The Complex (Game-Review)

Amy (Michelle Mylett) und Rees (Al Weaver) sind Ärzte/Wissenschaftler/Forscher. Üblicherweise sind sie in Kriegsgebieten im Einsatz, wo sie versuchen die zivile Bevölkerung vor den Auswirkungen von chemischen Waffen zu schützen oder zu heilen. Oder zumindest den Schaden zu begrenzen. Beim letzten gemeinsamen Einsatz der beiden steht jedoch eine tragische Entscheidung an und Rees packt das nicht mehr. Er steigt aus.

Jahre später arbeitet Amy an einem Forschungsprojekt: Nanozellen, die den Körper von innen heraus reparieren und heilen. Dummerweise werden diese gestohlen und in einem Körper – konkret in dem von Claire (Kim Adis) – aus dem Labor geschmuggelt. Aber die Nebenwirkungen sind irre und Claire bricht zusammen. Sie wird zurück ins Labor gebracht, wo Amy den Auftrag bekommt, zusammen mit Rees, der aus dem „Ruhestand“ zurückgeholt wird, herauszufinden was los war und wenn möglich das Virus/die Zellen zu retten, bevor Millionen von Geldern und Jahre an Forschung für immer verschwunden sind.

Es gibt aber noch andere Gruppen, die an den Zellen interessiert sind, denn sie ließen sich genauso leicht als Waffe missbrauchen. Als dann das Labor mehr oder weniger gestürmt wird, wird es immer enger für die kleine, darin gefangene Gruppe, denn die Nano-Zellen töten den Wirt bevor sie sich zersetzen und Claires Zeit läuft ab …

Interaktive Filme. Man mag sie oder man mag sie nicht. Ich bin mittlerweile ein Fan davon, zumindest, wenn das Drehbuch stimmt, die Sache spannend gefilmt ist, die Entscheidungen zumindest so dargestellt werden, dass ich das Gefühl habe, es würde was verändern und die Schauspieler dürfen auch nicht grottenschlecht sein. Wobei … eigentlich warte ich ja auf einen absolut durchgeknallten Trashfilm als „Interactive Movie“. Ich würde es LIEBEN. LIEBEN.

Wie spielt sich das Ding? Wie alle von dieser Art (zB „The Bunker“ oder „Late Shift„). Ihr seht die Handlung in Form von Filmsequenzen und alle paar Sekunden müsst ihr eine Entscheidung treffen. Die haben mal mehr und mal weniger starke Auswirkungen auf den Ausgang der Handlung und natürlich der Interaktion zwischen den Figuren. Manche werden euch am Ende mögen und andere nicht. Wer alle Ende sehen will, muss natürlich mehrmals durch, aber es gibt die nette Funktion, dass man Szenen, die man bereits kennt im Schnelldurchlauf quasi überspringen kann.

Tja, hier haben wir einen grundsoliden Vertreter, der zwar eine Trashstory hat, sich aber dennoch zu 100% ernst nimmt. Und das kann nur funktionieren, wenn der Rahmen rundherum passt. Das Set-Design ist super. Die Kameraarbeit wirklich toll, die Kostüme passend und die Schauspieler*Innen … sind großartig. Das die Rollen mal mehr oder mal weniger hergeben ist eine andere Sache, aber in Summe machen alle einen ordentlichen Job. Dass Amy immer aussieht als würde sie jetzt dann am Samstag-Abend in eine Bar gehen … geschenkt. Dafür passt der Rest und gerade die Interaktionen zwischen Rees und Amy sind wirklich super geworden. Der gute Rees ist mir mit der Zeit sogar richtig ans Herz gewachsen. Ja, er lebt und atmet Sarkasmus und ja, anfangs kann das nerven, aber spätestens, wenn dann der Druck steigt ist man irgendwann froh mit ihm dort unten festzusitzen und nicht mit jemand anders.

Das Drehbuch selbst hat keine wirklichen Überraschungen zu bieten, auch wenn es ein paar „was ist wirklich los?“-Momente gibt, aber die sieht man eigentlich nur, wenn man möglichst viele Enden sehen möchte. Es gibt da ein paar verschiedene, wobei es eigentlich nur zwei gibt und davon mehrere Variationen.

Etwas schade finde ich, dass es zB ein Ende gibt, in welchem Amy plötzlich kundtut für wen sie tatsächlich arbeitet und was sie eigentlich gemacht hat, was doch viel von der Story umdreht, aber diese Information bekommt man nur bei diesem Ende. Bei anderen erfährt man das überhaupt nicht, was ich insofern schräg finde, weil es auch bei den anderen Enden eine Information wäre, welche die aktuelle Situation vermutlich drastisch ändern würde. Aber hey, ich höre hier jetzt auf, weil das vermutlich für jene, die das Spiel noch nicht gespielt haben ein wenig kryptisch klingt.

Ich sage es mal so: Mir kam es vor, als wäre die Amy von Ende A eine andere Person bzw. ein anderer Charakter als die Amy von Ende D. Und das fühlt sich einfach eigenartig an.

Davon abgesehen gibt es ein paar coole Momente (ich sage nur „Drop something big“) und – nochmals – die Interaktionen zwischen Rees und Amy sind toll. Vor allem, wenn dann noch Claire hin und wieder aus dem Hintergrund die eine oder andere sarkastische Wortmeldung einwirft.

Alles in allem kann man festhalten, dass „The Complex“ auf jeden Fall beim Cast und bei der Technik nichts falsch macht. Wales Interactive haben gute Arbeit geleistet. Das Drehbuch ist Geschmacksache, passt aber im Rahmen eines Computerspiels. Als Film wäre es wohl ein bisschen wenig Substanz (es gibt einen Film „The Complex: Lockdown“, welcher im Grunde das Spiel hier ist, nur als Film geschnitten und ehrlich … ich wüsste nicht, warum ich mir den ansehen sollte).

„The Complex“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, unterhaltsame, gute gemachte, wenn auch nicht hervorragende, Punkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.