The Lie (Filmkritik)

Kayla (Joey King) wird von ihrem Vater (Peter Sarsgaard) zum Tanzcamp gefahren, als sie im vorbeifahren ihre Freundin Britney (Devery Jacobs) am Straßenrand auf den Bus warten sehen. Auf Kaylas Bitte hin, hält ihr Vater Jay an; sie nehmen Britney mit. Kurz darauf muss die Dame auf die Toilette und die beiden Mädchen steigen aus. Aber sie kommen nicht zurück.

Als Jay schließlich seine Tochter auf einer Brücke sitzend findet, gesteht ihm diese, etwas Gräßliches getan zu haben: Sie hat Rebecca von der Brücke in den reißenden Fluß darunter gestoßen.

Anstatt die Polizei zu rufen, packt Jay seine Tochter ein und fährt los. Und das Drama nimmt seinen Lauf …

„The Lie“ ist ein Remake des deutschen Films „Wir Monster“ aus dem Jahr 2015, der allerdings an mir vorbeiging, weshalb ich keinen Vergleich ziehen kann. Allerdings hat „The Lie“ eine Sache, die der deutsche Film sicher nicht hat – nämlich Peter Sarsgaard. Den Mann mag ich einfach, schon seit „The Salton Sea“, keine Ahnung, warum das so ist. Auch hier spielt er den zerrissenen Vater wunderbar. Gleiches gilt für die Mutter von Kayla, die von Mireille Enos (zB „Word War Z„) gespielt wird und eigentlich alle anderen involvierten.

Und für die erste Hälfte des Films reicht das auch völlig, da das Skript sich sehr stark auf die Beziehung zwischen den Eltern (geschieden, getrennt lebend) und der Tochter fokussiert. Nach und nach kommt jedoch der Vater von Britney ins Spiel und durch eine ziemlich große Lüge auch die Polizei, mit der – passenderweise – Kaylas Mutter viel zu tun hatte, da sie als Anwältin gearbeitet hat.

Mehrmals in der ersten Hälfte kam mir bereits der Gedanke, wie der Film aufhören könnte (heutzutage braucht ja alles einen Twist), aber ich dachte mir immer wieder „Nein, so vorhersehbar können die das nicht machen“. Aber doch. Sie tun es. Das Ende ist also auf der einen Seite überraschend (haben die das jetzt echt gebracht?) und gleichzeitig absolut vorhersehbar (war ja klar). Muss man auch mal schaffen.

Das ist jedoch gar nicht mein Problem. Mein Problem beginnt eigentlich erst nach zwei Dritteln des Films, da dort dann etwas passiert, was man den bis dahin eigentlich (ihrer Überzeugung nach) logisch handelnden Eltern eigentlich nicht abkaufen würde und sie sich selbst durch Dummheit und dann durch … nun, nochmals Dummheit, ins Aus schießen und alle Sympathien, die je dagewesen sind, verspielen.

Dabei ist mein Problem weniger das, was als Resultat passiert (wir brauchen Drama, damit der finale Twist auch richtig wehtut), sondern wie dumm sich die beiden Eltern (die ja angebliche wissen, wie die Polizei arbeitet und so weiter) sich auf einmal verhalten. Nämlich richtig dumm. Das sind so Kleinigkeiten, wie im dunklen Garten, wo man unbeobachtet sein will, das Handydisplay auf hell geschaltet lassen. Oder so vor einem Haus stehen bleiben, dass man auch wirklich von jedem Fenster aus gesehen werden kann. Und das sind die gleichen Leute, die sich vorher zumindest im Rahmen von uns Normalsterblichen „intelligent“ verhalten haben? Ach, bitte. Das kann doch nicht euer ernst sein. Wenn das so auch im Originalfilm war, dann frage ich mich, warum man das nicht korrigiert hat.

„The Lie“ ist also ein Film, der ein (haha, genau) überraschendes Ende hat, sich zwei Drittel lang wirklich spannend aufbaut und gute Charaktere hat, bis es dann einen Schnitt gibt und einen so genannten „Out Of Character“-Moment (der beide Elternteile einschließt) und einfach nur peinlich ist. Schade. Das macht den Film ziemlich kaputt.

„The Lie“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, gut gemachte, aber im Grunde sinnfreie, Punkte.


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