Come Play (Filmkritik)

Oliver (Azhy Robertson) ist Autist und hat Probleme in der Kommunikation mit anderen. Seine Mutter Sarah (Gillian Jacobs) ist damit ein wenig überfordert, auch da Olivers Vater Marty (John Gallagher Jr.) nicht unbedingt eine Unterstützung ist.

Oliver kann jedoch gut mit Handy und Tablet umgehen. Diese Dinge helfen ihm bei der Kommunikation mit anderen. Dann installiert sich plötzlich eine App auf seinen Geräten. Es ist ein E-Book: Die Geschichte von Larry, der nach. Freunden sucht. Was Oliver rasch lernen muss, ist, dass sich hinter dieser App nicht nur die Geschichte von Larry verbirgt, sondern Larry selbst … und dieser ist ziemlich hartnäckig auf seiner Suche nach Freunden …

Über diesen Film bin ich gestolpert, weil Gillian Jacobs mitspielt und ich mal wissen wollte, was die Dame nach „Community“ (unbedingt ansehen!) so treibt. Und tja, was soll ich sagen? „Come Play“ ist genau der Film den man erwartet, wenn man die Zusammenfassung gelesen hat. Da gibt es keine große Überraschung. Es ist drin, was draufsteht.

Mit ein paar kleinen Details, die den Film für mich über das Mittelmaß hinausheben.

Da ist zum einen Mal der Charakter von Oliver, der nicht wie andere autistische Kinder als Wunderkind dargestellt wird, sondern tatsächlich wie ein autistisches Kind. Oliver ist in seinem Verhalten und seinen Fähigkeiten zu 100% echt. Und ja, als jemand der mit autistischen Kindern gearbeitet hat (ich war sogar mal einen Monat in Norwegen, um in einem Center für autistische Kinder mitzuarbeiten um Methoden der Kommunikation kennenzulernen und dann bei uns zu implementieren) kann ich das beurteilen. Außerdem ist Oliver einfach ein unglaublich liebenswertes Kind und wird von Azhy Robertson quasi perfekt gespielt.

Weit entfernt von perfekt ist allerdings der Charakter von Sarah, die in vielen Dingen sicher Gutes tun will, aber eigentlich die Sachlage nur verschlimmert. Natürlich glaubt sie auch eine Weile nicht an „Larry“. Und als sie es dann tut, dann glaubt auch ihr niemand. Eh klar. Aber erstens mag ich Gillian Jacobs und zweitens bleibt sie in dem was sie tut immer authentisch, rund und gut ausgearbeitet. Man merkt auch immer, dass sie ihren Sohn liebt, sie allerdings schlichtweg überfordert ist.

Die Rolle von Marty, gespielt von John Gallagher Jr., ist ebenfalls keine wirklich dankbare, denn er ist einer der Gründe, weshalb Sarah immerzu knapp vor dem Zusammenbruch ist. Er liebt seinen Sohn, aber er kann nicht mit dessen Autismus umgehen und überlässt deshalb alles Sarah. Gegen Ende hat er dann jedoch ein paar Szenen, die wirklich herzerwärmend waren (ich höre die Idioten schon wieder „Agenda! Gegen Männer! Frauenfilm!“ rufen).

Die Effekte sind gut, die Kamera cool und ein paar der Szenen waren unerwartet umgesetzt. So gibt es eine absolut unerwartete Versöhnung, eine tragisch-heroische Auflösung und ein paar der Momente, in denen Oliver merkt, dass Larry da ist sind auch wirklich cool geworden. Zum Beispiel richtet Oliver das Tablet auf sich und hat einen „Handy-Fotofilter“ eingeschaltet, der Gesichter erkennt und Masken darüberlegt. Während er mit dem Filter spielt dreht er sich im Kreis. Und jedes Mal, wenn er beim offenen Kleiderschrank vorbeifilmt, springt die Gesichtserkennung von seinem Gesicht weg auf etwas hinter ihm, was man im Schatten aber nicht sehen kann. Gruselig und ziemlich cool.
Was ich damit sagen will: Der Film hat eine richtig gelungene Bildsprache. Es sind immer ziemlich einfache Ideen, aber Bilder, die ich so noch nie gesehen habe. Zum Beispiel beobachtet Larry aus dem Handy heraus ein paar Kinder … in einer Kameraperspektive, die so simpel wie genial ist.

„Come Play“ basiert übrigens auf dem Kurzfilm „Larry“, beide hat Jacob Chase geschrieben und inszeniert. Ich kann nur sagen: Die Geschichte ist nicht neu, aber klasse gespielt, die Effekte passend, die Kameraarbeit interessant und er macht ganz einfach Spaß. Eine feine Message gibt es dann quasi noch gratis obendrauf.

„Come Play“ bekommt 7,5 von 10 möglichen, nichts neu, aber vieles richtig machende, Punkte.


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