I’m Your Woman (Filmkritik)

Jean (Rachel Brosnahan) lebt das relaxte Leben. Zumindest bis ihr Mann mit einem Baby umgeschnallt nach Hause kommt und ihr erklärt, dass dies jetzt ihr gemeinsames Baby sei. Sie nennt es Harry und kümmert sich um das Kind, da sie immer schon Mutter sein wollte.

Dann steht nachts plötzlich ein „Kollege“ ihres Mannes in der Tür, befiehlt ihr zusammenzupacken, auf Cal (Arinzé Kene) zu warten und zu tun was dieser ihr befiehlt. Jean macht genau das und während rundherum ein Bandenkrieg tobt, muss Jean sich entscheiden, welche Art von Mensch und vor allem Mutter sie ist …

Rachel Brosnahan kennen die meisten ja eigentlich als Miriam „Midge“ Maisel aus der nach ihr benannte Serie „The Marvelous Mrs. Maisel“. Und ja, sie ist als „Midge“ eine kleine Naturgewalt. Hier ist es ein wenig seltsam, sie quasi blondiert zu sehen, denn der restliche Charakter ist irgendwie immer noch „Midge“. Das ist einerseits gut, weil man die innere Stärke der Person einfach jederzeit spürt. Und andererseits schlecht, weil so die gute Jean nicht so wirklich durchkommt. Ging vielleicht nur mir so, aber ich wurde mit der Figur nicht so richtig warm.

Der Film selbst ist handwerklich absolut gut gemacht und die Requisiten, die Ausstattung und die Kulissen sehen wirklich perfekt aus. Auch die Kameraarbeit ist rundum gelungen. Gerade in Szenen in denen wichtige Dinge rundherum passieren, die Kamera aber fix auf Jean bleibt, fand ich wirklich gut. Dieses Stilmittel fand ich schon bei „Signs“ von Shyamalan super und es funktioniert auch hier.

Julia Hart, die das Drehbuch verfasst und Regie geführt hat, hat da ein ganz gutes Händchen, wichtige Dinge so außerhalb des Bildes bzw. offscreen passieren zu lassen, dass es Spannung aufbaut und sich diese dann auch eine Weile hält. Gerade die Schicksale/Vorgeschichten von Nebenfiguren (die Familie von Cal) sind die eigentlich interessanten. Da verblasst die Story von Jean an sich ziemlich. Mal abgesehen von der Tatsache, dass sie ein wildfremdes Baby als das ihre aufzieht ohne groß zu hinterfragen, wo es herkommt. Was ja doch einiges über die Figur Jean aussagt.

Schade nur, dass der Film, der per se als „Slow Burn“ definiert werden kann, gegen Ende bzw. im letzten Drittel nicht nur an Spannung, sondern auch an Sinn und Stimmigkeit verliert. Die Charakterstudie einer Frau, die sich selbst nie definiert hat, sondern als „Frau von XY“ definiert hat, und ihre Entwicklung hin zu einer tatsächlichen Person geht irgendwie unerwartet rasch und andererseits tut sich nicht so viel, weil man je eh von Anfang an weiß, was in Mrs. Maisel steckt. Vielleicht wäre es besser, man hätte eine andere, unbekanntere Schauspielerin genommen.

Harry, das Baby, ist übrigens zuckersüß. In ein paar Kritiken habe ich gelesen, dass das Baby nervt und die ganze Zeit weint. Was übrigens kompletter Schwachsinn ist. Das Baby ist die meiste Zeit über absolut brav und unauffällig und wenn es mal weint, dann gibt es klar einen Grund dafür. Wer selbst Kinder hat, der/die weiß, dass Harry tatsächlich ein richtig, richtig braves Baby ist.

„I’m Your Woman“ bekommt von mir 5,5 von 10 möglichen, leider nicht genau wissend wohin er will und am Ende falsch abbiegende Punkte.


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