Nachdem nur noch Butcher (Karl Urban), Starlight (Erin Moriarty) und Kimiko (Karen Fukuhara) frei sind, haben „The Seven“ bzw. Vought bzw. Homelander gewonnen. Er ist im Grunde der mächtigste Mann im Staat. Aber Starlight führt mittlerweile einen Guerilla-Krieg gegen die Firma und hat immer wieder kleine Erfolge, die aber von der Regierung sofort zerlegt werden. Beweisvideoes werden als KI-Slop abgetan und überhaaupt – wie könnte man gegen diese Maschine gewinnen?
Hughie (Jack Quaid), Frenchie (Tomer Capone) und Mother’s Milk (Laz Alonso) sind in Gefangenschaft. In einem Lager. Bewacht von Superhelden. Es gibt kein Entkommen.
Aber Butcher hat einen Plan – es gibt immer noch das V1 – das allererste Serum. Und Homelander ist auf dem Weg, es zu finden. Also muss er schneller sein. Aber dazu braucht er Hilfe. Und deshalb müssen die anderen „Boys“ befreit werden.
Natürlich läuft nichts nach Plan. Und es spritzt Blut. Und Gedärm. Und … nun, Homelander lässt sich als „Gott“ ausrufen …

Nein, die Marketing-Abteilung hat entweder die Drehbücher nicht gelesen oder das Memo nicht bekommen. Was ich meine? Nun, wenn man sich Plakate ansieht, dann wirkt es als würde der dritte Weltkrieg – Superhelden gegen alle anderen – über die Welt hereinbrechen. Die Welt würde brennen. Ein wenig wie im Musikvideo von „Falling In Revers“ namens „Watch The World Burn“, aber wie es aussieht wurde der Truppe von Amazon dsa Budget auf ein Fünftel (ich habe da mehrere Versionen gelesen, die hier kam am öfteren vor) gekürzt und alles was geplant war, musste anders umgesetzt werden. Also keine Materialschlacht. Gar keine. Das ist ein etwa so, als würde man „Return Of The Jedi“ angucken und die Schlacht draußen vorm Fenster des Imperators nicht mal aus der Ferne sehen. Von den Bodentruppen will ich noch nicht mal anfangen.
Für viele Fans war das ein Schlag ins Gesicht – und die haben es den Macher:innen richtig übel genommen. Die finalen Folgen – vor allem die letzten beiden Folgen – wurden fast überall völlig zerrissen. Dabei haben Eric Kripke und sein Team das gemacht, was sie tun konnten: Sie haben sich auf die Figuren und emotionale Pay-Offs fokussiert. Meiner Ansicht nach das einzig richtige. Und in den meisten Fällen haben sie auch absolut geliefert. Gibt es auch ein paar Logiklöcher? Oder ein paar Dinge, die nicht zusammenpassen – in dem Sinn, dass sich halt Charaktere hin und wieder so verhalten, wie das DRehbuch es braucht und nicht, wie sie es eigentlich tun sollten. Oder das Kräfte unverhältnimäßig stark sind in der einen Szenen und in der anderen das komplette Gegenteil.
ABER – und das ist für mich ein großes ABER – die Serie liefert in meinen Augen da wo es notwendig ist. Wir kriegen die Storylines geklärt, die zu klären waren und es treffen die richtigen Personen aufeinander im Showdown. Starlight gegen The Deep? Passt. Das Ende von The Deep? Perfekt. Butcher gegen Homelander? Absolut. Ist das Ende Genugtuung pur? Auf jeden Fall. Hughie und Butcher prallen ein letztes Mal zusammen? Aber absolut. Ergebnis? Tränendrücker.
Und natürlich muss jemand am Weg noch das Leben lassen – völlig klar. Und ich war überrascht wie berührt ich war. Mir hat es wirklich Tränen in die Augen gedrückt. Und das war nicht mal in der letzten Folge. Trotzdem – das kam unerwartet (nicht der Charaktertod, sondern die Tränen). Lag vielleicht daran, dass es mein Lieblingscharakter war und auch die Art wie er gestorben ist … wenn, dann so. Perfekt.
Auch von der Action-Seite gibt es ein paar super Momente – so zum Beispiel der Gefängnisausbruch. Hammer – richtig cooles, starkes Action-Kino mit sehr psychohygienisch tollen Momenten. Auch die Over-The-Top-Satire kommt nicht zu kurz. Grenzgenial – das Werbevideo von Homelander in welchem Jesus ihm seine Krone überreicht (mit Einblendungen für die Postproduktion á la „remove cables“ beim Runterschweben von Jesus und ähnlichem). Oder die Szene in welcher quasi der Cast von Supernatural sich wieder trifft mit ein paar anderen Gesichtern dazu – das war handlungstechnisch völlig irrelevant, aber super anzusehen und lustig – vor allem wie Spider-Man bzw. der Deal von Marvel und Sony aufs Korn genommen wurde. Super!
Und ja, das Ende … für mich war es absolut stimmig, auch wenn es relativ rasch kam und tatsächlich ziemlich kompakt war. Aber die rund 30 Minuten, die es gedauert hat – großes Kino. Und auch Ryan durfte nochmals auftrumpfen. Und dan war es zu Ende. Und es waren noch 35 Minuten übrig. Anders als zuletzt im „Stranger Things“-Finale fand mir hier allerdings etwas, um die Zeit gut zu füllen bzw. musste der Showdown so kurz sein, denn es gibt ja noch die eigentliche Story zu Ende zu erzählen – nämlich die von Butcher. Und auch diese bekommt in meinen Augen ein würdiges, passendes Ende. Butcher hat gewonnen, aber er hat alles verloren. Eine der vielleicht härtesten und emotional am tiefsten gehenden und am härtesten treffenden Szenen ist jene als Butcher Ryan anbietet für ihn ein neues Leben anzufangen.
Alles in allem – ich war zufrieden. Es war kein Spektakel bzw. mehr „out with a whimper not with a bang“, aber dennoch mit allen für mich wichtigen Teilen drin. Hätte man sich die Gastauftritte der Gen V-Spin-Offs sparen können? Ja. Vor allem, da ich die Figuren nicht kannte. Hat mich also nicht gejuckt. War Soldier Boy notwendig? Nein, hätte man auch anders lösen können – aber es ist immer schön Jensen Ackles zu sehen, also was soll’s? Großartigster Soldier Boy-Moment nachdem er wieder aufgetaut wurde und Homelander das erste ist, was er sieht. Erster Satz: „did you fuck me?“ – Homelander (entsetzt): „what?“ – Soldier Boy: „Is this some kind of incest thing?“ Großartig und beschreibt den Charakter absolut perfekt.
Dass „Liebe“ das eine ist, was Sage nicht mit einberechnet hat – Klischee, billig, völlig aus dem Nichts kommend und nicht passend – aber Schwamm drüber. Was soll’s?
Alles in allem fand ich, dass die Serie einen gebührenden Abschluss bekommen hat. Wäre mehr drin gewesen, hätte auch ich mich darüber gefreut, wenn man Kripke und seinem Team mehr Geld gegeben und sie mit den Worten „Lasst die Welt brennen!“ losgeschickt hätte, um zu machen, was sie machen wollen? Oh ja. Das wäre episch geworden. Nun. Das ist es nicht. Das ist dsa hier nicht. Aber im Rahmen dessen, was möglich war ist das hier mit Sicherheit die bestmögliche Lösung. Und es passt für mich.
Allein, wie peinlich Homelander ohne Kräfte ist – und wie er reagiert als er begreift, was los ist. Großartig. Genau das, was wir brauchten, was sein musste, was notwendig war. Wenn es Katharsis gibt, dann ist es das hier.
„The Boys – Staffel 5 – die letzte Staffel“ bekommt von mir 8,5 von 10 möglichen, zwar mit kleineren Portionen kochenden, aber diese sehr schmackhaft machende, Punkte.
