Woolfe – The Redhood Diaries (Game-Review)

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„This is no fairytale. There is nothing fair about it.“

Rotkäppchen ist traurig. Ihr Vater wurde bei einem Unfall in der Spielzeugfirma getötet. Die Stadt ist in der Hand des Despoten B(ig).B(ad). Woolfe und obwohl ihre Großmutter ihr viele Dinge beigebracht hat (Jagen und Kämpfen) ist sie unruhig. Sie glaubt nicht an den Unfall ihres Vaters. Sie glaubt, dass irgendetwas im Dunkel liegt.

Also macht Red sich auf, um in die alte Werkstatt ihres Vaters einzudringen. Dabei stehen ihr die mechanischen Soldaten von Woolfe im Weg. Und was sie findet, wird ihr Leben für immer verändern …

Ja. Kickstarter hilft vielen Leuten, ihren Traum zu leben. So auch bei „Woolfe – The Redhood Diaries“, das von der Produktionsfirma „Grin“ (einem ziemlich kleinen, ambitionierten) Team entwickelt und von vielen aufgrund der tollen Artworks auch der oben erwähnten Plattform „gebackt“ wurden. Mit Ende März wurde „Woolfe“ nun endlich veröffentlicht. Leider mit dem Zusatz, dass es sich dabei nur um Teil 1 des Spiels handelt, denn – wie aktuell scheinbar üblich – wurde das gute Stück in zwei Teile gespalten, damit Grin ihr Versprechen der Veröffentlichung im Frühjahr auch einhalten konnten.

Was versteckt sich nun hinter „Woolfe“? Nun, im Grund handelt es sich um einen 2,5D-Plattformer, der mit ein paar kleinen (sehr einfachen) Kampfeinlagen dazu einlädt das Panorama der Spielewelt und die Atmosphäre der Story einzusaugen. Das gelingt dem Spiel auch wunderbar. Das Art-Design ist wundervoll, detailliert und wirklich, wirklich schön anzusehen. Dass man aus Red ein Gothic-Rotkäppchen gemacht hat, deren Werkzeug der Wahl die Axt ist, macht die Sache natürlich wenn schon nicht innovativer, dann zumindest interessant. Grafisch kann sich „Woolfe“ also auf alle Fälle sehen lassen, wenn auch hin und wieder „tearing“ das Vergnügen etwas schmälert, so entschädigt das grandiose Art-Design durchaus.

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Manche Dinge hätten vielleicht noch etwas Feinschliff vertragen (ein paar der Animationen von Red, zB wenn sie sich an einem Geländer oder ähnlichem festhält) wirken ein wenig abgehakt, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Viel eher lässt sich beklagen, dass das Spiel sehr, sehr kurz ist. Für die Handvoll Level, die noch dazu relativ klein sind, braucht man selbst als ungeübter Plattformer (wie ich) gerade mal rund drei Stunden – vorausgesetzt, man hält hier und da inne, um die Grafik zu bestaunen und ein paar Umwege einzulegen, um verstecke „W“-Symbole zu sammlen, welche Hintergrundgeschichten der Figuren (allesamt sehr nett geschrieben) und Konzeptzeichnungen freischaltet.

Die Bosskämpfe sind angenehm fordernd für Durchschnittsspieler, Profis werden vermutlich einen Lachkrampf bekommen (zumindest auf dem „normal“ Schwierigkeitsgrad). Red kann also kämpfen, springen, sich an Geländern und Vorsprüngen festhalten, zur Seite rollen und schleichen. Hin und wieder sind auch ein paar kleine Puzzle eingestreut, die diesen Namen allerding nur bedingt verdienen, denn die Lösungen liegen eigentlich immer auf der Hand (die Kamera zeigt euch ziemlich deutlich, wohin ihr müsst).

Die Geschichte selbst ist eine Variation von Rotkäppchen mit Steampunk und Zauberei-Einflüssen. Klar ist Großmutter eine Zauberin, klar marschieren mechanische Soldaten durch die (ansonsten leere) Stadt. Klar kann die zahnstocherdünne Red mit einer Axt hantieren als wäre es ein Strohhalm und klar ist der Tod ihrer Vater in direkter Verbindung mit Woolfe zu sehen. Dazu kommt noch eine Seitenstory über verschwundene Mädchen (die mit dem Rattenfänger von Hameln zu tun hat) und die im ersten Teil noch nicht aufgelöst wird. Erster Teil? Korrekt. Denn der zweite (und letzte) Teil von „Woolfe“ wird im August 2015 erscheinen und die Story zu Ende bringen. Passend dazu natürlich gibt es am Ende von dieser Episode einen feinen, coolen Cliffhanger.

Im Summe kann man also gut festhalten, dass „Woolfe – The Redhood Diaries“ ein kleiner, feiner (wenn auch kurzer) 2,5D-Plattformer ist, der ein tolles Artdesign, super Sound und gute SynchronsprecherInnen hat und sich super eignet um (dank der fair gesetzten Speicherpunkte) einfach mal zwischendurch ein Level zu spielen. Die Stimmung passt, die Steuerung funktioniert, das Art-Design ist wirklich super und es ist mir kein einziger(!) Bug aufgefallen, der irgendwie den Spielspaß beeinträchtigt hätte.

„Woolfe – The Redhood Diaries“ ist eine verdammt gute Arbeit eines wirklich kleinen Teams und zu sagen, dass ich mich auf Teil 2 und die Auflösung bzw. das Ende der (wenig überraschenden, aber gut inszenierten) Geschichte freue, ist wohl alles, was es dazu noch zu sagen gibt.

„Woolfe – The Redhood Diaries“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, auf den zweiten Teil wartende und Teil 1 zwischendurch nochmals spielende, Punkte.

Das Spiel ist zum aktuellen Zeitpunkt nur über STEAM und nur für Windows erhältlich. Umsetzungen auf PS4 und Co sind geplant.


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