Fear of Rain (Filmkritik)

Rain (Madison Iseman) leidet an Schizophrenie, weswegen sie von ihren Mitschülern gemieden wird, ihr Leben als Außenseiterin führt und immer in ihrem Kopf überprüfen muss, ob das was sie nun gerade sieht, auch wirklich so sein kann, oder die Ereignisse nur in ihrem Kopf stattfinden. Während sie Probleme hat ihren Alltag zu bewältigen, erregt ein kleines Mädchen ihre Aufmerksamkeit.

Sie hat es nur kurz erblickt, doch wirkte es eindeutig so, als würde es gegen ihren Willen im Haus der Nachbarin Dani (Eugenie Bondurant) festgehalten. Während ihre Eltern ihr nicht glauben und es als Teil ihrer Krankheit sehen, beginnt sie gemeinsam mit ihrem neuen (und auch einzigen) Freund Caleb (Israel Broussard) mit Nachforschungen über vermisste Kinder. Dabei ist sie sich nicht mal ganz sicher, ob Caleb wirklich real existiert…

Schauspielerin Castille Landon übernimmt wie etwa bei „Apple of My Eye“, manchmal auch gerne drei Aufgaben. Bei „Fear of Rain“ (nettes Wortspiel übrigens, da die Hauptfigur ja so heißt, wird auch kurz im Film angesprochen) hat sie sich auf die Arbeit als Regisseurin und Drehbuchautorin konzentriert. Im Grund ist dies dann ein Thriller geworden, der vom Anspruch her sicherlich auf ein Tabuthema aufmerksam machen möchte.

Es geht um Schizophrenie, wie das Umfeld auf einen „Psycho“ reagiert und vor allem soll man ein Gefühl dafür bekommen, was im Kopf eines Betroffenen so vor sich geht. Das an sich gelingt nur bedingt, denn die Krankheit wird hier vor allem dazu benutzt, um für Spannung zu sorgen und den Thriller-Anteil der Handlung, erfolgreich anzutreiben. Wobei ich mir vor allem eine Botschaft heraus nehmen konnte, die jedoch für andere Diagnosen ebenso gilt.

Als Betroffener ist es das Schlimmste, wenn jede Aussage von anderen Menschen immer auf die Krankheit zurück geführt wird. Also bin ich noch ich oder bin ich meine Krankheit bzw. bestimmt sie jede einzelne meiner Aussagen und definiert mein Handeln? Das kann schon passieren, doch wenn dann nur temporär und wenn mein Umfeld mich immer darauf reduziert, dann ist das für den Betroffenen beinahe so schlimm wie die Krankheit selbst.

Konflikte mit den Eltern, die eben nicht in dieses Schema fallen, sie jedoch bei Bedarf immer wieder darauf ansprechen müssen, sind somit vorprogrammiert. Vor allem das Zwischenmenschliche zwischen Vater und Tochter ist dann sehr ehrlich und realistisch gelungen. Ebenso die Inszenierung der (vielleicht) bösen Nachbarin, die in ein paar Szenen sogar so etwas wie eine dämonische Ausstrahlung hat.

Der Twist (dem dann ein, zwei kleinere Folgen), den kann man so jedoch relativ bald voraus sehen und man wartet dann nur mehr auf die Bestätigung der eigenen Vermutung. Wer also „echt“ ist und wer nur im Kopf von Rain, da habe ich 100 Prozent richtig geraten. Somit ist eigentlich am Spannendsten, ob Rain ihr Leben meistern kann und wie die Beziehungen zu ihren Liebsten klappen.

Madison Iseman (Annabelle Comes Home) als Rain macht ihre Sache sehr fein, sie hat laut Interview ja ziemlich viel recherchiert und wie sie trotz der Momente, in denen sie wie ein verängstigtes Tier wirkt, sich immer wieder zusammen reißen kann und ihrem Weg folgt, da kann man nicht anders als zu ihr zu halten. Perfekt ist Israel Broussard (Happy Death Day) gecastet als ihr Freund Caleb, der sie nie verurteilt, sondern einfach so sieht, wie sie wirklich ist.

Nachdenken über Schizophrenie und wie sie mit Betroffenen umgehen, werden wohl die Wenigsten nach diesem Film, doch nur weil dieser Anspruch nicht erfüllt wurde heißt das noch nicht, dass das ganze Projekt gescheitert ist. Wenn man sich darauf einlässt und mit der langsamen Geschwindigkeit umgehen kann (oder sie sogar genießt), keine großen Überraschungen erwartet bzw. diese voraussieht und starke Darsteller voll bei der Sache sehen möchte, der wird einmalig ordentlich unterhalten.

„Fear of Rain“ bekommt von mir 6/10 die Angst zwar nicht überwindende, jedoch irgendwie beherrschende Empfehlungspunkte.


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