Creed – Rocky’s Legacy (Filmkritik)

Im Jahre 1998 sitzt Adonis Johnson (Michael B. Jordan), Sohn des verstorbenen Box-Champions Apollo Creed, in einer Jugendstrafanstalt. Er wird von Apollos Witwe Mary Anne (Phylicia Rashad) gefunden und aufgenommen.

Siebzehn Jahre später hat Adonis eigentlich einen guten Job. Doch er hat den Traum, wie sein Vater, Profi-Boxer zu werden. Hilfe holt er sich dabei vom alten Rivalen und Freund seines Vaters, Rocky Balboa (Silvester Stallone).

Creed

Lange ist es her, immerhin bereits vierzig Jahre, seit Stallone den mittlerweile legendären Boxer zum ersten Mal verkörperte. Anscheinend sollte der bereits 2006 erschienene sechste Teil mit dem Titel „Rocky Balboa“ der letzte sein, doch dann kam Ryan Coogler. Coogler konnte nicht nur 2013 mit seinem ersten Film „Fruitvale Station“ überzeugen, sondern ist auch ein großer Fan des Rocky-Franchises.

Als solcher hatte er scheinbar eine Idee für die Fortführung eben dieses Franchises, von der er auch Stallone begeistern konnte. Nun ist das immer so eine Sache, wenn Regisseure mit einer Marke arbeiten dürfen, deren Fan sie sind. Bryan Singer wollte beispielsweise eindeutig zu viel mit „Superman Returns“ während J.J. Abrams mit „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ sehr gute Arbeit geleistet hat.

Und Coogler? Der hat, im positiven Sinne, den Vogel abgeschossen! Ich bin jetzt nicht der größte Rocky-Fan, kann nur eingeschränkt etwas mit Filmen anfangen die Sport zum Thema haben und muss trotzdem dem guten Herren meinen Respekt aussprechen. So muss ein Box-Film sein. Fangen wir mit der Geschichte, die Coogler mitverfasst hat, an.

Der hier gezeigte Abschnitt im Leben von Adonis Johnson, der später den Namen seines Vaters (Creed) annimmt, plätschert zwar vergleichsweise vor sich hin, das aber im positiven Sinne. Man bekommt mehr als genug Gelegenheit alle Charaktere, die durchwegs sympathisch und auch ein wenig interessant sind, kennen zu lernen.

Dabei baut man auch das eine oder andere emotionale Element ein, was sehr gut funktioniert. Die Box-Kämpfe sind nicht nur ausgesprochen gut choreographiert, sondern auch übersichtlich. Man fängt die Stimmung bei den Kämpfen sehr gut ein und als Zuschauer hat man das Gefühl jeder Schlag würde tatsächlich weh tun (was etwas ist, dass mir bei „Southpaw“ leider gefehlt hat).

Optisch und cinematographisch erinnert „Creed“ stark an einen Film der 80-er Jahre und das durchgängig. Dabei ist der Film in diesen Aspekten perfekt umgesetzt und sorgt für so etwas wie eine elegante Nostalgie. Aber auch bei der Regie hat Cooger erstklassige Arbeit geleistet. Das macht sich vor allem bei seinem Hauptdarsteller bemerkbar.

Wer Michael B. Jordan nur von „Fantastic Four“ kennt, könnte glauben der gute Herr habe das schauspielerische Talent von einem Stück Brot. Als junger Creed vermittelt er nicht nur glaubhaft einen ehrgeizigen, jungen Boxer, sondern wirkt unerwartet sympathisch. Neben ihm steht Silvester Stallone (The Expendables), der erneut die Rolle von Rocky Balboa verkörpert.

Nun sollte man meinen Stallone spiele hier möglicherweise die selbe alte Rolle, doch dem ist nicht so. Seinem Rocky verleiht er hier eine ungeahnte emotionale Tiefe, ist dabei so gut wie noch nie und hat aus diesem Grund für diese Rolle erst kürzlich den Golden Globe erhalten. Die Chemie zwischen Rocky und Creed ist dann unglaublich gut.

Beide kämpfen im Laufe der Geschichte ihren jeweiligen Kampf und zwar gemeinsam. Wenn der Film schließlich endet, ist man sich als Zuschauer im Klaren, dass die Geschichte der beiden Boxer noch nicht zu Ende erzählt ist.

Alles in allem ist „Creed“ bereits jetzt ein legendär guter Boxfilm. Ryan Coogler erzählt hier nicht nur die scheinbar perfekte Geschichte, sondern setzt sie elegant und fehlerfrei um. Michael B. Jordan kann hier mühelos überzeugen, während Silvester Stallone die Rolles seines Lebens spielt.

Der Film „Creed“ bekommt 9/10 alles gebende Empfehlungspunkte.


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