Tron: Legacy (Filmkritik)

Sam Flynn (Garrett Hedlund) ist der inzwischen 27 Jahre alte Sohn des vor langer Zeit verschwundenen Kevin Flynn (Jeff Bridges). Als der alte Freund der Familie Alan Bradley (Bruce Boxleitner) mit einem neuen Hinweis zum Verbleib seines Vaters bei ihm auftaucht, macht er sich auf die Suche und findet sich plötzlich in einer digitalen Welt wieder, wo Programme bei Diskuskämpfen und Lichtrenner-Duellen um ihr Leben kämpfen. Die digitale Kopie seines alten Herren, Clu, hat die Herrschaft an sich gerissen und versucht mit brutalen Mitteln für Perfektion zu sorgen, und das nicht nur in seiner Welt.

Tron Legacy Film Garrett Hedlund Olivia Wild

Als Tron 1982 ins Kino kam, war er der erste seiner Art und der einzige Film der längere Sequenzen enthielt, die im Computer generiert wurden. Auch wenn nur ca. 20 Minuten des Films wirklich im Computer entstanden, war er ein Meilenstein der Computeranimation. Zwar floppte der Film damals, vermutlich weil er seiner Zeit um Weiten voraus war, mauserte sich aber in den darauf folgenden Jahren zu einem Geheimtip.

Anfang 2000 dachte man das erste Mal laut über eine Fortsetzung nach. Da jedoch das 2003 erschienene Computerspiel „Tron 2.0“ nur wenig erfolgreich war, zog man den Schwanz ein und legte die Pläne vorerst wieder auf Eis. Ein paar Jahre später tauchte dann Joseph Kosinski auf, um die Studios mit seiner Vision des Tron-Universums zu überzeugen. Bereits 2008 erschien auf der San Francisco Comic Convention ein erstes Teaser-Video, das einen Vorgeschmack liefern sollte und bei den Fans – und nicht nur bei denen – für Vorfreude und große Erwartungen sorgte.

Wer glaubt, bei Joseph Kosinski’s Erstlingswerk handle es sich um einen anspruchslosen Science-Fiction-Film, der irrt gewaltig. Während man sich Zeit nimmt, den Hauptcharakter in der „realen Welt“ vorzustellen, wird man nach 20 Minuten in eine einzigartige Fantasy-Welt gesaugt. Die 3D Technik, die schon bei Avatar zum Einsatz kam, wirkt dabei in der kontrastreichen Welt, die farblich zum Großteil aus Schwarz und Neonfarben besteht, sogar noch eine Spur besser.

Man hat es hier wirklich geschafft, die Highlights des ersten Teils mit aktuellen Mitteln zurückzubringen. Egal ob es die Outfits, die Waffen, Fahrzeuge oder Gebäude sind, alles sieht wahnsinnig gut aus. Alles hat diesen einheitlichen Stil und erstrahlt in einer Pracht, die man so noch nicht gesehen hat. Dabei zieht sich das einheitliche Design bis hin zu den Nebendarstellern durch, und erhält so den eindeutigen Eindruck, in einer fremdartigen Welt zu sein.

Allein der Optik wegen kann man sich wie ich finde guten Gewissens eine Kinokarte kaufen. Die Actionszenen sind erstklassig geworden, und stehen im klaren Gegensatz zu den dialoglastigen Passagen, die dem Zuschauer zwischendurch eine kleine Pause gönnen. Für die musikalische Untermalung zeigt sich die französische Gruppe Daft Punk verantwortlich. Deren elektronische Beats hämmern passend zum Thema und sorgen dafür, dass man noch weiter in die Filmwelt hinein gesaugt wird.

Leider ist in der Welt von Tron nicht alles so Eitel-Wonne, wie man es als Zuschauer gerne hätte. Zwar ist der Film ohne Frage ein Erlebnis ohne Gleichen, dennoch verliert er bei zu genauer Betrachtung ein wenig. Hier ein paar Beispiele:

So wurde zum Beispiel bei den diversen Kämpfen eine Optik, die sehr nahe an den Akteuren ist, gewählt. Das sieht zwar noch eine Spur besser aus, dabei geht jedoch ein wenig die Übersichtlichkeit verloren. Der Versuch Jeff Bridges digital zu verjüngern sieht sehr künstlich aus. Das ist sogar eher ein Pluspunkt wenn es um sein digitales Alter Ego Clu geht, da aber der junge Kevin Flynn genauso aussieht, geht in den zum Glück raren Szenen in denen er vor kommt das gewisse Etwas verloren.

Auch scheint sich der Film, Fantasy-Film hin oder her, manchmal nicht an seine eignen Regeln zu halten. Oder wie war das z.B. nochmal wenn man seinen Diskus verliert?! Das die Handlung nichts Außergewöhnliches ist, ist dabei herzlich egal. Clu’s finstere Pläne sind zwar sehr simpel, dafür aber umso finsterer und sorgen für eine unglaubliche Spannungskurve gegen Ende hin.

Jeff Bridges schlüpft nach fast 30 Jahren wieder in die Rolle des Kevin Flynn. Der Zahn der Zeit hat ganz klar an ihm genagt und so wurde aus dem jungen aufgedrehten Mann von damals der weise Mann von jetzt, der auf Geduld und Zen setzt und ein wenig die Ausstrahlung bzw. das Auftreten eines Jedi-Ritters hat.

Garrett Hedlund ist bis jetzt noch eher unbekannt. Im Vorfeld wurde ja viel über ihn gelästert. Seine Performance sei nicht glaubwürdig, er habe damit verbunden viele Nachdrehs verschuldet und das Budget in die Höhe getrieben. Im fertigen Film kann ich diese Meinung auf keinen Fall teilen. Hier macht er als der Typ mit dem Waschbrettbauch einen smarten und coolen Eindruck.

Olivia Wild, die man in erster Linie ja aus der Serie „Dr. House“ kennt, als das Programm Quorra in engen Latexklamotten ist natürlich mehr als nur ein Hingucker für männliche Zuschauer. Einerseits ist sie eine kämpferische Emanze und andererseits ihrer Herkunft wegen so herrlich naiv. Deswegen ist sie auch ein tolles Kontrastprogramm (in jeder Hinsicht) zu ihren männlichen Kollegen und die einzige weibliche Hauptdarstellerin des Film.

Alles in allem ist Tron: Legacy ein Trip in eine andere Welt, und wie es aussieht soll es nicht der letzte gewesen sein. Eine Serie wurde bereits angekündigt und es ranken sich die Gerüchte, dass es einen dritten Film geben soll. Ich für meinen Fall würde mich auf ein neues virtuelles Abenteuer freuen, egal wie das aussehen wird.

Von mir bekommt Tron: Legacy 8,5/10 hochglanzpolierte Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.