Jurassic World Dominion (Filmkritik)

Die Saurier sind los. Am Ende des Vorteils wurden die gentechnisch erzeugten Saurier auf die Welt losgelassen und jetzt leben sie unter uns. Man hat sich damit arrangiert. Auf einer Insel wurde eine neue Forschungsstation eingerichtet und rundherum sind Saurier.

Währenddessen verstecken sich unsere Held:innen aus dem Vorteil vor der Welt, denn immerhin haben sie die erste geklonte Person der Welt unter ihre Fittiche genommen und die muss beschützt werden.

Nochmals währenddessen verbreitet ein mutierter Schwarm an Heuschrecken Angst und Schrecken, denn die Ernten werden allesamt ratzeputz gefressen. Alle, bis auf jene, die in dem oben erwähnten Forschungslabor erzeugt werden. Das ruft unsere Held:innen aus den „Park“-Filmen auf den Plan, denn da geht was nicht mit rechten Dingen zu.

Und ja, irgendwo spielen dann auch irgendwann Saurier eine Rolle. Vermutlich.

Ich sag es gleich: Alle guten Szenen sind im Trailer und noch dazu wirken sie im Trailer wichtiger und besser als sie sind. Der Saurier im Wasser, der auftaucht und das Schiff quasi versenkt? Das ist genau die Szene im Trailer, danach kommt da gar nix mehr. Der Angriff vom Flugsaurier auf das Flugzeug? Die ist genauso lang wie im Trailer (fast, man sieht ihn dann noch wegfliegen), danach kommt dann nix mehr. Und so weiter und so fort.

Warum ich gleich damit anfange? Weil der Trailer den Eindruck erweckt, es würde hier um Dinosaurier gehen. Und bei einem (inklusive diesem hier) Franchise, welches „Jurassic“ im Titel trägt, sollte man ja auch annehmen, dass diese eine Rolle spielen würden, gerade mit dem Ende des Vorteils, welches einen dritten (und hoffentlich letzten) Teil von epischen Ausmaßen angedeutet hat.

Nun, Fehlanzeige. Was wir hier vor uns haben, ist ein Film, der 1:1 wiederholt, was auch in den Vorteilen passiert ist. Alle Interaktionen von Sauriern mit Durchschnittsmenschen passieren entweder am Anfang des Films (ein TV-Beitrag, der gefühlt nur gemacht wurde, damit man viele Szenen für den Trailer nehmen kann) oder im Hintergrund im ersten Drittel des Films. Dann sind wir wieder mal in einer Forschungsanlage und in engen Räumen. Gähn.
Weitergehen, weitergehen, es gibt hier nichts Neues zu sehen. Weitergehen, bitte.

Ich hasse ja, wie schon oft erwähnt, verschenktes Potential und das hier ist ein neuer Meilenstein diesbezüglich. Es macht mich fast sprachlos, wie viel „großartig“ man hier für „Nummer sicher“ verschenkt hat. Das hier ist einfach … weniger als generisch. Im Grunde erzählt der Film die gleiche Geschichte, die wir schon mehrmals innerhalb dieser Filmreihe gesehen haben. Wie irre ist das denn bitte?

Die Hauptstory geht um ein menschliches Klon-Mädchen (wen juckt das?) und aus dieser Story wird nicht mal viel gemacht, da gibt es kein Hadern, keinen Konflikt, hier haben wir ein typisches Teenager-Mädchen. Hat mich an Eleven von Stranger Things Staffel 2 erinnert. Mit dem Unterschied, dass es dort gepasst hat. Und das wichtige an ihr ist: Durch ihre DNS könnte man die – festhalten – Heuschreckenplage stoppen. Ja. Ihr lest richtig. Wie? Ihr dachtet, es geht um Saurier? Hahaha. Ihr Narren. Nein. Tut es nicht. Von den 2:30 Stunden verbringen wir vielleicht knappe 45 Minuten mit Sauriern (die meisten tauchen einmal auf, dann nie wieder). Und die Auftritte dieser Biester sind nicht mal gut gemacht. Ich habe noch nie einen dermaßen antiklimatischen Auftritt eines „Ober-Monsters“ erlebt wie hier.

Ehrlich: Wer dachte, dass Jurassic Park III schlecht gewesen ist, der wir nach Sichtung von diesem Film hier drastisch umdenken müssen.

Es gibt hier das gleiche Problem, wie es „Godzilla: King Of The Monsters“ auch hatte. Irgendjemand hat scheinbar gedacht, dass die menschlichen Charaktere der Grund für einen Besuch im Kino sind. Ja, okay, kommt vor, aber dann bitte Figuren, die man ernst nehmen kann mit Entwicklungen, die nachvollziehbar sind. Das hier ist … ich weiß nicht mal, wie ich es nennen soll.

Und natürlich musste man die drei Hauptfiguren aus den ersten drei Teilen wieder an Bord holen. Abgesehen davon, dass Laura Dern hauptsächlich nervt, Sam Neill statt einem coolen Abenteurer ein verwirrter, alter Mann ist und … naja, ich gebe zu: Jeff Goldblum ist super. Aber auch nur, weil ich die ganze Zeit den Eindruck hatte, dass er nicht spielt und auch nicht mit den Figuren im Film redet, sondern quasi direkt mit dem Publikum. Und da fand ich seine Aussagen dann ziemlich „meta“ und treffsicher.

Beispiele? „Warum ich hier bin? Ich habe fünf Kinder. Die Lebenshaltungskosten steigen.“ Oder: „Meine Anwesenheit gibt dieser Einrichtung zwar den Anschein von Integrität, aber machen sie sich nichts vor: Das hier ist eine durch und durch korrupte Bude.“ Also, sinngemäß. Ich habe ihn im Originalton angeschaut.

Irgendwie will man sich die ganze Zeit an den Kopf greifen. Da tauchen dann mal ein oder zwei gute Ideen auf und dann inszeniert die Regie komplett daran vorbei. Ich begreife das nicht. Also, wenn ich jemals einen Film gesehen habe (von den letzten Michael Bay-Transformers mal abgesehen), bei dem man testen wollte, wie viel Mist das Publikum bereit ist zu akzeptieren: Hier habt ihr ihn. Definitiv.

Ich mag jetzt nicht mal mehr weiter ins Detail gehen, obwohl ich hier seitenweise Beispiele an schlimmen bzw. verpassten Chancen aufzählen könnte, aber das ist der Film nicht wert.

Eine Sache noch: Der deutsche Untertitel (ich weiß nicht, wie man von „Dominion“ auf sowas kommt) ist Ironie pur, bei einem Film, den man eigentlich schon mehrmals gesehen hat. Ein besserer Untertitel wäre: „Jurassic Park: Wir wollen nur euer Geld“

„Jurassic World Dominion“ bekommt von mir 4 von 10 möglichen, zumindest effekttechnisch einwandfrei seiende, Punkte.


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