The Bunker (Game-Review)

Vor vielen Jahren sind die Bomben gefallen. Der Krieg ist gekommen und gegangen. Das Land ist verstrahlt und die Bevölkerung, oder das, was von ihr übrig ist, hat sich in Bunker zurückgezogen. Im konkreten Fall war das allerdings keine gute Idee, denn nach und nach sind alle Überlebenden dann doch ums Leben gekommen. Allein John (Adam Brown) und seine Mutter Margaret (Sarah Greene) haben überlebt. Zumindest bis heute. Nun bleibt John allein zurück. John, der nichts anderes in seinem Leben gesehen hat als den Bunker.

„Folge der Routine, John, dann wirst du überleben.“ Das sind ihre letzten Worte. Als einige Zeit später ein Alarm in den unteren Stockwerken John dazu bringt nach unten gehen zu müssen, passieren zwei Dinge: Einerseits löst dieser Alarm eine Kette an Ereignissen aus, die Johns Leben bedrohen. Andererseits kommen John Erinnerungen an alte Ereignisse wieder in den Sinn. An einen Kerl mit einer Axt. An Mord. An unaussprechliche Dinge, welche die Anzahl an BewohnerInnen im Bunker eher rasch dezimiert hat.

2016 kam „The Bunker“. Unscheinbar und nebenbei wurde der „Spiel-Film“ von der britischen Spieleschmiede Splendy Games veröffentlicht. Bei „The Bunker“ handelt es sich um ein FMV(Full Motion Video)-Spiel, früher eher bekannt unter dem Begriff „Interaktiver Film“. Das bedeutet im Grunde in diesem Fall nichts anderes, als das alle Szenen im Film von echten SchauspielerInnen verkörpert werden und zwar – in diesem Fall – vor echten Kulissen und nur ganz wenig bzw. selten kommt es vor, dass auch Green Screen eingesetzt wurde.

Das hat den Vorteil, dass alles wirklich gut aussieht und die SchauspielerInnen sich wirklich ausleben können. In dieser Hinsicht ist „The Bunker“ wirklich gut geworden und vor allem Sarah Greene bleibt trotz ihrer kurzen Spielzeit vor allem aufgrund ihrer Performance in den Rückblenden in guter Erinnerung.

Der Hauptdarsteller Adam Brown hat generell schon ein Charaktergesicht und natürlich mit Abstand das meiste zu tun. Allerdings nur in der Jetzt-Zeit. Sein jüngeres Alter Ego wird von Miles Roughley verkörpert und auch dieser macht seine Sache sehr gut. Alle anderen fallen nicht negativ auf und die Story entfaltet sich angenehm langsam. Wer gut aufpasst weiß zwar relativ rasch was vorgefallen ist, aber der Weg dahin ist in diesem Fall das Ziel.

Spielerisch ist „The Bunker“ mehr als nur simpel. Man klickt sich durch die Gegend, hat pro Bildschirm maximal vier Hotspots und hin und wieder darf/muss man Dinge kombinieren. Wirklich zum Gehirn anstrengen wird es aber nie. Ein paar Quick-Time-Events werden euch vermutlich dermaßen überraschen, dass ihr kurze Abschnitte wiederholen müsst/dürft, aber ansonsten ist die Herausforderung tendentiell Null.

Das tut dem Spaß an der Sache aber keinen Abbruch, denn „The Bunker“ ist ohnehin nach gut 2 Stunden vorbei. Das Spiel bemüht sich, euch einzureden, ihr hättet etwas an der Handlung mitzureden, aber das könnt ihr getrost vergessen, denn es gibt genau eine einzige wichtige Entscheidung und diese Entscheidung trefft ihr (wortwörtlich, nicht symbolisch) genau 1 Sekunde vor Spielschluss. Die beiden verschiedenen Enden haben grundsätzlich, glaube ich zumindest, weitreichende, weit voneinander abweichende Konsequenzen, nur sehen wir die nicht. Denn die Schlusssequenz dauert gefühlte 15 Sekunden. Und davon sind 10 ein mehr oder weniger regloses Standbild. Na dann.

Das macht in diesem Fall aber nicht wirklich etwas aus, denn „The Bunker“ ist ohnehin nur ein Spiel, welches man ein einziges Mal durchspielt, denn sobald man die Handlung mal durch hat, ist die Luft draußen. Diese besagte Handlung ist spannend (nach dem etwas trägen Einstieg) und je länger die Story weiterläuft desto unwohler wird das Gefühl in der Magengegend, aber auch das Mitleid mit John: Was dem armen Kerl alles passiert – Hui.

Wie gesagt: Die Story ist super, der spielerische Anspruch quasi null. Vielleicht wurde deshalb das Spiel im Jahr 2017 auch als Film veröffentlicht. Der Aufwand, der für die Filmsequenzen betrieben wurde, muss verdammt hoch gewesen sein – da zahlt sich ein Zusammenschnit als Film sicher aus.

„The Bunker“ bekommt 6,5 von 10 möglichen, als Spiel weniger überzeugende, aber als Film/Thriller gut unterhaltende, Punkte.


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