Shadow (Filmkritik)

David (Jake Muxworthy) ist schon seit seiner Kindheit ein riesiger Bikerfan. Als Ausgleich zu seinem lebensgefärhrlichen Alltag als Soldat im Irakkrieg, nutzt er die Gelegenheit und fährt in ein wunderschönes Waldgebiet in Europa namens The Shadow, dass sich als wahrgewordener Traum für jeden passionierten Fahrradfahrer präsentiert. Auf seiner Tour lernt David die schöne Angeline (Karina Testa) kennen, die ebenfalls mit ihrem Bike unterwegs ist.

Gestört wird die idyllische Ruhe der jungen Leute jedoch abrupt durch zwei gewaltbereite, proletuide Jäger, die auf der Suche nach Ärger sind. Als Angeline ihnen schließlich auch noch die Chance auf eine fette Jagdbeute vermasselt, flippen die beiden Schießwütigen aus und verfolgen die Fahrradfahrer, um es ihnen heimzuzahlen. Nach einer kurzen, waghalsigen Flucht glauben David und Angeline in Sicherheit zu sein, doch in diesem Wald lauert noch eine ganz andere, bisher unsichtbare Gefahr, gegen die sogar die zwei Menschen jagenden Jäger noch völlig harmlos wirken.

Shadow Film

Shadow, der in Deutschland den plakativen Untertitel „In der Gewalt des Bösen“ trägt, ist interessanterweise ein englischsprachiger Horrorthriller aus Italien, mit amerikanischen, französischen und italienischen Schauspielern (wahrscheinlich hab ich da noch ein paar Länder vergessen). Ich freute mich hier vor allem auf ein Wiedersehn mit der bezaubernden Karina Testa, die ich aus dem hammerharten Film „Frontiers“ noch in bester Erinnerung hatte. Diese Fakten und die Information, dass dies ein Film mit Twist sein sollte, hat bei mir das Interesse für diesen Film geweckt.

Nun, leider wurden meine Erwartungen nicht wirklich erfüllt. Zuerst aber mal die positiven Eindrücke für euch zusammengefasst. Die Landschaftsaufnahmen sind wunderschön geworden, hier wandern zu gehen, im Zelt zu übernachten und einfach nur frei zu sein wäre sicherlich eine einprägsame Reise wert. Der Kameramann beweist auch in den zahlreichen dunkleren Szenen sein Können, nie verliert man die Übersicht oder bekommt nicht mehr mit, was hier eigentlich los ist.

Karina Testa hat zwar nur eine Nebenrolle, ist aber wieder mal unglaublich sympathisch und funktioniert perfekt als Objekt der Begierde des Helden. Der von Jake Muxworthy gespielte David macht seine Sache dann auch ganz gut, bleibt jedoch etwas blass. Chris Coppola zuzusehen machte dafür umso mehr Spass. Ihn kennt man ja vor allem als Deppen vom Dienst aus einigen Uwe Boll Filmen (Postal,Far Cry,Bloodrayne2), hier darf er jedoch endlich mal ein widerliches Arschloch spielen, was ihm sichtlich Freude bereitet hat.

Weniger gut ist die Story geraten, was klar egal wäre, wenn der ganzen Sache irgendetwas eigenständiges beigemischt worden wäre. Junge trifft Mädchen seiner Träume in einem abgelegenen Wald, bekommt Ärger mit gewaltbereiten Waffennarren, nur um schließlich gemeinsam mit den beiden Jägern in der Folterkammer eines völlig Irren, unmenschlich wirkenden Folterknechts aus den Zeiten des Nationalsozialismus zu landen.

Ok, klingt vielleicht genremäßig abgehoben und somit nicht schlecht, ist aber irgendwie zu zahm geraten, hier fehlt eindeutig etwas, was auch immer dies auch sein mag. Ok, der glatzköpfige Folterknecht ist schon irgendwie furchteinflössend abstossend geraten. Magersüchtig muskulös (ja, sowas gibt es tatsächlich) faucht er durch die Gegend, leckt an giftigen Fröschen und zeigt außer dem Irrsinn in seinen Augen keinerlei erkennbare Gefühlsregungen. Gewaltmäßig wird einem Kerl der Rücken verbruzelt, einem anderen Typen ein Augenlid entfernt und Füße in Bärenfallen aufgespiesst. Kennt man also alles noch viel schlimmer und brutaler aus anderen Filmen, da es hier aber eigentlich ja nicht um diese Szenen geht, wäre noch weniger wohl mehr gewesen.

Achja, den Twist will ich euch natürlich auch nicht vor enthalten. SPOILER ANFANG: David befindet sich den gesamten Film lang in einem irakischen Krankenhaus, wo er nach einer Granatenexplosion um sein Leben kämpft. Alles was dem Zuseher bis auf die letzten Minuten gezeigt wird, ist also nur ein Traum, der im Gehirn des im Koma liegenden Hauptcharakters abläuft. Die beiden Jäger sind im echten Leben Soldaten, die mit David unterwegs waren, ein Gastwirt ist sein behandelnder Arzt und Angeline in Wirklichkeit seine Krankenschwester. Alles andere entspringt somit nur der Fantasie des Regisseurs bzw. eben der träumenden Person im Film. Netter Gag, der den Film aber nicht aus den Mittelmaß herausheben kann. SPOILER ENDE.

Insgesamt also ein gut gemachter Thriller mit altbekannten Horrorelementen, ohne echte Schwächen jedoch auch ohne sichtbare Stärken. Eine professionelle Machart, ein ordentlicher Cast und die Idee eines gemeinen Schlussgags, machen eben leider nicht automatisch einen tollen Film.

Shadow bekommt von mir 5/10 den „zu schön um wahr zu sein Wald“ fürchtende Empfehlungspunkte.


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