Ghost Ship (Filmkritik)

Murphy (Gabriel Byrne) und seine Crew sind spezialisiert darauf, verschollene Boote und/oder deren Fracht aus den Tiefen der Meere zu bergen. Gerade haben sie erfolgreich einen Auftrag hinter sich gebracht und freuen sich auf ein paar ruhige Tage, als sie ein Pilot vom Wetterdienst namens Jack Ferriman (Desmond Harrington) anspricht, da er ein großes verlassenes Schiff im Beringmeer entdeckt hat.

Murphy und seine Leute einigen sich schließlich darauf, den potentiell lukrativen Einsatz anzunehmen, wobei sie Jack dabei begleitet. Als sie das Schiff entdecken glauben sie zunächst ihren Augen nicht, denn es handelt sich um die Antonia Graza, die seit vierzig Jahren als verschollen gilt. Als sie auf Erkundstour gehen und das Innere der Graza erforschen, häufen sich plötzlich die seltsamen Erscheinungen. Sind die wirklich alleine auf diesem Schiff und wenn nicht, werden sie das Geheimnis hinter dem Verschwinden der Graza überleben?

Ghost Ship

Als das Drehbuch von Mark Hanlon im Jahre 1996 zum ersten Mal auftauchte, handelte es sich noch um eine relativ unblutige Geschichte, um einen psychologischen Thriller, bei dem die meisten beteiligten Figuren aus unterschiedlichen Gründen langsam den Verstand verlieren und sich schließlich gegenseitig umbringen wollen. Laut Aussagen in diversen Interviews haben die Stars hier genau für dieses Skript unterschrieben, dass dann jedoch auf Drängen von Produzent Joel Silver umgeschrieben wurde und die Darsteller erst bei Drehstart erfuhren, was aus dem ursprünglichen Werk gemacht wurde. Regie führte Steve Beck, der mit seinem Vorgänger 13 Geister schon einige Erfahrung mit wütenden Gespenstern sammeln konnte.

Gleich der blutige Einstieg dieses Filmes ist ja mittlerweile legendär. Ja, ich meine die in der Vergangenheit spielende Tanzszene und mehr verrate ich jetzt auch nicht, denn ich will Unwissenden eine mögliche Erstsichtung nicht verderben. Nur soviel: in dieser Form geht der restliche Film dann nicht weiter. Eher langsam werden die Figuren eingeführt, man bekommt ein Gefühl für sie und hat seine Sympathiepunkte als Zuschauer schon bald verteilt. Wenn schließlich die Geister zuschlagen dann nie direkt, sondern eher in manipulativer Form locken sie ihre Opfer in die Falle.

Subtil sind diese Attacken noch immer nicht doch im Vergleich zu seinem Erstling schafft es Beck teilweise durchaus eine unangenehme Atmosphäre zu erschaffen, die irgendwie den Verstand vernebelt und mögliche Fluchtimpulse unterdrückt oder zumindest aufschiebt (bis es dann zu spät ist). Warum die Geister das tun hat übrigens auch einen Grund, nicht einfach nur weil sie böse sind, das Geheimnis dahinter wird am Ende aufgeklärt. Diese Rückblick-Szene ist dann ähnlich effektiv wie der Einstieg, von der Musik über die verlangsamten Bilder und diese destruktive Energie die da ausgestrahlt wird, für mich das Highlight im Film, da kann auch das weniger spektakuläre Finale nicht mithalten.

Das verfallene, rostige Schiff funktioniert ziemlich gleich wie das Haus bei 13 Geister, da es für alle Besucher zum Gefängnis wird. Draußen lauert der Tod in Form des Meeres, drinnen in Form der übernatürlichen Macht. ACHTUNG SPOILER: Dass der Drahtzieher hinter der Sache ein Dämon ist, der für seinen Meister Menschen umbringt um deren Seelen einzusammeln, diese dann markiert und sie darum seinem Willen gehorchen müssen, ist von der Auflösung her mal etwas anderes und erklärt auch rückblickend schön die gesamte Handlung des Filmes. Genau darum ist nämlich all das passiert, vor vierzig Jahren und in der Jetztzeit. SPOILER ENDE.

Julianna Margulies (Snakes on a Plane) als Epps ist das Herz des Teams. Schon am Anfang merkt man, dass die einzige Dame der Gruppe Stütze, Motivator und Vermittler zugleich ist und als Filmkenner weiß man, das wird die Dame sein, die beim Finale gegen das Böse antreten muss. Sie macht ihre Sache richtig gut, es fällt leicht mit ihr mitzufiebern. Gabriel Byrne (Vampire Academy) hat ein paar nette Momente während er Weisheiten über das Meer von sich gibt und der damals noch unbekannte Karl Urban (Dredd) funktioniert sehr gut als Typ mit der großen Klappe, der für einige heitere Momente sorgen darf.

Die Australierin Emily Browning (Sucker Punch) hat hier als kleines Geister-Mädchen Katie ihre erste Rolle in einer amerikanischen Produktion. Diese kindliche Unbeschwertheit die sich mit dem Schmerz über ihren Tod und ihren gefangenen Zustand abwechselt, das vermittelt sie so, dass es förmlich spürbar wird. Sie wird für Epps zu einer Führerin, um hinter das Geheimnis des Schiffes zu kommen. Desmond Harrington (Exit Speed) schließlich als Ferriman ist etwas zu unscheinbar, um wirklich harmlos sein zu können. Er hat irgendwas an sich, dass man nicht gleich zuordnen kann.

Somit ist dies ein Film, der von den gut aufgelegten Schauspielern, den Effekten und den Settings, vor allem aber von dem starken Anfang und der genialen Rückblickszene unheimlich profitiert. Da eigentlich insgesamt wenig los ist, verfehlen gerade diese Ausbrüche von Brutalität und Irrsinn, ihre Wirkung nicht. Und was haben wir gelernt? Richtig, das Monster im Menschen holst du am Schnellsten hervor, indem du ihm ultimativen Reichtum versprichst, dafür kann man eben ruhig auch über Leichen gehen.

„Ghost Ship“ bekommt von mir 7/10 die Katastrophe gerade noch umschiffende Empfehlungspunkte.

Ghost Ship [Blu-ray]


von Steve Beck [Warner Home Video - DVD]
Preis: EUR 8,78

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von Richard Mirisch [Warner Home Video - DVD]
Preis: EUR 12,99


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