Forgotton Anne (Game-Review)

Anne wächst in einer Welt auf, in welcher Gegenstände lebendig sind. Sie haben Träume, Wünsche, eine Arbeit und ein Leben. Die Arbeit wird kontrolliert von Meister Bonku. Denn die Gegenstände, sind nicht irgendwelche Gegenstände, es sind die Dinge, die in unserer Welt verloren gehen, als die „Vergessenen“. Diese landen dann in Annes Welt und dort sind sie lebendig. Meister Bonku und Anne sind die einzigen beiden Menschen hier und Meister Bonko beschäftigt die Gegenstände, denn sie bauen eine Ätherbrücke, welche sie alle in die „richtige“ Welt zurückbringen soll. Anne ist seine „Durchsetzerin“, denn sie hat ein Gerät, welches Gegenständen entweder Leben (bzw. Anima) aussaugen oder neu einflößen kann (vorausgesetzt sie sind nicht zu lange tot), konkret den Arca-Handschuh.

Und wie es so ist, gibt es auch in dieser Welt Rebellen. Und ebenfalls wie es so ist, ist Anne mehr gefürchtet, weil sie Macht über Leben und Tod hat, als beliebt, obwohl sie ja eigentlich eine recht nette Person ist und nur versucht die Ordnung beizubehalten, damit alle wohlauf wieder „nach Hause“ können.

Als dann in Annes Wohnung eingebrochen wird und es zeitgleich einen Anschlag auf eine Fabrik gibt, da wird die Sache kompliziert, denn Anne macht sich auf die Suche nach den Übeltätern und macht eine erschreckende Entdeckung nach der nächsten. Denn der Widerstand ist organisiert. Und er hat einen klaren Plan …

Sind wir mal ehrlich: Wer nach der Zusammenfassung der Geschichte nicht weiß, was passieren wird und wer die Übeltäter hinter den Anschlägen sind und welche schrecklichen Entdeckungen Anne macht, der oder die hat noch nie einen Krimi oder Thriller gesehen. Das macht aber nichts, denn Anne ist ja ein Spiel kann deshalb mehr bieten als eine coole Story.

Da sind zum einen die Jump-And-Run-Passagen, welche einen großen Teil des Spiels ausmachen. In erster Linie versucht ihr von A nach B zu kommen, wobei euer Ziel von der jeweiligen Mission abhängt. Hin und wieder, ich gebe es zu, hab ich mich verlaufen, weil mir nicht klar ersichtlich war, wo ich überhaupt hinmuss und die Wege, die ich gehen konnte zwar nicht versteckt waren, ich sie aber für Hintergrundgrafik gehalten habe. Stichwort Grafik: Das Design, die Animationen und überhaupt der gesamte Look der Welt sind erste Sahne. Es ist eine Freude Anne bei ihren Bewegungen (egal ob sie wo hinaufklettert oder einfach nur die Treppe runtergeht) zuzusehen, denn es sieht alles fantastisch aus und die Bewegungen sind butterweich. Das gilt auch für alle anderen Animationen im Spiel. Einfach großartig.

Zwischen diesen Passagen gilt es Dialoge zu führen, kleinere Rätsel zu lösen, welche meistens mit dem Arca-Handschuh (das Ding, welches den Lebewesen ihre Lebensenergie/Seele rauben oder geben kann) zu lösen sind, denn damit könnt ihr auch immer wieder die Welt um euch herum manipulieren. Richtig schwer wird es nie, man muss nur die Teile finden, die man braucht. Und das Spiel macht euch das im Regelfall nicht schwer. Dazu kommt, dass die Checkpoints, die ihr nicht selbst setzen müsst, sehr fair verteilt sind.

Einen weiteren großen Teil der Zeit (fast den größten) verbringt ihr aber vermutlich damit, euch in die Welt und ihre Bewohner*innen zu verlieben. Denn die haben alle Charakter und Sehnsüchte und Träume. Und auch wenn manche davon klare Klischees sind, so ist es trotzdem super, wenn einem der Kühlschrank (der aufgrund seiner … Statur ein Barkeeper wurde) erklärt, er wäre ja so gern eine Musiker geworden. Oder wenn das Radio eine Rebellenradio ist (inkl. französischer Widerstands-Mütze) und von der Tischlampe verhört wird. Oder der Besen, der eigentlich … ach, ihr wisst, was ich meine.

Dazu kommt eben die wirklich schöne und super designte Spielwelt und die Tatsache, dass die Grafiker*innen wirklich tolles geleistet haben. Annes Welt ist bunt und fröhlich. Sie ist regnerisch, trist, öde und gefährlich. Und sie sieht jederzeit aus wie ein Zeichentrickfilm in seiner besten Version. Die Charaktere die ihr kennenlernt sind jetzt, wie erwähnt, nicht die ausgefallensten und schrulligsten aller Charaktere, aber da sie eben Alltagsgegenstände sind macht das die Sache noch einen Tick witziger und vor allem liebenswerter.

Das letzte Tüpfelchen auf dem I sind dann noch die Witze und Wortwitze während des Spiels und die Tatsache, dass ihr immer in Gesprächen verschiedene Optionen habt, was ihr sagt. Das ändert am Ende des Spiels nichts (dazu kommen wir gleich), aber es ändert wie die Umwelt am Weg zum Ende auf euch reagiert, zumal es immer wieder mal vorkommen kann, dass ihr vielleicht flüchtende Rebellen mit dem Arca-Handschuh an der Flucht hindert (was dem Tod gleichkommt) oder vielleicht lasst ihr sie laufen. Oder ihr habt im Gespräch so nett geklungen, dass sie sich überlegen überhaupt nicht wegzulaufen, sondern einfach auszupacken und euch alles zu erzählen.

Die Kombination aus all diesen Zutaten macht aus „Forgotton Anne“ kein Meisterwerk, dazu sind die Wege, die man gehen muss hin und wieder zu sperrig und das Leveldesign manchmal (für mich zumindest) zu unübersichtlich, aber was sie absolut machen ist wirklich viel Spaß. Denn alleine das Rumlaufen, mit den Bewohner*Innen zu reden, die kleinen Rätsel zu lösen und sich an der grafischen Schönheit der Spielwelt zu ergötzen reicht. Herausfordernd ist das sicher nicht, aber es ist wunderschön.

Und am Ende bekommt ihr dann noch den Schluss, den ihr verdient. Auch das ist nicht neu. Aber es fügt sich absolut passend in diese schöne, erinnernswerte Spiel ein.

„Forgotton Anne“ bekommt 9 von 10 möglichen, durch ein paar kleine Mankos am Meisterwerk vorbei schrammende, schrullig-wundervolle und mit Liebe gemachte, Puntke.


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