Resident Evil 3 (2020 Game-Review)

Jill Valentine befindet sich in Racoon City. Als eine der Überlebenden S.T.A.R.S.-Mitglieder des „Herrenhaus-Massakers“ hat sie sich auf die Suche nach den Verursachern gemacht und die Spur hat geradewegs zu Umbrella und deren Treiben in genau dieser Stadt geführt. Und genau wie zu erwarten war, ist auch in Racoon City ein Virus freigesetzt worden und wütet nun unter der Bevölkerung. Ein paar Tage bleiben Jill noch, bevor sie aus der Stadt evakuiert wird. Ein paar Tage noch, in denen sie weitere Beweise finden und dann den ganzen Müll hinter sich lassen will, denn immerhin hat sie immer noch Albträume in denen sie sich in eine Untote verwandelt.

Aber es kommt anders, denn Brad, ihr S.T.A.R.S.-Kollege ruft sie an und warnt sie, dass sie sofort aus ihrer Wohnung verschwinden muss. Sie soll keine Fragen stellen, sondern ihre Sachen packen und SOFORT abhauen. Und obwohl Jill rasch reagiert ist sie zu langsam, denn „etwas“ bricht durch die Mauer ihrer Wohnung und versucht sie zu töten. Dabei halten es weder Türen, noch Wände, noch Waffen auf.

Projekt „Nemesis“ wurde in Racoon City freigesetzt. Sein Auftrag: Alle Überlebenden des Herrenhaus-Massakers finden und töten.

Gerettet ausgerechnet von einem von Umbrellas Sicherheitsleuten namens Carlos, der keine Ahnung zu haben scheint, dass seine Arbeitgeber hinter allem stecken, beginnt ein mehrfacher Wettlauf mit der Zeit, denn die Zombiehorden werden mehr, die Zahl der zivilen Opfer steigt, das Nemesis-Projekt macht unerbittlich Jagd auf sie und die Beweise, um Umbrella zur Rechenschaft zu ziehen, müssen gefunden werden, bevor jemand sie vernichtet.

Die Zeit tickt …

Da das Remake von „Resident Evil 2“ ein ziemlicher Erfolg war und einige Preise einheimsen konnte, war es wohl nur eine Frage der Zeit bis auch Teil 3 einer Generalüberholung unterzogen wurde. Wie wir mittlerweile wissen, hat die Entwicklung dazu ja noch vor Veröffentlichung des Remakes von Teil 2 begonnen, also dürfte Capcom schon geahnt haben, wie sehr Fans sich dieses Remake wünschen.

Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, ob ich das Original-Teil-3-Resident-Evil je gespielt habe, aber ich glaube nicht. Ich kann mich auch nur dumpf an Teil 1 (habe ich damals nie beendet, weil ich schlichtweg das Interesse verloren habe) erinnern und auch Teil 2 habe ich damals nie beendet. Aus den gleichen Gründen. Teil 3 habe ich glaube ich dann gar nicht mehr versucht.

Ich würde mich selbst jetzt nicht als „Resi“-Fanboy bezeichnen, auch wenn ich die letzten Veröffentlichung alle gespielt und durch die Bank (aus diversen Gründen mit diversen Abstufungen) für gut bis sehr gut befunden habe. Gerade das Remake von Teil 2 finde ich zwar wirklich sehr gelungen, aber auch halbwegs überbewertet. Das liegt zugegebenermaßen daran, dass ich es nicht mag, immer am gleichen Ort von A nach F nach Z und zurück nach A laufen zu müssen, einfach weil ein Entwickler meint, mein Inventar müsse aus Realismus-(oder Spannungs-)gründen klein bleiben. Das hat auch nichts mit Spannungsaufbau zu tun, sondern einfach mit Mühsam. Und Mühsam brauch ich nach Feierabend einfach nicht mehr.

Deshalb – und das überrascht mich selbst am meisten – ist das Remake von Resident Evil 3 das perfekte Spiel für mich. Ja, das Inventar ist klein, aber ich brauche am Anfang auch nicht mehr und es bekommt rasch mehr Platz. Ja, die Orte sind kleiner und überschaubarer, dafür muss ich nicht überall siebzehn Mal hin und ich finde mich sogar ohne Karte rasch zurecht. Und vor allem: Verdammt ist das gut inszeniert.

Die Story mag banal sein und von mir aus auch bekannt, aber die Inszenierung und die Kamerfahrten und der Ablauf, die Struktur, die Abwechslung, die Charaktere, die Optik (ich liebe die Atmosphäre in jeder einzelnen Szene) und vor allem Jill und Carlos … es ist einfach grandios. Richtig grandios. Ich hatte es nicht mal so richtig mitbekommen, wann es passiert ist, aber während einer der Zwischensequenzen in denen Jill vor Nemesis flieht, merkte ich plötzlich wie verbissen ich den Controller in der Hand hatte und mir tatsächlich Sorgen um Jill gemacht habe. Sorgen! Das hat schon länger kein Spiel mehr in dieser Art geschafft. Ähnliches gilt für Carlos. Klar, er ist ein Stereotyp, aber er ist sofort sympathisch. Es gibt auch so gut wie keine schlimmen/schlechten Dialoge mehr (von einem Moment relativ am Anfang nachdem man Carlos trifft, abgesehen. Carlos: „He wants you and stops at nothing to get you. Don’t you like that in a man?“ Jill: „No thanks, you can keep him.“ Ich verstehe den Witz, aber er kommt so aus dem Nichts und wird so unpassend vorgetragen, dass mir das echt peinlich war.

In Summe wird gute Abwechslung geboten und in den sechs Stunden, die ihr in etwa brauchen werden, um das Spiel durchzuspielen, wird euch nicht langweilig werden. Ich wurde bestens unterhalten und es war keine Sekunde langweilig. Vielleicht fand ich das deshalb so großartig, weil ich vorher wochenlang (gute 150 Stunden) Zeit in „Assassin’s Creed Valhalla“ gepulvert habe und deshalb die Kürze von „Resident Evil 3“ einfach herrlich erfrischend fand.

Die Optik ist 1A, die Details in der Umgebung machen jeden Schauplatz absolut stimmig und die Lichtsetzung sorgt atmosphärisch für viele „Ahs“ und „Ohs“. Leider baut das im letzten Drittel ein wenig ab, da wir uns da dann „Resident Evil“-typisch in einer Forschungsanalage bzw. einem Labor bewegen und die sind per Definition kein mit Utensilien vollgestopftes Wohnzimmer. Zum Glück hält Capcom die Anlage klein und überschaubar und schafft es auch in dieser Umgebung ein paar denkwürdige Momente einzubauen.

Mir bleibt eigentlich nicht viel zu sagen, außer, dass Jill mir wirklich, wirklich rasch ans Herz gewachsen ist, ich die neue Optik von ihr (viel realistischer) absolut toll finde, ihre Synchronstimme perfekt zu ihrem Charakter passt und auch die Dialoge die Stimmung der Figuren super transportieren. Mein absolut liebster „One-Liner“ seit langem kommt ebenfalls von ihr. Als nämlich Jill mächtig sauer, nach unzähligen Auseinandersetzungen mit Nemesis, beschließt ihm (ihr?) den Rest zu geben und völlig fertig, dreckig und eigentlich am Ende in Richtung des mutierten Riesenviechs schnauzt: „You think I don’t know how to fuck you up?!“ In genau diesem Moment weiß man: Okay, das ist jetzt mit Sicherheit der allerletzte Kampf gegen Nemesis, denn Jill ist an dem Punkt angekommen, wo es einfach genug ist.

Ich fand die Szene großartig und der finale Kampf ist tatsächlich quasi der einfachste im ganzen Spiel. Für mich hat das perfekt gepasst und war so richtig stimmig, einfach weil – siehe der Moment oben. Nach dieser Ansage muss der Kampf eigentlich relativ rasch vorbei sein, denn sonst hätte diese Ansage keine Wirkung. Und glaubt mir: Sie passt. Ja, der letzte Kampf gegen Nemesis war episch inszeniert, wenn auch simpel. Und trotzdem (oder gerade deshalb) wirklich, wirklich befriedigend.

Bei allem Lob muss ich doch noch anmerken, dass es ein paar kleinere Schnitzer in der Fassade des Actionhorrors (Betonung auf Action) gibt: So hebt Jill anfangs eine Pistole auf und hat plötzlich einen Schulterholster, in dem sie die Waffe unterbringt (vorher hatte sie keinen und sie zieht auch keinen an). Das hätte man ja noch rasch mal einbauen können (es gibt so viele Zwischensequenzen, diese eine mehr, hätte kein Problem sein können). Oder sie steht aus dem Bett auf, in dem sie ohnmächtig lag und kaum steht sie senkrecht hat sie alle Waffen wieder an sich, sprich: den Schulterholster um, eine Pumpgun in der Hand und einen Granatwerfer umgehängt. Im Bett lag sie jedoch ohne. Oder sie lädt sechs Kugeln in den Granatwerfer, obwohl sie nur zwei hat. Sicher, das sind Kleinigkeiten. Aber Kleinigkeiten, die man hätte vermeiden können und die trotzdem ein wenig aus der Immersion reißen.

„Resident Evil 3“ im Jahr 2021 ist keine Actionhatz, wie der sechste Teil und auch kein Horrorspiel, wie der zweite Teil. Er ist viel eher die Mitte. Eine actionreiche Hetzjagd mit Horrorelementen und Abschnitten (der Teil mit den Spinnen, die Jill Eier in den Hals legen …), die vor allem von ihren Figuren und der starken Inszenierung lebt. In etwa wie der berüchtigt-erfolgreiche Teil 4 der Reihe. Nur kürzer und meiner Ansicht nach dadurch besser. Tatsächlich werde ich das „Resident Evil 3“-Remake mit Sicherheit bald mal wieder durchspielen.

„Resident Evil 3 (Remake)“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, den Puls durch Angst und/oder Panik oben haltende und seine Figuren zelebrierende, Punkte.


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