Heavy Rain (Game-Review)

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Als „interaktiven Film“ bezeichnet Sony sein neues, in seiner Art einzigartiges Vorzeigespiel „Heavy Rain“. Wer seine PS3 bislang nur als Blu-ray-Player genutzt hat, bekommt nun die Chance, völlig neue Qualitäten der Konsole zu entdecken. Auch alle Liebhaber einer gut erzählten, emotionsgeladenen und sehr menschlichen Geschichte sowie Gelegenheitsspieler, die ungern verlieren oder wenig Zähigkeit beim Zocken an den Tag legen, zählen zur Zielgruppe.

Die Handlung von „Heavy Rain“ ist bei jedem Spieldurchgang verschieden, da die Entscheidungen des Spielers die weiteren Geschehnisse beeinflussen. Stets gleich ist, dass der geschiedene Familienvater Ethan Mars, der Privatdetektiv Scott Shelby, der FBI-Agent Norman Jayden und die Fotografin Madison Paige nach einem vermissten Buben und – im weiteren Verlauf – nach einem Kindermörder suchen, der in den Händen seiner Opfer eine Origami-Figur zurück lässt.

Jeder von ihnen könnte selbst der Mörder sein, denn Ethan leidet unter Blackouts, Scotts Vergangenheit ist unklar, Norman hat Schwindelanfälle und Jayden leidet unter Schlafstörungen und Halluzinationen. Die Steuerung der vier ist ungewöhnlich, da der rechte Stick nicht die Kamera lenkt, sondern (wie auch die Action-Tasten) zur Eingabe differenzierter Bewegungsabfolgen dient, die zuvor am Bildschirm angezeigt werden.

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Im Gegensatz zu den immer gleich ablaufenden „Quicktime-Events“ anderer Spiele hält „Heavy Rain“ aber stets mehrere Alternativen bereit. Neben vielen kleinen Optionen (Blick auf die Wanduhr, Essen eines Apfels) sind dabei auch wichtige Entscheidungen zu treffen (Schießen auf einen Verdächtigen) oder spannende Sequenzen durchzustehen (Geisterfahren, Schlägereien).

Die wahren Stärken des Spiels liegen aber in seiner gut erzählten Geschichte, der dichten Atmosphäre, der orchestralen Musik und dem hohen Grad an Realismus, der auch vor Nebensächlichem nicht zurück schreckt. Neben dem Gang auf die Toilette, dem Wickeln eines Babys und dem Erwerb eines Luftballons erweisen sich der rechtzeitige Griff zum Asthmaspray oder das vorsorgliche Einstecken des Ausweises als ungeahnt essentiell.

Wichtig ist, „Heavy Rain“ anfangs ein wenig Zeit zu geben. Die ersten 90 Minuten wirken mitunter ein wenig belanglos, da sie der Einführung dienen (Steuerung) und zudem die Idylle vor dem Auftauchen des Origami-Mörders skizzieren. Erst im Verlauf der zweiten Spielstunde zeigen sich die echten Qualitäten des Spiels, und diese brauchen sich wirklich vor niemandem zu verstecken.

Ob „Heavy Rain“ eine spieltechnische Revolution einläuten wird, ist schwer zu sagen. Einen allzu großen kommerziellen Erfolg halten wir aber für eher unwahrscheinlich, so toll und einzigartig das Spiel ist. Denn nur wenige Titel für Gelegenheitsspieler, die ohne Mehrspielermodus, praktischen Nutzwert (siehe „Wii Fit“) oder Party-Kompatibilität („Singstar“) auskommen müssen, erreichen hohe Absatzzahlen.

Unser Fazit: „Heavy Rain“ ist ein unvergleichliches, in sich schlüssiges Spielerlebnis und eine Bereicherung für jede PS3-Spielesammlung. Vor allem aber beeindruckt uns der Mut Sonys und QuanticDreams, einen völlig neuen Weg zu gehen. Nur wer wagt, kann auch gewinnen – im Fall von „Heavy Rain“ 8,5 von 10 unkonventionelle, alltagspoetische Empfehlungspunkte.


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