Die (Filmkritik)

Polizist Mark Murdock (Elias Koteas) erwacht in einer Zelle mit durchsichtigen Wänden, fünf weitere Menschen sind mit ihm auf drei Räume aufgeteilt eingesperrt. Keiner der sechs Gefangenen kennt sich oder hat eine Ahnung, warum sie hier her gebracht wurden, bis ein Mann namens Jakob (John Pyper-Ferguson) erscheint und ihnen die Regeln der nun folgenden Aufgaben erklärt.

Jeder der sechs Teilnehmer wollte sich schon einmal das Leben nehmen, ist aber mit diesem Vorhaben gescheitert. Nun wird das Schicksal in Form eines Würfels über ihre Zukunft entscheiden. Wer verspielt stirbt, die Überlebenden werden sich jedoch wie wiedergeboren fühlen. Kann Detective Sofia Valenti (Caterina Murino), die auf der Suche nach ihrem Partner Mark ist, Jakob und seine Leute stoppen bevor es zu spät ist?

Die

Dies ist eine kanadisch-italienische Coproduktion, die das Regiedebut des Kanadiers Dominic James markiert. Neben den in Nebenrollen immer wieder glänzenden Elias Koteas, beschert uns „Die“ auch ein Wiedersehen mit „Casino Royale“ Bondgirl Caterina Murino und B-Movie Veteran John Pyper-Ferguson. Anreiz für mich diesen Film zu sehen war aber vor allem die zwar nicht neue aber doch faszinierende Thematik.

Jakob, der Bösewicht oder auch Drahtzieher im Film ist ein gefühlsmäßig undurchschaubarer Mann, der eines Tages als kleiner Junge nicht schlafen konnte und seinen Vater mitten in der Nacht an einem Tisch mit einem Würfel sitzen sah. Der Vater ließ daraufhin den Sohn ohne dessen Wissen über sein Schicksal entscheiden, in dem er ihn würfeln ließ, ihn dann in sein Zimmer schickte und dann die eben erwürfelten drei Kugeln in seine Waffe steckte, den Zylinder drehte und abdrückte. Dass der Sohn wieder umgedreht hatte und den Vater bei seiner Tat beobachtete, veränderte wie man sich denken kann sein gesamtes Leben.

Während seiner gesamten Jugend in diversen Irrenhäusern, schrieb Jakob das Buch „The Will of the Die“, in dem es um den Tod und Wiedergeburt geht und er sich als Erlöser der Suizidgefährdeten sieht, da er ihnen sozusagen eine reinigend schicksalshafte Entscheidung aufzwingt. Dass dies alles völlig bierernst präsentiert wird und dass Jakob auch noch eine Menge einflussreicher Gefolgsleute in allen Berufsgruppen besitzt, ist für mich etwas lächerlich, die Grundidee wird hier meiner Meinung nach viel zu trocken präsentiert.

Ansonsten gibt es hier aber viele heftige Emotionen zu bewundern, da das Horrorfilm-ähnliche Szenario gekonnt genutzt wird, um auf heftigen Psychothrill zu setzten. Angenehmerweise bleibt der physische Gewaltanteil dabei ziemlich gering und wird sehr bewusst eingesetzt, um wiederum den Charakteren mehr Zeit zu geben, die psychischen Qualen ihrer Vergangenheit an die Oberfläche zu lassen.

Dabei darf jeder der sechs Beteiligten einmal über einen anderen entscheiden und einmal wird um sein eigenes Leben gespielt. Zum Beispiel eine Dame, die sich ertränken wollte, bestimmt mit dem Würfel die Länge der Tauchdauer eines anderen Kandidaten. Ein drogensüchtiges Mädchen spritzt einer Frau die mit dem Würfel ermittelte Menge Drogen, eine weitere Lady wiederum, die sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte, lässt Jakob die gespendete Blutmenge einer weiteren Person mittels Würfel errechnen. Was diese Leute also ihren Körpern angetan haben, das tun sie nun ihnen völlig fremden Menschen an, die ihnen nie etwas getan haben. Dabei betont Jakob immer wieder, dass es allein ihre eigenen Entscheidungen waren, die sie hier her geführt haben. Er ist eben ein geistig gestörter, selbstgerechter Bastard, der sich als Guru sieht (oder so ähnlich).

Gefilmt in kalten Gelbtönen, ensteht so dank der düsteren Stimmung und den großteils stark spielenden Darstellern ein ganz ordentlicher Spannungsbogen. Selbst wenn man Jakob einfach für völlig durchgeknallt hält und seine angebliche Retterfunktion nur krankhaft dämlich findet, ist es wirklich interessant die Dynamik der Protagonisten zu beobachten. Im Angesicht des nicht selbstbestimmten Todes, wollen diese suizidgefährdeten doch echt nichts lieber als am Leben zu bleiben. Das wiederum finde ich durchaus realistisch und fast schon wieder ironisch.

Insgesamt also ein gut gemachter Thriller, mit atmosphärischen Bildern, sich in aufopfernder Spiellaune befindlichen Schauspielern und einer spannenden wenn auch sich etwas zu ernst nehmenden Ausgangslage bzw. Grundidee.

Die bekommt von mir 6/10 das angebliche Schicksal über alles Andere stellende Empfehlungspunkte.


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