Doctor Strange in the Multiverse of Madness (Filmkritik)

Gerade befindet sich Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) auf einer Hochzeit. Nein, es ist nicht seine eigene, auch wenn er die nun verheiratete Dame namens Doctor Christine Palmer (Rachel McAdams) noch immer liebt. Da kommt ihm die Abwechslung gerade recht, denn draußen auf der Straße wird eine junge Dame von einem Dämon verfolgt.

Kurze Zeit später erfährt er ihren Namen – America Chavez (Xochitl Gomez) – und dass sie die Gabe hat, durch verschiedene Dimensionen reisen zu können, weswegen sie auch weiterhin gejagt werden wird. Strange wendet sich daraufhin an Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen), die mehr Erfahrung mit dem sogenannten Multiversum hat. Was sich schon bald als großer Fehler erweisen sollte, denn Wanda hat ganz eigene Pläne mit der jungen Dame…

Zur Phase 4 des MCU gäbe es viel zu sagen, auch viel negative Dinge. Das spare ich mir jedoch für die letzten beiden Filme (Thor 4 und Black Panther 2) auf. Sämtliche Serien habe ich derzeit noch ausgelassen – es wird auf die Dauer einfach zu viel – doch bei den Filmen, bin ich beim Aufholen. Black Widow habe ich persönlich sehr gut gefunden und auch mit Shang-Chi hatte ich meinen Spaß. Mein Kollege Fireagent hat Eternals ins Herz geschlossen. Dr. Strange 2 bildet für mich nun den Abschluss der positiven Marvel-Erlebnisse, aber dazu bald mehr.

Der erste Dr. Strange stammt ja von Scott Derrickson (The Black Phone) und ursprünglich sollte er auch die Fortsetzung inszenieren, jedoch konnte er sich mit dem Studio nicht auf eine gemeinsame Vision einigen. Niemand anderer als Genre-Größe Sam Raimi (Tanz der Teufel, Spider-Man) wurde schließlich als Ersatz gefunden was dazu führt, dass dies wohl von allen bisherigen MCU-Filmen das Abenteuer ist, bei dem man am meisten die Handschrift des Regisseurs erkennt.

Neben dem MCU an sich und natürlich dem ersten Teil, bringen übrigens die Ereignisse der WandaVision-Serie und des letzten Spiderman Filmes No Way Home, das meiste Wissen mit sich darauf bezogen, was in den wichtigsten Figuren hier vorgeht. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf Raimis frühere Werke und den obligatorischen Gastauftritt von Bruce Campbell (Ash vs Evil Dead) und für mich als Filmfan war es eine zusätzliche Freude, auf diese zu achten und sie zu erspähen.

Aber keine Sorge, das ist nur eine Bonus-Ebene, ohne die man hier auch genug Spaß haben kann. Das stärkste hier vorherrschende Motiv ist wohl wie weit ich zu einem Monster werden würde, für die Liebe. Klingt an sich paradox aber soll einfach nur heißen: wen würde ich opfern, töten, in den Abgrund werfen um wieder mit meinen liebsten Menschen vereint zu sein? Wie man aus den Promos weiß – also ist das kein echter Spoiler – geht es natürlich um Wanda aka Scarlett Witch, die hier zur Antagonistin mutiert.

Wie heißt es doch so schön: entweder man stirbt als Held, oder wird irgendwann selber zum Bösewicht der Geschichte. Dabei wird sehr schön veranschaulicht, dass sie auf mehreren Ebenen eine der stärksten Personen im MCU ist. Was in zukünftigen Konfrontationen dann natürlich passieren muss, sind zwei Dinge. Die einen unterschätzen sie und verlieren und die anderen erkennen, dass nur sie selbst sich aufhalten kann.

Die meiste Zeit über sind unsere Helden deswegen auf der Flucht und zwar durch die Dimensionen, was neben verschiedenen Inkarnationen von Strange zu einer wahren Fanservice-Szene führt, bei der es ein kurzes Wiedersehen mit ein paar bekannten Gesichtern gibt. Anspielungen auf öffentliche Wahrheiten und die Wahrheit an sich sind dabei bitterer, als man es erwarten könnte. Auch unheimliche Szenen bzw. Horror-Elemente sind weiter verbreitet, als man es vom MCU gewohnt ist.

Die Effekte sind großteils sehr gelungen und mindestens immer stimmig, was bei den neueren Filmen, leider nicht mehr der Fall ist. Benedict Cumberbatch (12 Years a Slave) zelebriert seine „arrogante Schale, weicher Kern“ Art auf eine süffisante Art und Weise, bleibt dabei immer eine greifbare Figur mit Fehlern und Bedauern über vergangene Entscheidungen, einfach ein Held, den man anfeuern kann und auch will.

Elizabeth Olsen (Wind River) als Wanda schafft es immer wieder furchteinflößend zu wirken, einfach weil sie so kalt agiert und ihren Schmerz sehr gekonnt in unnachgiebige Wut umgewandelt hat. Newcomerin Xochitl Gomez (Ursa Major) als America Chavez ist grundsympathisch und strahlt einfach eine ungemein positiv und lebendige Stimmung aus und ihre Kräfte sind spannend, da kann man durchaus mehr draus machen. Ja, sie ist eine neuere Figur in den Marvel Comics (2011), lesbisch (im Film noch(?) nicht, aber dafür hat sie zwei Mütter), aber ihr Charakter kam mir nie vom Zeitgeist aufgezwungen oder künstlich vor.

Strange kann mit seiner verpassten Liebe abschließen, Wandas Story rund um ihre Kinder wird abgeschlossen und America wird als neue Mitspielerin mit Potential eingeführt. Neben dem Spektakel an sich, gibt es hier also durchaus auch eine Weiterentwicklung. Es ist schon eine Trip-Film, doch wahre Substanz, dafür stehen die wenigsten Werke des MCU, Unterhaltung heißt die Devise. Logik ist meist abwesend und eine „Entmachtung weißer Männer“ und andere Tendenzen sind zwar da, finde ich hier aber noch nicht schlimm. Hier hatten sie es noch drauf, leider haben sie es aktuell etwas verlernt.

„Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ bekommt von mir 8/10 die eigenen Prinzipien wirklich nur im Notfall brechende Empfehlungspunkte.


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