Fear Island (Filmkritik)

Dr. Chalice (Anne Marie Luise) wird zu einem Verhör gerufen. Detective Armory (Martin Cummins) verhört eine junge Frau namens Jenna (Haylie Duff), die als einzig Überlebende von einem eigentlich als Party geplanten Ausflug unter Freunden auf eine Insel, zurück gekommen ist. Nur leider Jenna an Gedächtnisschwund und kann sich nur bruchstückhaft erinnern.

Gemeinsam mit Armory, der Jenna klar für die Mörderin hält, soll Dr. Chalice also aufdecken, was wirklich auf der Insel geschah. Während nach und nach die Erinnerung von Jenna zurückkehrt, stellt sich für Armory mehr und mehr die Frage, ob er sie nicht vorschnell verdächtigt hat. Dr. Chalice allerdings, stellt sich umgekehrt die Frage, ob Jenna wirklich so unschuldig ist, wie sie zuerst dachte …

Wider Erwarten war „Fear Island“ nicht der befürchtete Durchschnittshorrorfilm, sondern vielmehr ein tatsächlich gelungener Thriller, der sogar ein relativ cleveres Drehbuch hat. Ich könnte euch jetzt verraten an welchen Film die Story angelehnt ist, aber dann würdet ihr sofort wissen, wie dieser Film hier ausgeht und das möchte ich euch nicht spoilern, denn auch „Fear Island“ mittlerweile fast 10 Jahre auf dem Buckel hat, ist er immer noch sehenswert.

Ich werde hier aus Spoilergründen nicht auf die weiteren Verläufe der Handlung eingehen, da das Drehbuch für einen Thriller (den der Film ist mehr Thriller als Horrorfilm) dieser Art sehr gut gelungen ist. Es gibt eigentlich nur eine Szene, die sehr schade finde, da sie den in meinen Augen einzigen Stilbruch und Schnitzer darstellt: Es gibt eine Szene, in welcher eine Schlange als Mordwaffe eingesetzt wird. Diese Szene fand ich völlig deplatziert und sie passte für mich einfach nicht in den Film. Ansonsten – verdammt gelungen der Film.

Es gibt sicher innovativere Filme, aber dieser zieht genau das durch, was er sein mag, bedient gerade genug Klischees, damit man sich sicher fühlt und macht dann trotzdem hier und da unerwartet eine Kurve. Fand ich super.

Von den Schauspieler*innen her funktioniert alles prächtig. Die Dynamik(en) in der Gruppe ist/sind spannend. Die Tatsache, dass sich eine blinde Passagierin (Lucy Hale) an Bord geschlichen hat und diese mit Party feiern will, passt super ins Bild und ganz ehrlich – ich habe mir die Story nach dem Ende nochmals durch den Kopf gehen lassen und finde, dass sie wirklich gut durchdacht ist. Auch das Pacing ist gut gelungen. Immer dann, wenn man denkt, so war es, kommt eine neue Enthüllung. Dann wartet man darauf, ob sich Jenna in Widersprüchen verfängt, aber plötzlich erzählt sie weiter und es ist – auf andere Art als erwartet – stimmig.

Hier müsste ich jetzt wirklich einige Spoiler bringen, drum mache ich einen Punkt und sage nur nochmals: Ja, man kann den Film sicher leicht angreifen, tatsächlich hatte ich jedoch keine Sekunde lang die Lust das zu tun, denn dazu hat er mich als (leichte) Thriller-Unterhaltung doch immer in seinem Bann gehalten.

Haylie Duff macht einen guten Job als Jenna. Anne Marie Luise ist als Dr. Chalice glaubwürdig und stellt die richtigen Fragen. Martin Cummins spielt gut, allerdings ändert er seine Meinung recht drastisch im Verlauf des Films, was okay ist, allerdings ist er sich dann für mein Gespür (egal ob er recht hat oder nicht) dann zu sicher, dass Jenna unschuldig ist. Vor allem im Hinblick auf seine vehemente Art der Anschuldigungen davor. Das war mir zu sehr „A“ oder „B“. Ein paar Restzweifel hätten dem Charakter in seiner Glaubwürdigkeit gut getan.

Vom jungen Cast blieben bei mir Lucy Hale hängen, die ja wirklich mal spielen konnte. Was ist nur in „Truth Or Dare“ mit ihr passiert? Und erstaunlicherweise Kyle Schmid (kann auch sein, dass er deshalb hängen blieb, weil er Jared Padalecki teilweise zum Verwechseln ähnlich sieht), dessen Charakter der ambivalenteste im Film ist. Weshalb ich „ambivalent“ schreibe? Das wäre jetzt ein Spoiler. Trotzdem meine ich: Wenn etwas Schlimmes passiert ist, es einem Leid tut und man knapp davor ist, den Fehler zu wiederholen – es aber erkennt und dann nicht tut … ist man dann rehabilitiert oder bleibt man auf ewig verdammt? Gute Frage, nicht?

Jedenfalls fand ich den Film spannend (kann auch sein, dass ich schon zu lange keinen Film dieser Art mehr gesehen habe). Nicht so großartig wie „Liars All“, aber doch ziemlich gut und zum einmal sehen auf jeden Fall geeignet.

„Fear Island“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen, endlich mal wieder ein Horrorfilm, der nicht nur von Gewalt lebt, sondern sich zumindest bemüht eine wendungsreiche und spannende Handlung zu haben, Punkte.


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