Serenity – Im Netz der Versuchung (Filmkritik)

Fischer Baker Dill (Matthew McConaughey) hält sich finanziell mehr schlecht als recht über Wasser. Die Hälfte seines Bootes gehört der Bank und seinen Mitarbeiter Duke (Djimon Hounsou), muss er mit seinem Lohn immer wieder etwas vertrösten. Doch er hat dieses Leben gewählt, denn er ist nach dem Irak-Krieg als gebrochener Mann zurück gekehrt.

Eines Tages – als er sich wieder mal in der einzigen Bar im Ort betrinkt – steht plötzlich seine Jugendliebe Karen (Anne Hathaway) vor ihm. Nach kurzem Gespräch bietet sie ihm 10 Millionen Dollar an, wenn er ihren Ehemann Frank (Jason Clarke) ermordet, indem dieser bei einem Bootstrip über Bord geht und sich die Haie anschließend um ihn kümmern sollen.

Steven Knight ist erfolgreich als Drehbuchautor (Eastern Promises) und verfilmt seine Werke teilweise auch gleich selbst (wie etwa Redemption mit Jason Statham oder No Turning Back mit Tom Hardy). Auch bei Serenity (der deutsche Titel ist derart unpassend, dass ich ihn einfach ignorieren werde) hat er diese Doppelfunktion eingenommen, doch scheinbar ist etwas schief gegangen. Kritiker meinen großteils, bereits jetzt einen der schlechtesten Filme des Jahres 2019 gesehen zu haben.

Um hier etwas schreiben zu können, muss ich auf einige Spoiler zurück greifen, denn sonst müsste ich um den Twist herum schreiben. Deshalb hier klar meine Warnung, hier schreibe ich über die Handlung des Filmes. Alles beginnt ja wie ein klassischer Thriller. Frau will Mann los werden, der Ex soll das übernehmen, der Ex will sich in den Augen seines Sohnes rehabilitieren. Kann er das, indem der Ex den Mann tötet?

Wie gesagt, nichts Neues auf der Beziehungs-Thriller-Front. Dann nach einer Stunde der Twist (der bereits von Beginn an angedeutet wurde): das alles ist nur ein Spiel, designed von einem 13 jährigen Jungen, der sich wegen den ständigen Streits zwischen seiner Mutter und seinem Stiefvater und dessen Misshandlungen, eine Fantasiewelt geschaffen hat. In dieser lebt sein im Krieg gefallener Vater noch.

Das kann man (wenn man ich ist) schon so schlucken. Warum er jedoch seinen Vater im Spiel so darstellt, dass er in Geldnot immer wieder dadurch über die Runden kommt, dass er sich für Sex mit einer Dame im besten Alter bezahlen lässt, ist eine andere Frage. Das Ziel des Spieles ist es ja, dass der Vater einen bestimmten Fisch fängt. Dann ändert sich das dahin gehend, dass er den Stiefvater töten soll. Und da gibt es noch ein paar mehr Szenen, die in dem Zusammenhang etwas schräg sind.

Dann schickt das Spiel – in der Form eines Verkäufers – nennen wir ihn mal einen Avatar. Der möchte dafür sorgen, dass die alten Regeln eingehalten werden bzw. verstehen, warum sie sich ändern. Nette Idee, die nicht erklärt wird, höchstens durch die Eigendynamik der künstlichen Intelligenz des Spieles. Es sei denn der Avatar ist ein Metapher für den moralischen Kompass (das Unterbewusstsein) des Jungen, der während sein Vater im Spiel den Stiefvater töten will, dies auch in der Realität vor hat.

Das wiederum wird dann so inszeniert, dass Selbstjustiz und Mord klar eine legitime Lösung für manche Probleme sind. Keine Frage, es gibt sicherlich Situationen, die solche Maßnahmen rechtfertigen, jedoch hier ist es etwas problematisch. Was wurde mir spätestens wenn ich hier darüber schreibe klar? Richtig, das ist ein richtig guter schlechter Film (jedoch nicht im Sinne von so schlecht, dass er wieder gut ist), denn schon länger habe ich über bestimmte Handlungen einer Story, nicht mehr so viel nachgedacht.

Der Vater erkennt dann nach einer Weile, dass er Teil eines Spieles ist. Er hat auch eine besondere Verbindung zum Sohn, denn der scheint ihn ( in der realen Welt) immer zu hören, wenn er zu ihm spricht. Lebt da jetzt das Unterbewusstsein des Vaters irgendwie im Spiel weiter, oder beruht seine Figur nur auf den Erinnerungen des Sohnes? Ihr seht schon, man kann sich da gedanklich sehr leicht verstricken und immer weiter spinnen.

Aus filmischer Sicht ist die Meeres-Kulisse wunderschön und die oberflächliche Idylle des Küsten-Städtchens lädt zum Vergessen des Alltages ein. Der Film nimmt sich in der gesamten Inszenierung sehr ernst, was sich auch auf die Performances überträgt und ihn noch leichter angreifbar macht, als er es schon ist. Matthew McConaughey (The Dark Tower) schmeißt sich ganz in die Rolle. Am besten ist er in den manischen Momenten der Jagd und wenn er mit sich selbst hadert oder nicht weiß, wie er die Liebe zu seinem Sohn ausdrücken soll.

Anne Hathaway (Ocean´s 8) als Mutter wirkt irgendwie wie eine Karikatur, wie eine Femme Fatal aus einer Graphic Novel, hinein kopiert in die „reale“ Spielwelt. Das als verklärte Sicht des Jungen zu sehen, der so seine Mutter im Spiel darstellt, ist wohl die einzig richtige (und auch kranke) Erklärung. Als moralischer Anker für den Vater fungiert sehr sympathisch Djimon Hounsou (Shazam) während Jason Clarke (All I See is You) als Stiefvater, ein ganzheitlich ekelhafter Kotzbrocken ist.

Insgesamt daher ein Film, den man nur völlig furchtbar finden kann, wenn man drüber steht und die gesamte Sache als selbstverliebt, sich selbst zu ernst nehmend und nicht so clever wie sie gerne wäre sieht. Gut im Sinne von stimmig finde ich das gesamte Werk auch nicht, aber zum Nachdenken anregend – nicht über das Leben an sich, sondern über bestimmte Themen/Tatsachen im Film – was gar nicht so oft passiert, wie ich es gerne hätte. In diesem Sinne: weiterspielen, das Game Over ist gerade erst der Anfang.

„Serenity“ bekommt von mir 6/10 sich in der eigenen Welt verlierende und dadurch neu definierende Empfehlungspunkte.


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