The Book of Henry (Filmkritik)

Henry ist ein hochbegabter 11-jähriger, der ganz nebenbei das Leben seiner alleinerziehenden Mutter Susan managt. Er geht mit offenen Augen durch die Welt und erkennt schnell, dass seine Nachbarin Christina von ihrem Stiefvater misshandelt wird. Doch alle Versuche ihr zu helfen scheitern. Als er keinen Ausweg mehr sieht, gibt er seiner Mutter einen sehr speziellen Auftrag…

Nachdem ich gelesen hatte, dass Regisseur Colin Trevorrow (Jurassic World) angeblich wegen diesem Film die Chance bei einem „Star Wars“-Film Regie zu führen flöten ging, war selbstverständlich mein Interesse geweckt. Andere Stimmen behaupten, der wäre gefeuert worden, weil er eine „schwierige Persönlichkeit“ sei und weil er nie damit aufhören konnte, anderen seine Meinung aufs Auge zu drücken, bzw seine Meinung besser als die anderer zu finden.

Was auch immer der Fall ist, ich fand den Film gar nicht mal so übel und kann nicht verstehen, warum er von Kritiker komplett vernichtet wurde (an den Kinokassen nahm er bei einem Budget von 10 Millionen nur 4,4 Millionen Dollar ein). Ich heulte bei diesem Film so viel wie schon lange nicht mehr, was ein gutes Zeichen ist, denn das passiert nur, wenn mich die Handlung beziehungsweise die Schauspieler emotional berühren.

Eine große Schwäche liegt eindeutig im Drehbuch. Die erste Hälfte ist wirklich fantastisch. Man lernt diese liebenswerte Familie kennen und wie die einzelnen Personen ticken. Aber ab der zweiten Hälfte wird „The Book of Henry“ ziemlich absurd.

Wie kann ein Genie nur auf einen solchen Plan kommen und wie verrückt muss man als Mutter sein, diesen Plan auch ausführen zu wollen? Doch Tevorrow scheint komplett überzeugt von dem 20 Jahre alten Drehbuch zu sein. Was dabei herauskommt, ist ein regelrechtes Genre-Misch-Masch.

Was den Film aber aus der breiten Masse hervorhebt, sind wirklich gute Schauspieler.

Naomi Watts (Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)) , als Kindfrau Susan, die sich ihr Leben von ihrem 11-jährigen Sohn planen lässt, ist wahnsinnig sympathisch. Sie ist keine typische Mutter und ist mit ihren beiden Kindern auf Augenhöhe. Ihre Söhne erziehen stellen weise ihre eigene Mutter, mahnen sie nicht zu fluchen, nehmen ihr die Zigaretten weg und Henry macht sogar die Steuererklärung für seine Mutter. Wenns hart auf hart kommt, fragt sie Henry um Rat.

Henry, gespielt von Jaeden Lieberher (St. Vincent), ist ein hochbegabter Bursche. Er fühlt sich unter gleichaltrigen nicht besonders wohl und nimmt gleich mal einen Klassenkollegen jedwede Illusion, dass er einmal wegen Dodgeball bei den olympischen Spielen berühmt werden könnte. Seine Charakterentwicklung ist allerdings keine so tolle, denn in der zweiten Hälfte möchte man ihm gerne Mal die Meinung ob seines komplett verrückten Plans geigen.

Jacob Tremblay, manchen durch seine Performance in „Room“ bekannt, ist hier absolut herausragend. Seine Emotionen wirkten so echt, dass ich jedes Mal heulte, wenn der kleine Mann auch nur nasse Augen bekam. Sein abschließender Zaubertrick wusste ebenfalls emotional zu berühren.

Maddie Ziegler (Ballerina) als Christina ist für mich in diesem Film eine Enttäuschung. Bisher kenne ich sie nur aus den Musikvideos der Sängerin Sia, wo sie um Welten besser ist und viel charismatischer wirkt. Hier lugt sie nur mit kalten Augen hinter ihren langen Haaren hervor. Lee Pace als Dr. Daniels war ungemein sympathisch und ich hätte ihm mehr Screen-Time gegönnt.

Fazit: In der ersten Hälfte war ich gut unterhalten, aber in der zweiten Hälfte saß ich stellenweise mit offenen Mund das und fragte mich WIESO? Doch zum größten Teil exzellente Schauspieler ziehen hier den Karren zumindest teilweise wieder aus dem Dreck.

Dieser Film bekommt von mir 6,5/10 emotionalen Punkten.


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