Fatman (Filmkritik)

Es ist Weihnachten und für Chris aka Santa Claus (Mel Gibson) ist dies im Normalfall die stressigste Zeit des Jahres. Leider sind die Kinder dieses Jahr vom guten Benehmen her auch nicht mehr das, was sie einmal waren und deshalb gibt es weniger Geschenke zu verteilen. Das wiederum fällt auch seinen Partnern bei der Regierung auf, weshalb er nur halb so viel Geld wie sonst für seine Unkosten bekommt.

Widerwillig nimmt er für sich und seine Elfen deshalb einen befristeten Job des Militärs an. Gleichzeitig beschließt ein verzogener junger Mann, der von seinem Geschenk von Chris sehr enttäuscht ist, einen Killer damit zu beauftragen, ihm den Kopf von Santa Claus zu bringen. Dieser Auftragsmörder (Walton Goggins) hat selbst schlechte Erfahrungen mit Santa gemacht als Kind und nimmt diesen außergewöhnlichen Job, nur allzu gerne an…

Der neueste Film von Eshom Nelms und Ian Nelms (Small Town Crime), die hier als Regisseure und Drehbuchautoren fungiert haben, klingt am Papier weit verrückter, als er im Endeffekt inszeniert ist. Das ist dann eben nicht der zu erwartende irre Spaßfilm geworden, sondern eine ziemlich ernste Sache, bei der man auch einige Dinge heraus lesen kann. Wegen des Grundthemas, werden daher wohl einige Leute enttäuscht sein vom Resultat, doch ich finde diese Herangehensweise hier sehr passend.

Santa Claus als ein von dem moralischen Verfall der Menschen enttäuschter Mann, der in seiner Freizeit auf Dosen schießt, auf denen kitschige Versionen von ihm selbst abgebildet sind. Als Gegenspieler ein einsamer und wütender Mann, dem Santa als Kind seinen Herzenswunsch leider nicht erfüllen konnte (auch Santas Fähigkeiten haben eben Limits) und der deshalb Geschenke anderer Kinder/Erwachsener aufkauft und aus einem gewissen Masochismus heraus sammelt.

Beide werden ansonsten nicht weiter entwickelt bzw. ihre Hintergründe beleuchtet, doch die zwei haben eine sehr eigene, faszinierende Aura, weshalb man ihnen gerne folgt auf ihren Wegen, die sich früher oder später zwangsläufig treffen müssen. Nett sind die kurzen Einblicke, was Arbeitsmoral, Schlaf und Essgewohnheiten der Elfen betrifft, genau wie die Fähigkeit von Santa, der genau weiß wer vor ihm steht, ohne dass dieser Mensch sich jemals vorstellen müsste. Er weiß eben ob du naughty oder nice warst.

Dass er älter wird als normale Menschen ist klar und hab ich schon von seinen Heilfähigkeiten gesprochen? Auch tödliche Verletzungen können ihn nicht allzu lange am Boden halten. Was durch den Killer und seinen jungen Auftraggeber dann sehr schön symbolisiert wird, ist wie selbstsüchtiges Verhalten auf die Dauer dazu führt, dass man ein widerlicher Egomane wird und man Moral wenn es zum eigenen Vorteil ist, permanent ausblendet.

Somit wird in gewisser Weise das Magische an der übernatürlichen Ebene von Santa herunter gezogen und tritt in den Hintergrund, weil er den Glauben an die Menschheit zumindest teilweise verloren hat. Der Killer hat seinen Glauben in Alles bereits verloren, zu so einer Person würde Santa zwar nie werden, dennoch ist er natürlich in gewisser Weise ein Spiegel für ihn. Mel Gibson hat sichtlich weiterhin Spaß seine grantige Art zu feiern, was er ja zuletzt bei Force of Nature sehr deutlich zelebriert hat.

Als Santa fühlt man eigentlich immer mit ihm, denn er will im Prinzip nur Gutes tun, hat aber das Gefühl dafür etwas verloren. Genau wie seine Freude an der Arbeit. Wäre da nicht Marianne Jean-Baptiste (RoboCop) als seine Frau Ruth und Ruhepol in seinem Leben, die ihn immer wieder daran erinnert, was wirklich wichtig ist. Walton Goggins (American Ultra) als Killer besticht durch seine Unberechenbarkeit und dass im Prinzip keiner vor seiner Waffe sicher ist. Im Grunde wirkt er jedoch verloren und immer suchend nach etwas, dass sein Verlangen erfüllen könnte.

Das ergibt insgesamt einen unerwartet ernsten Film, bei dem man durchaus auch ins Grübeln gerät, wie sehr man selbst von seinen eigenen Idealen bereits abgewichen ist. Ansonsten ist es ein kleiner Einblick in die Welt eines „realistischeren“ Santa Claus, von der man durchaus mehr hätte sehen wollen. Den Machern wird ja unterstellt, dass sie glauben ihr Film wäre viel verrückter als das Resultat dann ist, was ich so als Kritik nicht verstehe, doch voll ausgereizt haben sie das Setup hier sicherlich auch nicht. Dennoch unterhaltsam und der Zugang zu Santa Claus ist ein erfrischend anderer.

„Fatman“ bekommt von mir 6,5/10 die Weihnachts-Maschinerie wieder in die Gänge bringende Empfehlungspunkte.


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