The Babysitter: Killer Queen (Filmkritik)

Vor zwei Jahren hatte Cole (Judah Lewis) ein traumatisches Erlebnis, bei dem seine Babysitterin Bee (Samara Weaving) und deren satanische Kult-Freunde, ihn bei einem blutigen Ritual opfern wollten. Da Bee jedoch am Ende verschwunden ist und es auch sonst keine Beweise gab, glauben alle seine Mitschüler und auch seine Eltern, dass er psychisch ein Problem hat und deshalb die ganze Sache nur erfunden hat.

Gemeinsam mit seiner besten Freundin Melanie (Emily Alyn Lind) und deren Kumpels flüchtet er deshalb heimlich auf einen Roadtrip, um ein Wochenende bei einer Party am See zu verbringen. Kurz darauf spritzt Blut meterweit durch die Luft, es folgt die erste Tote und Cole muss schon wieder um sein Leben fürchten. Doch dieses mal ist er nicht alleine, denn Phoebe (Jenna Ortega), das neue Mädchen an der Schule, ist ebenfalls auf der Flucht vor dem Kult…

Bei dieser Fortsetzung von „The Babysitter“ aus dem Jahre 2017, ist sowohl McG (Das gibt Ärger) als Regisseur zurück als auch alle Darsteller der wichtigsten Rollen (unabhängig davon, ob sie nun im Original gestorben sind, oder nicht). Der Film läuft seit September 2020 auf Netflix und ist eine direkte Weiterführung der Handlung, wieder mit der Figur des Cole im Zentrum des Wahnsinns. Und der wurde noch einmal gehörig gesteigert.

Nicht dass sich der erste Teil damit zurück gehalten hat, doch hier wird die Schraube noch mal eindeutig nach oben gedreht. Bevor ich darauf eingehe, will ich noch schnell auf zwei Sachen eingehen. Erstens ist es vor allem emotional echt von Vorteil, wenn man den ersten Teil zuvor gesehen hat. Zweitens ist das zwar ein reiner Partyfilm, wie er eindeutiger nicht sein könnte, dennoch stecken durchaus Botschaften drinnen.

Neben den offensichtlichen, ständigen kleinen Seitenhieben auf das „moderne“ Leben, ist es vor allem auch wieder die Aussage, dass Erfolge sich nur wertig anfühlen, wenn man auch etwas dafür getan hat, was wie beim Erstling am Stärksten durch kommt. Dass viele Menschen den schnellen Weg ohne Aufwand wählen und ihre Mitmenschen dafür nur allzu gerne als Bauernopfer einsetzen, ist nicht neu, leider aber sicherlich so realistisch wie nie zuvor.

Nun aber weiter zum alles dominierenden Chaos. Überdrehte und übertriebene Gewaltszenen, schräge Momente und Slapstick Einlagen. Das alles meist in einer Geschwindigkeit, bei der man die letzte Aktion noch gar nicht richtig verarbeitet hat, noch beim Kopfschütteln ist und schon schon wieder auf die nächste Aktion reagieren soll. Ich glaube ja für eine erwachsenere Generation (also auch mich, der ich mehr als doppelt so alt wie der junge Held bin), kann dies schnell anstrengend werden, doch ich muss sagen, dass das per Definition eines überdrehten Spaßfilmes für Halloween, schon genau so richtig ist.

Zudem sich Regisseur McG weit mehr getraut hat, was Spielereien (auch mit der Metaebene) betrifft. Da gibt es zum Beispiel während einer Sexszene – neben einigen Metaphern – eine Tanzeinlage nicht nur mit den beiden Beteiligten, die währenddessen eingespielt wird. Oder Heldin und Schurkin, die sich vor dem Finale einen Kampf im Streetfighter-Stil liefern, unmögliche Sprünge, FIGHT!-Inserts und Feuerball inklusive. Als einer der so gut wie alle Referenzen hier kennt, bin ich trotz der nichts mit dem eigentlichen Film zu tun habenden, bei mir geweckten Assoziationen, mehr in den Film involviert worden.

Und die Schauspieler? Die hatten eine „Mords-Gaudi“. Neuzugang Jenna Ortega (Iron Man 2, bald in Scream 5 zu sehen) als Phoebe ist herrlich in ihrer nach außen hin harten und plakativen Art, die ihren verletzten, weichen Kern schützen soll. Gepaart mit dem ebenfalls traumatisierten, von Judah Lewis (Demolition) angenehm „anders als alle Anderen“ auftretenden Cole, ergibt sie ein Duo, mit dem man einfach mitfiebert.

Bei den Bösen muss ich fast Robbie Amell (Code 8) als Max hervor heben, denn einen Typen zu spielen, der ständig oben ohne herum rennt und Spaß daran hat, Menschen zu töten, ist eine Sache. Dabei aber auch noch bedrohlich zu wirken, auf eine schräge Art unheimlich und dann in kurzen Szenen sogar sympathisch, wenn er etwa beim Finale Cole gratuliert, das ist schon eine eigene Kunst. Einen Kurzauftritt hat auch Samara Weaving (Guns Akimbo) als Bee, sie hat zwar wenig zu tun, doch ich finde ihre Storyline nett, inklusive der Verbindung mit den beiden Helden.

Sicherlich kann man den ersten Teil mögen und steigt bei diesem hier aus, weil er für manche wohl zu viel des Guten (oder doch Bösen?) ist, doch funktioniert man nicht so, dann kann man hier sehr viel Spaß haben. Toll aufgelegte Darsteller, schräge Ideen, optische Spielereien und Anspielungen und Blutspritzereien im zweistelligen Literbereich. Ich hatte klar meine Freude und kann am Ende nur Jedem wünschen, der sich als seltsamer Mensch bezeichnet, dass er/sie am Ende genau wie Cole den Menschen findet, der genau diese Seltsamkeit zu schätzen weiß.

„The Babysitter: Killer Queen“ bekommt von mir 8/10 zeitgeistlichen und satanischen Irrsinn untrennbar verknüpfende Empfehlungspunkte.


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