Blackfish (Filmkritik)

Dawn Brancheau wird am 24. Februar 2010 von dem Orca Tilikum getötet. Das Tier ist ein sich in Gefangenschaft in Sea World beindlicher, so genannter Killer-Wal. Gabriela Cowperthwaite ist Dokumentarfilmerin und hatte in einem Bericht gelesen, dass der Wal seine Trainerin nur deshalb unter Wasser gezogen und getötet hat, weil sie so unvorsichtig war und beim Training die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte.

Alle, die sich jetzt dachten: „Bitte, was?“ hatten den gleichen Gedanken wie Fr. Cowperthwaite, die diese Begründung irgendwie seltsam und unglaubwürdig fand. Also hat sie versucht den Weg bzw. das Leben des Wals „Tilikum“ nachzuzeichnen und findet am Ende eine ganz, ganz andere Erklärung …

Natürlich. Sea World hat ein Statement abgegeben, in welchem es den Film „Blackfish“ als Propaganda mit einer Agenda (welche Propaganda hat denn bitte keine Agenda?) bezeichnet. Wer den Film beziehungsweise die Dokumentation gesehen hat, weiß auch, warum das genau so kommen musste.

Ich hatte schon mehrfach gehört, dass „Blackfish“ spannend ist und sehr nachdenklich stimmt, war aber lange Zeit der Meinung, dass mich ein Film über einen Wal jetzt nicht so richtig interessiert. Nachdem im Jahr 2020 die Menge an Filmen, die mich interessierten aber eher zurückging und auch 2021 bis jetzt fast nur Enttäuschungen („WW84„) und nur vereinzelte Highlights („Zack Snyder’s Justice League„) bereithielt, dachten ich, ich gebe dem Film mal eine Chance.

Und ich muss sagen, dass der Film wirklich, wirklich spannend war. Ob es sich um Propaganda handelt kann ich leider nicht beurteilen, aber die Dinge, die gezeigt werden, die beschrieben werden und die Personen, die vorkommen, wirkten auf mich durch die Bank sehr authentisch und überzeugend. Von meinem Desinteresse mir über eine Stunde lang eine Dokumentation über einen Wal anzusehen war nach fünf Minuten nichts mehr übrig. Im Gegenteil. Ich habe mitgelitten, mich gefragt, wie das sein kann, die Menschheit als Ganzes verflucht und überlegt, ob ich als Einzelperson Sea World für irgendwas verklagen kann.

Man merkt schon: Der Film wühlt emotional auf und ich garantiere euch, dass niemand nach dem Film die Welt für einen bunteren und besseren Ort hält. Tatsächlich ist es nur erneut ein Beispiel, wie sehr Geld die Welt regiert und wie arrogant wir Menschen sind. Unser Umgang mit Tieren (gilt vermutlich auch für einige Zoos, die wir kennen) ist einfach eine Frechheit.

Und wer nach „Blackfish“ der Meinung ist, dass Wale ja nur dumme Tiere sind, der oder die hat wohl nicht richtig aufgepasst. Ich bin ein bisschen sprachlos gewesen, wie wenig ich tatsächlich über diese unglaublich sozialen und intelligenten Tiere wusste und ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich bei einem Film wie diesen tatsächlich aus Mitleid weinen musste. Geschenkt: Die Vorstellung, dabei zusehen zu müssen, wie mir jemand mein Baby wegnimmt und ich nicht weiß, wann ich es wiedersehen werde … da wird mir als Vater natürlich ziemlich unwohl im Bauch, aber dass ich diese „Eltern“-Empathie gegenüber einem Wal empfinde … damit hatte ich nicht gerechnet. Wer jemals die Schreie (oder „Walgesänge“, wie es im Schönsprech so nett heißt) einer Walmutter gehört hat, der man das Kind wegnimmt, weiß wie sich Leid anhört. Da hat es mir fast mein Herz zerrissen.

Ich für meinen Teil kann behaupten nie in Sea World gewesen zu sein und sollte ich jemals in Amerika landen, dann weiß ich, was ich meiden werde. Das wird Sea World zwar egal sein, aber hey – das brauche ich für mein Gewissen. Ein Wahnsinn, was da passiert. Einer der Jäger, die Tilikum damals gefangen und von seinen Eltern entfernt haben, hat es ziemlich plakativ, aber vermutlich (mit Tränen und um Fassung ringend) gesagt: „I am no fool. I’ve been to two wars. I’ve seen things. And I … I did things.“ Schüttelt den Kopf. „But the worst thing I’ve ever done was taking that whale away from his family.“

Was noch hängenblieb: Wale sind fantastische, faszinierende, gutmütige und unglaublich soziale Wesen. Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder ohne Demut von diesen Tieren reden oder denken kann.

„Blackfish“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, faszinierende und berührende und wütend machende, Punkte.


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