The Salton Sea (Filmkritik)

Danny Parker (Val Kilmer) ist drogenabhängig und ein Dealer. Oder er ist jemand anders. Ein Jazz-Musiker mit einer Frau vielleicht. Aber die Frage zu beantworten, wer er ist, ist schwierig. Deshalb muss die Geschichte von Anfang an erzählt werden, während er angeschossen und langsam sterbend, aber noch eine traurige Melodie auf einer Trompete spielend, in seinem brennenden Apartment liegt, während Geldscheine rund um ihn herum brutzelnd niederregnen.

Wie konnte es soweit kommen? Es ist eine Geschichte über Liebe, Verrat, zwei Polizisten, dem FBI, ein paar Drogendeals, einem Spitzeln, einem Drogendealer, der keine Nase mehr hat und der Fragen, ob eine Pistole jetzt 8 oder 9 Kugeln in der Trommel hatte.

Und am Ende müsst ihr euch entscheiden … ist Danny Parker wirklich Danny Parker? Oder ist er gestorben, dort draußen an der Salton Sea …

Ich bin vor Jahren durch einen Tipp von Spideragent auf diesen Film aufmerksam geworden und ich war ziemlich begeistert. Es ist kein Film der euer Leben oder euren Blick auf das Leben verändern wird, aber es ein Film Noir par excellence und Val Kilmer (damals, als er noch spielen konnte) ist perfekt gecastet. Bleiben wir gleich beim Cast, denn weitere Gesichter, die ihr sehen werden gehören zu Peter Saarsgard („Flightplan“, „Jarhead“), Vincent D’Onofrio („Sinister„), B. D. Wong („Law & Order“), Deborah Kara Unger („Silent Hill„), Meat Loaf („Bloodrayne„, „Fight Club„) und Danny Trejo („Machete„). Also alles Leute, die man kennt und von denen man weiß, dass sie ihre Sache wirklich gut machen.

D. J. Caruso („Eagle Eye„, „Disturbia„) hat wirklich ganze Arbeit geleistet und das Drehbuch von Tony Gayton („Mord nach Plan“) ziemlich trippig verfilmt. Dabei ist die Sache gar nicht so kompliziert, aber die Stimmung im Film ist einfach wirklich gut gelungen. Die Tragik, die Leere, die Verlorenheit des Hauptcharakters sind einfach die gesamte Zeit über präsent und pure Melancholie. Dazu trägt auch der wirklich gelungene Soundtrack seinen Teil bei und – natürlich – die schauspielerischen Leistungen.

Das Drehbuch wurde von Grayton seiner eigenen Aussage nach eigentlich primär verfasst, damit er etwas zum Herzeigen hat und eben Aufträge für Drehbücher bekommt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass jemand es kauft und verfilmt, aber genau das ist passiert und nachdem man den Film gesehen hat, weiß man auch warum, denn der Film ist bei aller Tragik und Melancholie auch witzig und spannend. So hat Danny einen Grund, warum er Danny ist und dieser Grund ist ein sehr guter Grund. Je länger wir ihm und seiner Geschichte folgen, desto klarer wird alles, bis zum packenden Finale. Außerdem ist er immer wieder witzig, ohne sich über seine Figuren lustig zu machen.

Und sowas mag ich grundsätzlich gerne: Figuren, die man leicht ins Lächerliche ziehen könnte (Jimmy The Finn als Beispiel), weil es ja immer einfach ist über Drogenabhängige und Junkies, die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, herzuziehen, trotzdem ernst nehmen. Hier werden absurde Szenen gezeigt (ich sage nur: Der versuchte Diebstahl), die witzig und schräg sind, aber – ich wiederhole – trotzdem seine Charaktere ernst nimmt.

Führen alle Szenen in eine Richtung? Braucht man jede Szene im Film? Nein, definitiv nicht. Es gibt sogar ziemlich viele Szenen, die man eigentlich per se nicht brauchen würde, aber – der Film bzw. die Stimmung des Films braucht sie zur Auflockerung. Und es funktioniert. Also eigentlich würde man in einer Drehbuchschule gleich mal ein Drittel davon streichen, aber – nochmals: – es funktioniert. Wunderbar sogar.

Der Film kam 2002 raus und ich habe ihn mir vor kurzem wieder einmal angesehen, weil ich ihn meiner Frau zeigen wollte und ich bin überrascht gewesen wie gut er gealtert ist. Er funktioniert noch immer, es ist immer noch spannend und er ist immer noch tragisch und gut. Und ich sage es mit einem weinendem Auge: Schade, was aus Val Kilmer geworden ist.

„The Salton Sea“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, einen düsteren Film Noir wunderbar melancholisch umsetzende, Punkte.

PS: Heißer Tipp: Seht euch den Trailer nicht an. Der spoilert viel zu viel vom Film.


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