Hellboy (2004 Revisited Filmkritik)

Hellboy (Ron Perlman) hat ein Problem. Nicht nur, dass er vor vielen Jahren von Nazis aus der Hölle heraufbeschworen wurde und eigentlich ein Dämon ist. Auch nicht, dass die Welt gerade von übersinnlichen Monstern heimgesucht wird. Auch nicht, dass diese Monster fast nicht zu töten sind.

Nein, das wirkliche Problem stellt John Myers (Rupert Evans) dar, denn das ist sein neuer „Aufpasser“ und er ist jung, hübsch und in etwa im Alter von Liz (Selma Blair), die genauso wie Hellboy beim BOPR (Bureau of Paranormal Research) arbeitet und von Hellboy (auch „Red“ genannt) angehimmelt wird.

Monster sind Monster, damit kann er umgehen, aber dass der Typ gefallen an Liz findet (und diese scheinbar auch an ihm), nun – das geht gar nicht.

Nach „Mimic“ und „Blade II“ – beides Horrorfilme – kam Guillermo del Toro mit einer neuen Idee: Er wollte die Hellboy-Comics von Mike Mignola verfilmen. Hellboy, in den Staaten bzw. in der Comic-Nerd-Welt ja doch halbwegs bekannt (bei uns eher nicht) und eher düster.

Der Anti-Held „Hellboy“ – ein Dämon aus der Hölle, auf die Erde gerufen um diese zu vernichten, von den „Guten“ abgefangen und von seinem Mentor/Vaterersatz Professor Bloom dazu erzogen, das Böse (konkret: Monster) zu bekämpfen – ist, wie ich finde, in den Comics eine sehr tolle Figur. Dämon aus der Hölle oder nicht, der Kerl ist einfach sympathisch. Er hat ein großes Herz, ist ein wenig tollpatschig und – das muss man zugeben – nicht unbedingt der Hellste (ich weiß nicht mehr, wie oft er in den Comics in Fallen tappt oder überrascht wird). Trotzdem, oder gerade deshalb: Man mag den Kerl.

Was Guillermo del Toro aus dem düsteren, dreckigen Comic gemacht hat, ist ein bunter Spaß, der den Humor nach oben schraubt und auch vor Slapstick nicht halt macht. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Action oder der Horror zu kurz kommen. Auch wenn letzterer eher zwischendurch mal aufflackert als tatsächlich groß Thema zu sein. Man merkt schon, wo Del Toro herkommt (filmisch gesprochen), aber „Hellboy“ war für ihn sicher sein erster Schritt in Richtung Mainstream-Unterhaltung.

Was Del Toro und seine MitstreiterInnen wirklich, wirklich gut hinbekommen, ist die Chemie zwischen den Charakteren. Ob nun Ron Perlman als Hellboy (perfektes Casting!) auf Myers Zeit mit Liz eifersüchtig ist und sich wie ein pubertierender Teenager benimmt oder ob er Monster verdrischt und One-Liner zum besten gibt. Man versteht, warum die Leute um ihn herum, den guten „Red“ einfach mögen. Sturkopf? Mag sein. Aber einer mit einem großen Herzen.

Aber ein Held kann nur richtig scheinen und sympathisch sein, wenn rundherum alles passt und die Begleiter á la Liz (Selma Blair) oder Abe (Doug Jones) ihren Teil dazu beitragen. Genau das vermittelt der Film, wie ich finde perfekt. Keine Sekunde lang fragt man sich, ob Liz Red mag. Das spürt man einfach, ohne dass sie es sagen muss. Auch Abes Vertrauen zu seinen Kollegen ist völlig klar. Man merkt einfach in jeder Interaktion, dass diese Außenseiter füreinander da sind. Klar – man streitet, man ist geteilter Meinung und hin und wieder baut jemand Mist. Trotzdem kann man sich jederzeit auf die anderen verlassen und auch darauf, dass einem (nach einer gebührend langen Standpauke/Schweigezeit/etc) verziehen wird.

Abgesehen davon sind die Monster kultig-schräg und es gibt ein paar abgefahrene Idee. Der Humor ist gut platziert (wenn auch hin und wieder aus dem Nichts kommend, wie „It laid an egg in your arm“ – Reds Antwort: „… and didn’t even buy me breakfast“) und die Eigenheiten von Red (seine Liebe zu Katzen und diversen Schokoriegeln) werden mehrmals sehr nett genutzt.

Alles in allem – einer der unterhaltsamsten und innovativsten Comicfilme seiner Zeit (wenngleich ich gestehen muss, dass man dafür Mike Mignoala danken muss, denn der hat die Figuren und ihre Welt erfunden), den Del Toro erstaunlich frei und sympathisch da auf die Leinwand gezaubert hat. Gibt es den einen oder anderen peinlichen Moment? Klar. Die verzeiht man allerdings allen Involvierten wirklich gern.

„Hellboy“ bekommt 8 von 10 möglichen, auch für skeptische Menschen super Unterhaltung liefernde, Punkte.


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