R.I.P.D. 2: Rise of the Damned (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 1876. Gerade hat Sheriff Roy Pulsipher (Jeffrey Donovan) seine Tochter und ihren zukünftigen Ehemann nach ihrer Zugreise vom Bahnhof abgeholt, schon steckt er wieder mal mitten in einer Schießerei. Diese endet jedoch abrupt, als Roy feige von hinten erschossen wird. Ein paar Tage später haben die Mächte dort oben über sein Schicksal entschieden, er wird in Zukunft für das R.I.P.D.(Rest In Peace Department) arbeiten.

Dabei wird er mit speziellen Waffen ausgestattet und wieder auf die Erde geschickt, um böse Seelen, die aus der Hölle geflohen sind und andere Menschen übernommen haben, wieder zurück zu schicken. Als Roy wieder auf der Erde ankommt, will er sofort seine Tochter aufsuchen, wird jedoch von seiner neuen Partnerin Jeanne (Penelope Mitchell) aufgehalten, die ihn die Regeln des R.I.P.D. näher bringt, von denen Rory jedoch nichts wissen will…

Eraser: Reborn, Blade of the 47 Ronin, Puss in Boots: The Last Wish und nun R.I.P.D. 2, 2022 kann man aus filmtechnischer Sicht durchaus als das Jahr mit den unwahrscheinlichsten Fortsetzungen bezeichnen (auf die wir jeweils über zehn Jahre „warten mussten“). Dabei hatte ich mit allen Spaß und ein paar sind aus meiner Sicht auch besser als ihre Vorgänger.

R.I.P.D. basiert auf dem Comicbuch von Autor Peter M. Lenkov aus dem Jahr 1999 und wurde 2013 mit Ryan Reynolds und Jeff Bridges verfilmt. Kritiker hassten ihn und auch die Zuschauer blieben aus, er wurde ein Flop, eine echte Box-Office Bombe. Was Regisseur und Drehbuchautor Paul Leyden (Chick Fight) hier geschaffen hat, ist ein Prequel, dass den Tod bzw. Einstieg ins R.I.P.D.-Department von Sheriff Roy Pulsipher zeigt, der Figur, die beim Erstling von Jeff Bridges gespielt wurde und dessen Rolle nun Jeffrey Donovan übernommen hat. Offensichtlich war das Budget gering, dies ist ein kleiner Western für das Heimkino, dennoch sind die CGI-Dämonen ganz ordentlich animiert und niemals peinlich.

Ich weiß nicht genau warum, aber ich finde diese unerwarteten Fortsetzungen vom letzten Jahr sympathisch. Ich werde euch jetzt – Spoiler folgen – ein Beispiel geben. Jeanne ist eine starke Leading Lady, offensichtlich erfahrener in ihrem Job, als Roy. Doch sie hat eine riesige Angst vor Feuer, denn sie ist durch Verbrennen verstorben. Am Ende inspiriert sie Roy sich dem Trauma zu stellen, sie rettet den Tag und er danach noch sie vor dem Oberbösewicht.

Ist Jeanne jetzt eine schwächere Dame, weil sie Hilfe bekommen hat von einem (weißen) Mann? Nein, es wirkt so, als hätten sie sich gegenseitig stärker gemacht. Ihr seht worauf ich hinaus will? Neben echten starken Damen, bringt man auch das Thema Rassismus ohne Zeigefinger hinein, denn die beiden Avatare – also wie Roy und Jeanne für alle „normalen“ Menschen auf der Erde aussehen – sind zwei dunkelhäutige Damen. Glaubt ihr die wurden gleichwertig behandelt 1876?

Wie die Szenen wechseln, also man immer wieder auch sieht, wie die Avatare auf andere Menschen wirken und mit ihnen interagieren, ist einfach witzig und charmant. Dadurch wird die zweier Buddy-Dynamik, auf vier Leute aufgeteilt. Dann gibt es da noch den von Jake Joi (Keep Hope Alive) gespielten Slim, einer der bösen Seelen, der gar nicht so gemein wirkt. Abgesehen von einigen lustigen Sachen, weil Roy einfach so herrlich nerven kann, wird so auch das Thema mit eingebracht, dass man einen offenen Geist haben sollte und nicht alle Leute gleich verurteilen muss. Hat da Jemand zweite Chance gesagt?

Übrigens ist er ein Asiate. Was woanders nach political correctness stinken würde, wirkt hier einfach natürlich. Rein die Tatsache, dass hier durch das Graben in der Miene in Richtung Hölle Gase austreten, die dich krank machen und nur Masken dich schützen können, das empfinde ich zu 100 Prozent als Covid19 Seitenhieb, denn Masken sind die „einzige“ Maßnahme, die uns retten kann. Ich unterstelle Paul Leyden hier einfach mal, dass sein Drehbuch weit cleverer ist, als es hätte sein können/müssen.

Den Rest erledigen dann Jeffrey Donovan (Extinction) und Penelope Mitchell (Look Away), die als Duo perfekte Buddy-Dynamik versprühen. Er, der etwas arrogante Held, der Fragen schon beantwortet, bevor sie gestellt werden und sie die erfahrene Veteranin, die sich dennoch ein verschmitztes Grinsen da und dort nicht verkneifen kann, ich mag die zwei einfach. Richard Brake (Mandy) als Otis schließlich genießt es einfach, das ultimative Böse heraus hängen zu lassen (scene chewing nennt man das wohl auf englisch).

Ob es noch Fans des Originals gibt und ich ihnen dieses Prequel empfehlen könnte? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, da ich kaum mehr Erinnerungen an den Erstling habe. Mir hat diese kleine und billigere Variante aus diesem Universum jedoch besser gefallen, als ein seelenloser Blockbuster. Ja, die Action ist überschaubar, die Effekte könnten noch besser sein und die Story ist nichts Besonderes, aber wie man vielleicht doch auch herauslesen konnte, habe ich hier einiges bekommen, was ich so nicht erwartet habe. Ich sage euch nicht, dass diese Fortsetzung nötig war, ich sage nur, dass ich meinen Spaß hatte, alle Beteiligten haben hier meine Sympathie auf ihrer Seite.

„R.I.P.D. 2: Rise of the Damned“ bekommt von mir 6/10 wieder für frische Luft sorgende Empfehlungspunkte.


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