Shadow und der Fluch des Khan – The Shadow (Filmkritik)

Tibet kurz nach dem ersten Weltkrieg. Der Amerikaner Lamont Cranston (Alec Baldwin) ist gefürchtet unter dem Namen Ying-Ko, ein grausamer Kriegsherr und die Nummer eins im Opium-Handel. Er wird von den Männern eines heiligen Mannes namens Tulku entführt und darüber informiert, dass er ab nun eine Kraft für das Gute sein wird und in diesem Tempel sein Training stattfinden wird. Sieben Jahre danach kehrt Lamont in seine Heimatstadt New York zurück.

Für die Außenwelt ist er nur ein das leichte Leben genießender Playboy, doch in seiner zweiten Identität als Shadow, verfolgt und stoppt er sämtliche kriminelle Subjekte in seiner Stadt. Leute die er rettet, werden zu seinen Agenten, die ihn mit Informationen und deren Fähigkeiten unterstützen. Als er auf eine verführerische Dame namens Margo Lane (Penelope Ann Miller) trifft, die telepathische Fähigkeiten hat, glaubt er sein Geheimnis sei in Gefahr. Doch die echte Bedrohung geht von Shiwan Khan (John Lone) aus, ebenfalls ein Schüler des Tulku, der sich jedoch nicht bekehren ließ und nun die Weltherrschaft anstrebt.

The Shadow

The Shadow wurde bereits im Jahre 1931 von Walter B. Gibson erfunden und erlebte seine ersten Abenteuer in Form von „pulp fiction“ Romanen oder Schundliteratur, wie die wenig freundliche deutsche Übersetzung davon lautet. Nach langen Vorbereitungen entstand 1994 schließlich unter der Regie von Russell Mulcahy (Highlander) diese 40 Millionen Dollar teuere Kinoversion, die als Beginn eines Franchises gedacht war, mit Spielzeug und eigener Kleiderlinie inklusive. Da aber nur 48 Millionen wieder eingespielt werden konnten, wurden alle Pläne fallen gelassen. Ähnlich wie bei einem anderen Pulp-Charakter, nämlich The Rocketeer, hat sich aber im Laufe der Jahre eine treue Fangemeinde um den Film gebildet und es konnten so große Gewinne beim VHS und DVD Markt erzielt werden.

Schon zu Beginn fällt die eigentümliche Atmosphäre auf, die Bildübergänge, die Theatralik, die großen Gefühle, die in diesem Fall sehr spezifische Comic-Herkunft ist einfach nicht zu leugnen. Dabei finde ich es eine große Kunst, wie hier Szenen, die ganz leicht lächerlich wirken hätten können, so inszeniert wurden, dass man sie wirklich ernst nehmen muss. Alle Beteiligten, vor allem die Hauptdarsteller, spielen einfach so, als würden sie wissen, dass sie bei etwas Großem dabei sind und vermitteln ihre Gefühle auch durch weit aufgeschlagene Augen und die vom Gesichtsausdruck her gekonnt ausgestrahlten Wow-Momente.

Dabei liefert einen großen Teil des nostalgischen Charmes natürlich die Ära, in der der Film spielt (sieben Jahre nach dem ersten Weltkrieg, sollte wohl so um 1925 sein oder so). Die Autos, die Straßenbeleuchtung und vor allem die Kleidung, das alles versetzt sehr natürlich in diese vergangene Zeit. Einige Kulissen sind dabei schon klar als Matte-Paintings (auf Leinwand gezeichnete Hintergründe) erkennbar, doch schadet dies den pompösen Settings nicht wirklich. Die Effekte des Shadow, mit dem Verschwinden und wie er als Rauch wieder kurz auftauchend seine Feinde zu Boden streckt, sind größtenteils noch immer schön anzusehen, öfters sieht man ihnen aber dann doch an, dass sie 20 Jahre auf dem Buckel haben.

Shadow ist ja kein Übermensch, sondern ein Meister der Manipulation, des Spielens mit Ängsten und der Beeinflussung des menschlichen Geistes. Wird er in seiner Schattenform getroffen, dann hinterlässt dies echte Wunden. Natürlich kann er auch kämpfen, aber ohne sein fast schon als Show zu bezeichnendes Auftreten, würde er viel an Ausstrahlung verlieren. Wie schnell man dann auch als Held hilflos sein kann, beweist ihm dann zum wiederholten Male der mystische fliegende Dolch, der von der Gestik her erstens immer wütend scheint und zweitens nur durch einen friedlichen Geist besiegt werden kann. Hat den Shadow noch, nachdem er unter all den Schandtaten leidet, die er früher begangen hat?

Alec Baldwin (Still Alice) passt perfekt in die Rolle des an Selbstzweifeln und der Vergangenheit leidenden Helden, der weiß, wie man mit Ladys umgeht und das Image des lockeren Playboys, sehr überzeugend aufrecht erhält. Lamont: „I dreamed I tore all the skin off my face and was somebody else underneath“. Margo: „You have problems“. Lamont: „I’m aware of that“. Ja, großartiges Zusammenspiel mit Penelope Ann Miller (Carlito’s Way), die einerseits sehr bestimmt agiert und ihre Reize einsetzt, andererseits sich eine unschuldige Verspieltheit erhalten hat und für zahlreiche auflockernde Momente sorgt.

Am Besten zusammen mit ihrem Wissenschaftler-Vater Dr. Reinhardt, denn in dieser Rolle kann Ian McKellen (Der Sternwanderer) beweisen, dass er auch als schusseliger Professor überzeugt, ganz ohne Zauber- oder Magnetkräfte (seine Parts als Gandalf und Magneto meine ich natürlich). John Lone (Im Jahr des Drachens) als Bösewicht Khan bringt eine Mischung aus Erhabenheit und bösartiger Freude am Chaos mit in seine Rolle, verkommt aber teilweise ein wenig zur Karikatur, was auch an ein paar Over-Acting Momenten, schön zu bestaunen ist. In Nebenrollen gibt es dann auch noch ein Wiedersehen mit Tim Curry (The Rocky Horror Picture Show) als schleimigen Wissenschaftler und Peter Boyle (Monster´s Ball) als treuen Taxifahrer.

Insgesamt daher ein feiner Film, um einfach mal abschalten zu können, um in diese nostalgische Welt einzutauchen. Ein bisschen wie ein Märchen für Erwachsene eben, manchmal kindisch, leicht überdreht, stellenweise düster, hin und wieder übertrieben, am Ende dann einfach ein unterhaltsames Gesamtpaket. Dass aus dem Film kein Franchise geworden ist, wundert mich aber wenig, denn dafür ist der eigenwillige Stil wohl dann doch nicht massentauglich genug. Alle anderen Comic-Freunde, die die Tatsache, dass ein Schatten kein strahlender Held sein kann völlig logisch finden, sind hier genau richtig.

„The Shadow“ bekommt von mir 7,5/10 die vielfältige Nutzung von Schatten völlig ausreizende Empfehlungspunkte.

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