Dave Made a Maze (Filmkritik)

Als Annie (Meera Rohit Kumbhani) eines Tages nach Hause kommt, steht mitten in ihrem Wohnzimmer ein aus Karton gebautes Labyrinth. In ihm ist ihr Freund Dave (Nick Thune), der es vor drei Tagen gebaut hat und es seitdem nicht wieder verlassen hat. Er hat sich nämlich verirrt und findet den Ausgang nicht mehr, denn von innen ist das Ding viel größer, als es von außen wirkt. Zerstören will er es auch nicht, denn endlich hat er einmal etwas selbst geschaffen.

Der beste Freund Gordon (Adam Busch) ist schnell zur Stelle, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Bald schon ist das Wohnzimmer voll mit Menschen inklusive Harry (James Urbaniak), der mit Kamera- und Tonmann angereist ist. Annie wird es schließlich zu dumm und sie entscheidet trotz der Warnung vor Gefahr von Dave, ihn in dem Labyrinth zu suchen. Natürlich wollen da auch die anderen Besucher mit hinein gehen, die sich ebenfalls verirren und bald schon gibt es die erste Tote…

Es wirkt von außerhalb betrachtet klar wie ein Festival-Film und emotional wie ein Herzens-Projekt, was Schauspieler Bill Watterson (Ouija, Lost Planet 3) hier mit seinem Debüt als Regisseur und Drehbuchautor auf die Beine gestellt hat. Auf dem Slamdance Festival gab es dafür dann auch den Publikumspreis für die beste Geschichte. Die Story an sich ist sicherlich eigenwillig und individuell genug, um Zuseher, die sich lieber „normale“ Filme ansehen, schon im Vorfeld abzuschrecken. Gut so, denn für sie ist der Film auch nicht gemacht.

Hier muss man schon eintauchen wollen und sich an den schrägen Einfällen und der Kreativität erfreuen, die einem von diesen ursprünglich leblosen braunen Pappwänden, entgegen strahlt. Entwarnung kann ich gleich zu Beginn in zwei Bereichen geben: Erstens geht der Handlung nie richtig die Energie aus – im Grunde wirkt die Sache ja wie ein auf einen Spielfilm ausgedehnter Kurzfilm – denn das Abenteuer ist nach knackigen 80 Minuten schon wieder vorbei. Zweitens ist man nicht den billigen Weg gegangen, am Ende alles nur als Traum zu erklären.

Der wahre Star ist natürlich das Labyrinth an sich. Hier gelten eigene Regeln, die es eben immer gibt, daran hält sich auch Dave. Darum gibt es auch Fallen. Und ein Menschen fressender, nach Freiheit strebender Minotaurus läuft herum. Während das Gebäude wächst wird klar, dass es Niemanden mehr freigeben wird und an eine angreifbare Energiequelle bzw. einen Schwachpunkt, hat Dave bei seinem Bau nicht gedacht. Die Parameter des Spieles werden mit perfekt trockenen Meldungen von den anwesenden Nerds kommentiert, was eine wahre Freude ist.

Überhaupt ist die ansteckende Spielfreude in Kombination mit den überbordenden optischen Eindrücken eine wahre Freude. Man denkt gar nicht mehr darüber nach, was man da eigentlich anschaut oder wie es dazu gekommen ist. Spätestens wenn die einen Ausgang Suchenden dann durch eine Röhre rutschen und unten als Kartonfiguren wieder heraus kommen, hatte der Film bei mir gewonnen. Zusammen mit dem bereits erwähnten Humor und dem Typen mit dem Filmteam, der ständig alles auf dramatisch und emotional für die Kamera hinbekommen will, ist der Unterhaltungswert einfach beinahe ungebrochen oben.

Dass man die Darsteller (zumindest ich) weniger oder gar nicht kennt, ist hier fast schon ein Bonus, denn für mich waren/sind die so und haben nicht nur gespielt. Der von Nick Thune (Urge) gespielte Dave ist als Motor des ganzen Geschehens eine starke Figur, den man einfach mit all seinen Schwächen gerne hat, weil er eben ein ganz normaler Typ ist und das Herz am rechten Fleck hat. Meera Rohit Kumbhani (Perception) als Annie ist einerseits genervt von der Situation, andererseits erlebt sie alles mit weit geöffneten Kinderaugen und außerdem liebt sie Dave, also gibt es nur eine gemeinsame Lösung.

Für Grinsen sorgen Adam Busch (Rebell in the Rye) als Gordon, den man einfach liebt für seine sarkastischen Oneliner und natürlich James Urbaniak (Wonderstruck) als Harry, der unbeirrt sein Filmprojekt als höchstes Ziel sieht, dass unbedingt verwirklicht werden muss. Die übrigen Figuren wissen ebenso zu gefallen, beinahe jeder hat mindestens eine skurrile Szene. Da braucht es dann auch keine Charakterentwicklung oder irgendeine Form von Tiefe, man muss auch nicht erfahren, was Dave gemacht hat, denn er war angeblich drei Tage nicht auf der Toilette, weil er doch nie in sein Kunstwerk urinieren würde.

Insgesamt ist der Filmgenuss hier daher ein perfekter Weg, um aus dem tristen Alltag zu flüchten. Nicht ganz ohne Leerläufe und nicht durchgehend mit der gleichen Power versehen, hat dieses Abenteuer dann aber dennoch viel zu viele positive Elemente, die einfach Freude bereiten. Ja, man sollte sich schon darauf einlassen um sich geistig nicht zu verabschieden, aber wer den Humor, die Kreativität und die charakterlichen Eigenheiten zu schätzen weis, der ist hier bestens aufgehoben.

„Dave Made a Maze“ bekommt von mir 7,5/10 den Ausgang nur als Team finden könnende Empfehlungspunkte.


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