Tom Clancy’s Gnadenlos – Without Remorse (Filmkritik)

John Kelly (Michael B. Jordan) gehört zu einer Elite Navy Seal Einheit und er ist einer der Besten. Dennoch kann er nicht verhindern, dass bei einer Rache-Aktion in Folge seines letzten Auftrages, seine hochschwangere Frau erschossen wird. Selbst schwer verletzt denkt John nach seiner Genesung nur an eines, nämlich die Drahtzieher hinter dem Anschlag zu finden.

Seine Suche führt ihn schließlich zu einem russischen Diplomaten und anschließend landet er im Gefängnis. Doch genau wie man es von ihm erwarten hat können, ist dies nicht das Ende von John´s Abenteuer, sondern gerade erst der Anfang.

Dieser seit Ende April auf Amazon Prime erhältliche Action-Thriller, ist die (sehr freie) Verfilmung des gleichnamigen Romans von Tom Clancy aus dem Jahr 1993. Schon damals wurde von einer Adaption des Stoffes gesprochen und Namen wie Keanu Reeves und Tom Hardy wurden genannt für die Hauptrolle. Erst im Jahr 2018 erfolgte dann eine Drehbuchüberarbeitung von Taylor Sheridan (Sicario, Wind River), Michael B. Jordan (Black Panther) wurde gecastet und für die Regie Stefano Sollima (Sicario 2) verpflichtet.

Hat sich das lange Warten nun gelohnt? Nun ich würde sagen, das Ergebnis ist sehr ernüchternd. Nicht weil irgendetwas hier schlecht gemacht wäre, es fühlt sich einfach alles unglaublich generisch an und sticht so überhaupt nicht aus der Masse ähnlicher Produktionen heraus. Wenn ich es am spannendsten gefunden habe, das im Schlussspann ein möglicher „Rainbow Six“ Film angekündigt wird, dann sagt das schon einiges aus.

Ich komme gleich mal auf den hier auch als Produzenten agierenden Michael B. Jordan (Creed) zu sprechen, der grundsätzlich ein guter Mann ist. Auch als Kelly ist er sehr intensiv, hat eine starke Leinwandpräsenz und man spürt sehr deutlich seine Emotionen (handlungsbedingt vor allem Wut). Warum dann aber „Comic-Szenen“ wie das mit Einsteigen in das brennende Auto oder das Bekämpfen von mehreren voll gepanzerten Polizisten in der Gefängniszelle nötig war, weiß ich nicht.

Für so arrogant halte ich Jordan nicht, deshalb ist das wohl eine Anbiederung an das Zeitalter der zahlreichen Superhelden-Filme. Keine Ahnung warum nun, es ist auch im Prinzip egal, die Tatsache bleibt dass man damit den im restlichen Film angestrebten Realismus sozusagen selbst sabotiert. Man kann das jetzt aber natürlich auf eine sarkastische Art auch positiv sehen, denn die übrigen Action-Momente sind derart ohne Highlights, dass man zumindest bei diesen zwei Ausnahmen was zu lachen hatte.

Auch die guten Nebendarsteller nutzt man nicht wirklich. Jamie Bell (Rocketman) macht seine Sache sehr glaubwürdig als undurchsichtiger Agent genau wie Guy Pearce (Bloodshot) als an der Oberfläche freundlicher Politiker, doch keiner der beiden bekommt wirklich etwas zu tun, solche Rollen spielen die beiden im Prinzip auf Autopilot (und das sieht man teilweise auch). Und Jodie Turner-Smith (Queen and Slim) habe ich ihre Rolle der toughen Lt.Commander nicht wirklich abgekauft.

Man hat als Zuschauer ziemlich schnell erkannt, wer da am Ende wohl überleben wird und wer der Drahtzieher im Hintergrund sein soll und vielleicht ist die „Amerika braucht Russland als Feind“ Mentalität in den USA aktuell in manchen Kreisen und auch spannend als Dynamik, doch für mich sind solche Überlegungen – den Krieg dem Frieden vorzuziehen – einfach nur dumm und abstossend, doch andererseits sollen sie das vielleicht auch sein.

Insgesamt daher ein solide gemachter Action-Thriller, mit einem sehr motivierten Hauptdarsteller, der jedoch trotz seiner Stärken, auch nicht viel retten kann. Spannend ist das Alles selten und intensiv nur Jordan, was ich angesichts eines Drehbuches von Taylor Sheridan, doch einigermaßen enttäuschend finde. Doch wahrscheinlich verderben zu viele (Drehbuch)Köche einfach den Brei. Sollte es den Rainbow-Film in Zukunft geben, dann hoffe ich wirklich auf eine Steigerung in allen Bereichen.

„Without Remorse“ bekommt von mir 5/10 die russisch-amerikanischen Beziehungen „aufleben“ lassende Empfehlungspunkte.


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