Magnolia (Filmkritik)

Quiz Kid Donnie Smith (William H. Macy) hat viel Liebe zu geben. Als ehemaliger Star einer Kinder-Quiz-Sendung hatte er Ruhm und Geld, aber keine Liebe. Jetzt ist er erwachsen und immer noch auf der Suche. Leider sucht er an den falschen Orten und vor allem weiß er noch immer nicht, wer er ist.

Phil Parma (Philip Seymour Hoffman) ist Krankenpfleger, dessen Patient im Sterben liegt und der es sich zur Aufgabe macht, dessen entfremdeten Sohn wieder mit seinem Vater zu versöhnen.

Stanley Spector (Jeremy Blackman) ist das aktuelle Quiz-Kid-Genie, dessen Vater ihm keine Kindheit gönnt, weil er ihn in erster Linie als Geldquelle sieht.

Jim Kurring (John C. Reilly) ist Polizist. Linda Partridge (Julianne Moore) ist die Ehefrau, des im sterben liegenden Earl, der von Phil Parma gepflegt wird. Und dann ist da noch Frank T.J. Mackey (Tom Cruise), der als Sex-Guru Millionen scheffelt, aber seine Kindheitstraumata noch immer nicht überwunden hat und da gibt es noch Dixon und und und …

Es gibt wenig Filme, die ihre Geschichten so ineinander verweben und damit durchkommen. Eine Zeitlang war das in Hollywood ja der neue Trend. Ich denke da nur an „21 Gramm“ oder „Babel“ und noch viele andere, auch kleinere Produktionen. Für mich gibt es jedoch nur einen, der alles richtig macht, richtige Charaktere hat, die man alle verstehen kann (nicht, dass man alle mag, oh nein!) und der noch dazu einen Soundtrack hat, den man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Und dazu kommt noch ein symbolischer Mindf**k, den man schlichtweg nicht kommen sieht.

Die Stars geben sich hier durch die Bank die Klinke in die Hand und in so gut wie allen Nebenrollen findet man Gesichter von Schauspieler*innen, die man kennt. Drehbuchautor Paul Thomas Anderson hat hier seinen dritten Langspielfilm inszeniert und was soll ich sagen: Dieser Film ist ein Meisterwerk.

So viele Momente, die ich aus dem Film sofort zitieren könnte. So oft Gänsehaut, so viele Entscheidungen, die man nachvollziehen kann, auch wenn es wehtut und so viele … Emotionen, dass es oft und heftig wehtut. Allerdings absolut an den richtigen Stellen. Ich habe den Film schon x Mal gesehen und ich muss jedes Mal wieder heulen wie ein Schlosshund.

Angeblich hat Paul Thomas Anderson ja zuerst die Songs von Aimee Mann ausgewählt und dann drumherum das Drehbuch geschrieben. Das spricht für die Drehbuchkünste von Anderson und die Musik von Mann. Und wer die gute Frau Mann (Ha! Ein Wortspiel!) nicht kennt, der oder die soll sich mal auf YouTube werfen und Perlen wie „One Is The Loneliest Number“ (nein, das ist nicht im Original von Filter) oder das im Film super in Szene gesetzte „Wise Up (Not Going To Stop)“ anhören.

Kurzum: Ich will gar nicht länger darauf herumreiten, sondern einfach festhalten: Jede Person, die Filme mag, die das Leben in komprimierter Form zeigen und die wirklich wirklich ans Herz gehen, die müssen diesen Film hier sehen. So viele Momente und Szenen, ich kann es nicht oft genug wiederholen, die hängen bleiben, die sich einbrennen und die man auch so nicht kommen sieht … es ist einfach ein Film, wie er nur ganz ganz selten gemacht wird. Und ich kann mich nicht erinnern, dass mich ein Film seitdem jemals wieder dermaßen berührt hat.

Das liegt zum großen Teil am grenzgenialen Drehbuch, der Regie, dem Schnitt und den absolut fantastischen schauspielerischen Leistungen von allen(!) Beteiligten. Viele bekannte Stars spielen hier Charaktere, von denen man nicht dachte, dass sie das glaubwürdig schaffen und am Ende werdet ihr dasitzen, euch die Tränen (ist es Freude? Trauer? Erlösung? Abfallende Anspannug? Oder das Gefühl, dass es Hoffnung für jede/n gibt?) aus den Augen wischen und euch wünschen, ihr könntet diesen Film ein zweites Mal „zum ersten Mal sehen“.

„Magnolia“ bekommt 10 von 10 Punkten von mir. Weil es einfach nicht besser geht. Für diese Art von Film zumindest.


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