The Map of Tiny Perfect Things – 16 Stunden Ewigkeit (Filmkritik)

Mark (Kyle Allen) ist ein ganz gewöhnlicher Teenager. Die einzige Besonderheit in seinem Leben ist, dass er scheinbar in einer Zeitschleife gefangen ist, da er den selben Tag immer und immer wieder erlebt. Er macht sozusagen das Beste daraus, hilft Menschen und macht Sachen, die er sich normalerweise nicht trauen würde immer in dem Wissen, dass nichts davon morgen eine Konsequenz hat.

Eines (selben) Tages, als er gerade beim Swimming Pool ein Mädchen beeindrucken möchte, geht Margaret (Kathryn Newton) an ihm vorbei und das ist zuvor noch nie passiert. Er sucht sie und als er sie schließlich findet erfährt er im anschließenden Gespräch, dass sie genau wie er im selben Tag gefangen ist. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche, warum gerade ihnen beiden genau das passiert ist…

Für Regisseur Ian Samuels (Sierra Burgess Is a Loser), hat Lev Grossmann hier das Drehbuch der Verfilmung seiner gleichnamigen Kurzgeschichte geschrieben. Dabei geht es natürlich (auf das Alter der Protagonisten bezogen) um das Erwachsenwerden und darum seinen Weg im Leben zu finden, doch es sind auch einige Themen dabei, die Erwachsene Menschen genau so betreffen und auch bewegen.

Eine Karte kleiner, perfekter Dinge. Das kann eine alte Dame sein, die nach einem Gewinn beim Schachspiel zu tanzen beginnt, leuchtende Kinderaugen, zwei Menschen die gemeinsam den Himmel anschauen. Hier gibt es unendliche Möglichkeiten, was in diese Kategorie fallen könnte, es kommt einfach auf den Menschen an. Schmerzlich ist mir dabei bewusst geworden, wie wenig man diese Dinge im Alltag doch wahrnimmt bzw. sich Zeit für sie nimmt.

Das „im Moment leben“ Prinzip und den Augenblick genießen können, das ist die wahre Kunst im Leben. Klingt banal, doch nach Betrachtung des Filmes, ist mir das wieder sehr bewusst geworden. Was mich zu einem weiteren Thema bringt, denn man möchte (perfekte) Situationen gerne konservieren im Sinne von „sie mögen niemals vorüber gehen“. Doch entsteht der Wert des Augenblicks nicht auch deshalb, weil er eben vergänglich ist? Wäre es nicht Stillstand oder ein dem Schlaf ähnlicher Zustand, würde ich darin verharren wollen?

Zusätzlich zu diesen Denkanstößen mochte ich auch die Überlegung, dass man nicht immer der Hauptdarsteller ist. Soll heißen: immer wenn ich Kontakt habe mit Menschen und es (sagen wir einfach mal) um etwas geht, dann ist man nie gleich beteiligt daran, was das Auslösen von Situationen betrifft. Manchmal ist man die leitende Figur in der eigenen Story und manchmal spielt man aber auch in der Geschichte eines Anderen die Rolle.

Ist völlig logisch, schon klar, doch auch immer mal gut für das eigene Ego, damit es nicht übermütig wird. Das sind jetzt im Prinzip keine schwerwiegenden Überlegungen, was zum leichten Charakter der Geschichte passt, doch auch Tiefe findet man hier durchaus. Aus filmischer Sicht hätte ich stundenlang zusehen können, wie Mark und später auch Margaret anderen Menschen den Alltag erleichtern, weil sie ja schon genau wissen, was passieren wird.

Also nur weil der selbe Tag immer von Neuem startet und nichts Konsequenzen hat heißt das nicht, dass die jetzt anfangen Leute zu verletzen oder gar zu töten. Finde ich in dieser Form echt schön und doch auch durchaus erfrischend. Getragen wird Story dann von zwei sehr sympathischen Jungstars. Kyle Allen (All My Life) kannte ich bisher nicht, doch wer ihn als Mark nicht nach wenigen Minuten gerne hat, der funktioniert offensichtlich gänzlich anders als ich.

Auf ihre sehr eigenwillige Art spannend, natürlich und irgendwie nett und sarkastisch zugleich, ist Kathryn Newton (Freaky) als Margaret. Ihre Chemie mit Mark ist wirklich anziehend, was zusätzlich zu den Überlegungen, zu denen der Film anregt und zur flotten Inszenierung an sich einen Film ergibt, nach dem man sich den Herausforderungen des eigenen Lebens, irgendwie wieder etwas leichter stellen kann. Das Leben wird immer auch schlechte Momente haben, doch das muss nicht zwangsläufig heißen, dass es als Gesamtes schlecht ist.

P.S.: Einen kleinen, perfekten Moment genießt man und denkt nicht darüber nach, dass er bald wieder vorbei ist, denn dann ist er meistens sofort zu Ende.

„The Map of Tiny Perfect Things“ bekommt von mir 8/10 kleine Dinge zu einer großen Freude addierende Empfehlungspunkte.


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