Assassin’s Creed: Liberation HD (Game-Review)

Aveline de Grandpré ist ein Mischlingskind. Ihr Vater ist ein Franzose, ihre Mutter ist eine Afrikanerin. Sie selbst lebt in New Orleans mit ihrer Stiefmutter und ihrem Vater, da ihre leibliche Mutter verschwunden ist. Trotzdem ist Aveline keine Sklavin, sondern dank ihres reichen Vaters und ihrer Ziehmutter frei und kann sich unter den oberen 10.000 herumtreiben.

Doch Aveline ist mehr als das – Aveline ist eine Assassinin und versucht sich gegen die Sklaverei aufzulehnen. Dazu nutzt sie anders als ihre Vorgänger auch mal Verkleidungen und nicht nur ihre Klinge. Aber die Geschichte kommt anders, denn wie es scheint könnte ihr Mutter noch am Leben und ihr Mentor nicht der sein, für den sie ihn hielt.

Lange Zeit habe ich „Liberation“, als Ableger des „großen Bruders“ „Assassin’s Creed 3„, nicht gespielt, weil ich einfach keine Möglichkeit dazu hatte. Dann kam es auf den PC und ich habe es seit Jahren bei Steam rumliegen. Kam aber nie dazu. Und jetzt – als Teil vom Season Pass von „Assassin’s Creed Odyssey“ hab ich mich endlich drüber getraut und bin – positiv überrascht. Da es ja immer hieß, es sei ein „kleines“ Assassin’s Creed hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Story mich dann doch gespannt mitschleift und das Spiel ziemlich Spaß macht.

Das liegt an der Umgebung – die Sümpfe von Lousiana sind spannend, die Schmuggler nett und die Kämpfe (Quick-Time-Events) gegen Krokodile, sowie die Suche von Collectibles angenehm kurzweilig. Das liegt sicher auch daran, dass es von allem eine überschaubare Anzahl gibt. Wir suchen hier also zB keine 100 Federn, sondern 10 Münzen. Das macht es schon mal einfacher. Und da die Gebiete auch noch kleiner sind, geht das auch rascher und besser als früher.

Dazu kann Aveline etwas, was alle vor ihr nicht konnten: Sie kann sich aussuchen, ob sie als Sklavin verkleidet herumläuft (dann ist es so, dass alle ihre Aktivitäten sofort verdächtig sind) oder als edle Dame (die kann sich fast alles erlauben ohne verdächtig zu sein) oder als Assassinin (die hat zwar einen höheren Grundwert an Verdacht, dieser wird aber nur höher, wenn sie dumme Sachen macht).

Das ändert teilweise die Herangehensweise an Missionen – Nebenmissionen wohlgemerkt, da in den Hauptmissionen für euch entschieden wird, welche (Ver)Kleidung ihr tragen müsst. Zwischen den Missionen bzw. in Nebenmissionen ist es dann teilweise eure Sache.

Das System ist durchdacht und kann sicher auch als Systemkritik betrachtet werden, da natürlich eine Aussage dahintersteckt. Die Thematik mit der Sklaverei ist immerzu präsent und auch wenn die Story sich dann doch um viel persönliches dreht, so spielt Avelines sozialer Status immer eine Rolle. Es kann zB auch passieren, dass sie – sollte sie als feine Dame mit zu viel Geld unterwegs sein – von Räubern überfallen wird. Was schlecht ist, dann als edle Dame verkleidet fällt es a) schwer sich richtig zu verteidigen und b) fällt es viel mehr auf, sollte sie es tun.

Die Grafik ist sicher kein Meisterwerk, aber das geht in Ordnung zumal das Originalspiel ja doch einige Jahre auf dem Buckel hat und für einen Handheld entwickelt wurde. Unter diesen Vorraussetzungen muss ich sagen, dass es sogar wirklich gut aussieht (von einer etwas seltsame Gesichtsbeleuchtung, die hin und wieder auftritt abgesehen. Das Kampfsystem funktioniert wie eh und je (Konterknopf und Aus die Maus), auch das Anschleichen und Klettern sind altbewährt.

Schade finde ich, dass die Geschichte teilweise nur in Textfenstern weitererzählt wird, allerdings ist auch das vermutlich der Handheld-Herkunft geschuldet. Die langen Ladepausen kann ich angesichts der Grafik und überschaubaren Größe der Gebiete trotzdem nicht ganz nachvollziehen.

Alles in allem kam mir „Liberation“ nach „Origins“ und „Odyssey“ gerade recht, um mich wieder auf die alten Tugenden von „Assassin’s Creed“ zu erinnern, was dazu geführt hat, dass ich mich in der ersten Episode des zweiten DLC-Teils „The Fate Of Atlantis“ wieder mehr wie ein Assassine benommen habe und weniger wie ein Krieger (und dazu, dass ich die alte „Ezio Collection“ wieder ausgegraben und alle Ezio-Teile neu durchgespielt habe).

Allein schon dafür – Danke!

„Assassin’s Creed Liberation HD“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, aus seiner „kleinen“ Herkunft das Beste herausholende, Punkte.


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