Day Shift (2022 Filmkritik)

Bud (Jamie Foxx) hat Probleme, denn seine Ex-Frau Jocelyn (Meagan Good) will mit der gemeinsamen Tochter aus seiner Gegend wegziehen, weil das Leben hier viel zu teuer ist. Doch Bud hat bereits eine Lösung, denn er hat einen lukrativen Nebenjob als Vampir-Jäger. Dafür muss er jedoch zur Vampir-Jäger-Union zurück kehren, die sich nicht gerade im Guten von ihm getrennt hat.

Durch die Hilfe seines Freundes Big John Elliott (Snoop Dogg), schafft er es wieder hinein in die Organisation, bekommt jedoch mit Bürohengst Seth (Dave Franco) einen Aufpasser an seine Seite gestellt. Die beiden bekommen schon bald mehr Probleme als ihnen lieb ist, denn Bud hat zuletzt eine Vampirin getötet, die eine ziemlich mächtige Verwandte hat und diese sinnt auf Rache…

Bei manchen Sachen weiß man erst dass man sie braucht, wenn man sie vor der Nase hat. Wie zum Beispiel die Vampir-Action-Komödie dieses Sommers, wie habe ich die Jahre zuvor nur ohne sie die Hitzetage überstanden? Day Shift läuft seit Mitte August auf Netflix und ist das Regiedebüt von J.J. Perry, der bereits seit 1987 als Stuntman arbeitet und im weiteren Verlauf zum Stunt-Koordinator (z.b. bei John Wick oder ganz aktuell bei Samaritan) umgestiegen ist.

Mit Stuntmen, die auf dem Regiestuhl Platz nehmen, hatte ich in der Vergangenheit vor allem in einem Bereich uneingeschränkt Freude und das ist (wenig überraschend) die Action und wie sie inszeniert ist. Die Wucht hinter den Aktionen – egal ob bei Kämpfen mit und ohne Waffen oder bei Unfällen mit Fahrzeugen – spürt man einfach, die Kamera zeigt trotz hoher Geschwindigkeit immer die wichtigsten Momente und speziell hier ist die Akrobatik mancher Vampire einfach halsbrecherisch.

Klar dürfte das wohl den Meisten bereits beim Trailer gewesen sein, hier spielt die (genau eben diese) Action die Hauptrolle und es werden mehrere Male clevere Wege gefunden, damit auch Nebencharaktere zumindest einmalig richtig Gas geben können. Ja, richtig gelesen, man wird hier weder vom Tumult erschlagen, noch sind einem die Figuren egal. Die von Natasha Liu Bordizzo (Guns Akimbo) gespielte, mysteriöse Nachbarin, selbst von der hätte ich gerne gesehen.

Jamie Foxx ist wie zuletzt für Netflix bei Project Power in seinem „ständig Hawaii-Hemden tragend und dabei richtig lässig sein“ Modus angekommen und bringt genau die Coolness mit, die sein Charakter benötigt. Dave Franco (Nerve) als Newcomer Seth ist zwar vorwiegend für die Lacher und peinliche Momente zuständig, doch schafft er es faszinierender Weise, nie nervig zu sein. Rapper Snoop Dogg als legendärer Jäger und Peter Stormare (Bang Bang Baby) als schmieriger Händler runden den spielfreudigen Cast ab.

Ein bereits bei mehreren Kritiken hervorgehobenes Highlight liefern Scott Adkins (The Intergalactic Adventures of Max Cloud) und Steve Howey (Stan Helsing) als die Nazarian-Brothers ab, in einer gemeinsamen Action-Szene mit unseren Helden, bei der ein Vampir-Nest ausgehoben wird. Das ist top choreographiert und an Coolness kaum zu überbieten, deshalb auch die lauten Schreie nach einem Spin-Off mit den zwei Brüdern.

Einziger Schwachpunkt ist die Schurkin Audrey, gespielt von Karla Souza (The Sleepover), was aber mehr am Drehbuch liegt, nicht an ihr. Die von ihr ausgehende Präsenz wirkt in keiner Weise bedrohlicher als von einem Durchschnitts-Vampir. Aber gut, natürlich ist das auch die Art Film, wo zwar die liebsten Figuren bedroht werden, jedoch nie ernsthaft in Gefahr sind bzw. ja vielleicht als Vampire-Buddies wieder kommen?

Insgesamt also wie eingangs erwähnt genau der coole, stylishe, lockere, mit lässigen Sprüchen gespickter Sommer-Vampirfilm, der von den Grundvoraussetzungen (aka dem Setting) sich weit außerhalb der Komfortzone der durstigen Spitzzähne bewegt und sich wohl genau deshalb auch innerhalb des Genres frisch anfühlt. Die starken Darsteller und die perfekt choreographierte Action erledigen den Rest. Auf Netflix bezogen ist dies wohl der am wenigsten auf Franchise getrimmte Film der letzten Zeit (siehe als Gegenbeispiele etwa Red Notice oder The Gray Man), aus dem man dafür am problemlosesten, eines machen könnte.

„Day Shift“ bekommt von mir 8/10 die Sonnencreme sehr großzügig und flächendeckend applizierende Empfehlungspunkte.


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