagebucheinträgen und Sidescroller ist auch genug Abwechslung im Gameplay, sodass es nie langweilig wird. Auch die Hintergründe bzw. Umgebungen im Sidescroller sind schön abwechslungsreich gestaltet und die Rätsel (auch wenn nicht schwer) durch die Bank charmant.

Ihr merkt schon: Das markante Wort hier ist „charmant“. Ihr werdet hier keine Actioneinlagen finden, keinen Horror und keine filmreife Inszenierung, sonder eine liebevoll dargestellte, gestaltete und emotionale Geschichte, die mich tatsächlich an manchen Stellen berührt hat, die leider knapp vor dem Ende mal eine Phase hat an der das Gameplay auf der Stelle tritt, weil die Story einfach so viel Worte braucht, dass eigentlich spielerisch nix passiert, aber in Summe durchaus zu gefallen weiß und die für die paar Stunden wirklich gut unterhalten hat und außerordentlich – ihr habt es erraten – charmant geraten ist.

Und die Message in Summe ist einfach eine universelle, die man nur so stehen und wirken lassen kann, um sie anschließend zu bejahen.

„Lost Words: Beyond The Page“ bekommt von mir 7 von 10 möglichen, wer sich auf die Geschichte einlassen und die entspannte (und ja, charmante) Atmospähre genießen kann, kann nochmals 1,5 Punkte draufschlagen, Punkte.


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