Assassin’s Creed: Rogue (Game-Review)

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Shay Cormac ist Assassine. Er ist bemüht, er ist loyal und er gibt sein Bestes. Auch wenn er nicht immer versteht, was seine „Vorgesetzten“ von ihm wollen und weshalb, so ist er dennoch pflichtbewusst genug, um ihre Aufträge zu erfüllen. Aber langsam kommen ihm Zweifel. Die letzten Ziele waren keine Krieger, sie waren … arme Hampelmänner, schon mehr tot als lebendig noch bevor er sich ihrer annimmt. Dann kommt der große Auftrag und Shay begreift, dass er vielleicht nicht auf der Seite der „Guten“ steht, denn was hier geopfert wurde … er glaubt es kaum.

Also flieht er, wird von seinen ehemaligen Brüdern (und Schwestern) gejagt und schwört, dass so etwas nie wieder vorkommen darf. Von seinen ehemaligen Freunden für tot gehalten, kehrt er zurück und schließt sich Colonel Monro an, der sich um die Zivilisten unter seinem Schutze sorgt – was Shay sehr gut gefällt. Allerdings bemerkt er rasch, dass er nun zu den Templern gehört und auch seine ehemaligen Verbündeten entdecken schließlich, dass er noch am Leben ist …

Gleich zwei neue Teile von „Assassin’s Creed“ bringt Ubisoft 2014 in den Umlauf. Während „Assassin’s Creed: Unity“ im Paris der französischen Revolution spielt und ob der schlechten Hardware-Performance oftmals für Kritik sorgte (von den Ingame-Käufen ganz zu schweigen), hatte das Spiel dennoch starke Momente und kam bei uns sehr gut an (die technischen Mängel sind angeblich auf dem PC viel, viel größer als auf den Konsolen). Zeitgleich kam für die „alten“ Konsolen PS3, XBox360 und auch für den PC (im Frühjahr 2015) ein „kleinerer Teil“ in den Handel. „Assassin’s Creed: Rogue“, das sich vor allem in einer Disziplin von allen seinen Vorgängern unterscheidet: Man spielt auf Seiten der Templer, die im Universum von „Assassin’s Creed“ ja bekanntlich die Bösen sind.

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Gleich vorweg: „Rogue“ spielt sich zu 100% wie seine Vorgänger, da gibt es nichts wirklich Eigenständiges zu entdecken, von zwei kleineren Missionstypen abgesehen. Was alles gleich bleibt: Die Seeschlachten aus „Black Flag“, die Naturhüpferei aus „Assassin’s Creed III“, die Sammelaufgaben, die Forteroberungen und sogar eine kleine „Flottenkampagne“ kommt dazu, die im Grunde genommen den Assassinenmissionen aus „Brotherhood“ entnommen ist. Selbst die Renovierungsmöglichkeiten von diversen Gebäuden aus „Assassin’s Creed II“ sind wieder zurück. Soweit, so gut. Die „Morrigan“ (das Schiff von Shay) ist genauso aufrüstbar wie Shay selbst und entwickelt sich relativ rasch zu einem Panzer mit Segeln, was aber nichts daran ändert, dass es wirklich verdammt viel Spaß macht die See unsicher zu machen und andere Schiffe zu entern. Dieses Mal könnt ihr allerdings auch selbst geentert werden – spannend, wenn sich der Spieß mal umdreht.

Neu bei den „Boden“-Missionen sind eigentlich nur zwei Arten und eines davon ist nicht mal eine Missionsart, sondern kommt das ganze Spiel über zum Einsatz: Meuchelmörder. Sobald ihr die Seiten gewechselt habt (und Shays Gründe sind absolut nachvollziehbar, dazu später mehr), lauern euch überall und immer wieder Meuchelmörder auf (Männer und Frauen), die in Gebüschen, in Heuhaufen oder sogar in einer Menschenmenge versteckt sind, nur um euch hinterrücks anzufallen und ein Messer zwischen die Rippen zu rammen. Immer wenn ein seltsames Flüstern ertönt, sollte Shay seinen „Adlerblick“ benutzen, um die Gestalten auszumachen – mit ein wenig Übung erkennt man sie allerdings auch so relativ rasch, aber nur durch den „Adlerblick“ erkennt auch Shay sie. Dann muss man schnell sein und sie attackieren, oder sie gehen selbst um Angriff über – der sich allerdings mit nur einem Tastendruck abwehren lässt. Also so wirklich tödlich sind die Damen und Herren gar nicht. Dennoch ist es, wie ich gestehen muss, sehr befriedigend, die Tunichtgute und -innen zu entdecken und auszuschalten, bevor sie selbst zuschlagen.

Das andere ist eine Umkehr der „Attentate“ von den Assassinen: Ihr müsst Mordanschläge auf wichtige Personen verhindern. Das klingt gut und spielt sich auch spannend, allerdings bricht man hier mit einer mehr oder weniger etablierten Serientradition: Während bereits Altair aus dem ersten Teil seine Aufträge alleine ausgeführt hat, gehen hier teilweise bis zu sieben Attentäter auf eine einzige (unbewaffnete, unbewachte!) Dame los und ihr müsste sie innerhalb eines Zeitlimits aufspüren und daran hindern. Macht Spaß, auch wenn es irgendwie nicht ganz zu den anderen Teilen passt, aber bitte … zumindest gibt es in den Storymissionen „Showdowns“ mit anderen Assassinen, die allerdings streckenweise auch „nur“ auf Reaktionsspielchen hinauslaufen. Dafür sind sie gut inszeniert.

Die Seeschlachten sind wuchtig, zu finden gibt es viel zu viel und die Fort-Eroberungen (bei denen man zuerst die Geschütztürme vom Schiff aus zerlegen muss) machen Spaß wie eh und je. Die Festungen an Land sind wie immer mit Mehrfachaufgaben verbunden (Flagge runterschneiden, Munitionaslager sprengen, Anführer finden und ausschalten), variieren aber weit genug, dass sie spannend bleiben und fordernd sind.

Bleibt die Story: Die ist dieses Mal, wie ich finde, sehr gut geraten, denn Shay ist ein sympathischer Bursche, der zwar anfangs seinem Vorgesetzten – wenn ihm dieser zu blöd kommt – auch gleich mal ein paar aufs Maul gibt, sich später aber durchaus positiv entwickelt. Generell finde ich die Geschichte von Shay als den größten Pluspunkt von „Rogue“, denn Shays Wandlung ist nachvollziehbar und seine Abwendung von den Assassinen jederzeit klar und verständlich – was die übliche Präsentation der Geschichte nicht immer zu 100% ist. So wird zu Beispiel erst erwähnt, dass Shay den Templern hilft, als schon stundenlang eine Templerflagge in seiner Kabine in der Morrigan hängt. Das kommt ein wenig seltsam rüber, aber das sind Details – immerhin haben wir es nicht mit seinem Flickwerk wie „Assassin’s Creed III“ zu tun.

Auch super – da die Story zwischen „Assassin’s Creed III“ und „Assassin’s Creed: Black Flag“ spielt, treffen wir auf bekannte Gesichter, die Kennern (und Innen) sicher das eine oder andere Grinsen ins Gesicht zaubern werden. Auch sieht man Achilles (aus dem dritten Teil der Reihe) mal von einer ganz anderen Seite – spannend. Alles in allem ist „Rogue“ für mich kein Lückenfüller, kann aber nicht sagen, wie sich das für Leute anfühlt, die „Black Flag“ gespielt haben, denn diesen Teil habe ich ausgelassen (ich war ein bisschen übersättigt von der Reihe) und deshalb waren zum Beispiel die Seekämpfe für mich absolut neu.

Kurzum ist „Assassin’s Creed: Rogue“ ein „Best of“ aus all den Bekannten Elementen der Serie – keine große Innovation, aber ein riesiger Haufen voll von Spaß mit einem wirklich sympathischen Helden. Die Story rundherum (die Gegenwart-Story spielt wieder im Abstergo-Büro) interessiert in Wahrheit ja eh niemanden mehr.

„Assassin’s Creed: Rogue“ bekommt 7,5 von 10 möglichen, mit einem „Best of“ der alten Teile die Seiten wechselnde, Punkte.


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