Tales Of Berseria (Game-Review)

Velvet lebt mit ihre Bruder Laphicet und ihrem Schwager in einem kleinen Dorf. Es ist ein paar Jahre her, dass ihre Schwester in einer so genannten „Scarlet Night“ ums Leben gekommen ist, mitsamt dem ungeborenen Kind von Artorius (ihres Schwagers eben). Laphicet leidet noch dazu an einer Krankheit, bei der klar ist, dass er nicht sehr alt werden wird. Trotzdem (oder gerade deswegen) kümmert sich Velvet liebevoll um ihn und Artorius ist ihr Mentor, auch was Magie und andere Dinge betrifft, denn in Midgard gibt es Monster und Geisterwesen, die allerdings nur wenige Auserwählte sehen können.

Doch dann passiert es: Eine neue „Scarlet Night“ bricht über sie herein, hervorgerufen von einer Sternenkonstellation, die alle paar Jahre vorkommt. Und ausgerechnet Artorius, der sie alle beschützen sollte, ermordet vor Velvets Augen ihren kleinen Bruder Laphicet in einem schrecklichen Ritual. Velvet selbst wird von einer uralten Magie berührt und zu einer Art Dämon.

Als sie zu sich kommt, muss sie erschrocken feststellen, dass alle Bewohner*innen ihres Dorfes in Bestien verwandelt wurden. Sie kann fliehen (nachdem sie ein Blutbad angerichtet hat) und schwört Rache. Jedoch wird sie gefangen genommen und jahrelang in eine Verlies geworfen. Dort bemerkt sie, dass sie andere Dämonen „fressen“ kann und verliert sich in Hass und Wut.

Dann jedoch, ergibt sich die Chance zur Flucht und Velvet nutzt sie. Entsetzt muss sie feststellen, dass in der Zwischenzeit Artorius der größte Held von Midgard geworden ist, denn er hat in der besagten Nacht, in welcher er ihren Bruder ermordete die ganze Welt vor einfallenden Dämonen gerettet.

Aber Velvet interessiert das nicht, denn sie will nur eins: Rache.

Über „Tales Of Berseria“ bin ich mehr oder weniger gestolpert, weil ich den Trailer spannende fand und es gerade im Angebot war. Ich wusste nicht, dass die „Tales Of“-Reihe bereits eine lange Tradition hat und scheinbar eine ganze Menge Fans. „Tales Of Berseria“ dürfte, soweit ich mitbekommen habe, ein Ausreißer sein, was Story und Charaktere angeht, denn Hauptprotagonistin Velvet als auch die anderen Figuren, die ihr im Laufe eurer Reise aufsammelt sind alles andere als „die Guten“. Die meisten haben halbwegs Dreck am Stecken, verfolgen ihre eigenen, nicht ganz heheren Ziele und schrecken auch nicht davor zurück mal so eben eine ganze Hafenstadt niederzubrennen, um an ihr Ziel zu gelangen.

Und das macht die ganze Sache so toll.

Anfangs fiel es mir ein wenig schwer mit der Grafik und der Steuerung warm zu werden und gerade das Kampfsystem ist in seinem vollen Umfang mehr kompliziert als komplex, aber zum Glück reicht es, wenn man wie sich nicht viel darum schert und einfach auf Glück ein bisschen auf die Gegner eindrischt. Sicher, im Laufe der Zeit bekommt man dann schon mit, worauf man aufpassen muss, aber ich muss gestehen, dass ich mich um die tieferen, taktischen Aspekte des Kampfsystem nie richtig gekümmert habe. War auch nie notwendig.

Dafür habe ich mich um meine Figuren gekümmert, denn die sind durch die Bank starke Persönlichkeiten, die – von flachen sexuellen Anspielungen und Witzen abgesehen – alle mächtig was auf dem Kasten haben, klarerweise ihre eigene Agenda verfolgen und trotz allem ganz klar, wenn man genau hinsieht, vielleicht nicht alles liebe Leute, aber auf jeden Fall alles loyale Leute. Mit der Zeit. Wenn sie lange genug leben. Denn Velvet ist eine Protagonistin, die durchaus sehr glaubhaft anmerkt, dass alle, die eine andere Meinung als sie haben erstens nicht willkommen sind und zweitens nicht lange leben werden. Natürlich ändert sich das im Laufe der Story, aber es dauert überraschend lange, bis da sowas wie Wärme in ihr Herz zurückkehrt.

Das Spiel selbst ist eigentlich simpel aufgebaut und folgt dem gleichen Schema wie alle anderen Rollenspiele. Erfahrungspunkte, Levelaufstiege, Fähigkeiten freischalten, Quests erledigen, Nebenquests erledigen, Quests der Kamerad*innen erledigen, Kämpfen, erforschen, Ausrüstung aufpeppen und so weiter.

Die Stärke des Spiel liegt tatsächlich zu 100% in seiner Story und den Figuren, die wirklich (ich kann es nur wiederholen) großartig geworden sind. Nur als Beispiel: Es gibt die Magiern Magilou im Spiel. Das ist so ziemlich die am nervigsten geschriebene Person, die man sich vorstellen kann. Sie ist die zweite Begleiterin, die man aufsammelt. Und sie nervt so richtig. Stimme, überdrehte Optik und auch das, was sie sagt.

Das erste, was ich gemacht habe nachdem ich das Spiel beendet hatte: Ich habe mein PS4-Theme umgestellt. Auf ein Bild von Magilou. Nicht weil ich Videospielcharaktere so besonders sexy finde, sondern weil der Charakter bis zum Ende des Spiels mein absoluter Lieblingscharakter wurde. Selten so eine faszinierende Figur gespielt. Selten so eine emotionale Wandlung in mir selbst in Bezug auf eine Figur gehabt. Wenn das mal nicht FÜR die Story- bzw. Dialogschreiber spricht, dann weiß ich auch nicht (das bedeutet nicht, dass die Dialoge nicht manchmal zum Fremdschämen sind, bitte nicht missverstehen).

Und man lässt sich Zeit. Nichts im Spiel kam mir gehetzt vor. Alles hat seinen Platz und bekommt die Zeit, die es braucht, damit es wirken kann. Ich gestehe, dass mir die Welt(en) im Summe zu groß waren, aber das geht mir mittlerweile bei jedem zweiten Spiel so, also ist das kein Kriterium. Und gerade wenn die Story so richtig anzieht, es ein/zwei Wendungen gibt und ich dachte, es sei vorbei – ui, dann ging es erst richtig los. Und dann war da diese eine Szene mit Magilou, in der ich erst verstand, was sie war, was ihr Ziel war, warum sie war, wie sie war und was sie in genau dem Moment gerade machte. Und das war ein emotionaler Aha-Effekt und Höhepunkt für mich, wie ich ihn schon lange in keinem Spiel mehr hatte. Und Velvet? Die rockt ohnehin. Aber richtig.

Cooles Setting, coole Figuren, coole Story, (wenn man will) simples Kampfsystem und tragische, witzige und emotionale berührende Momente. Was will man mehr?

„Tales of Berseria“ bekommt 9 von 10, mein erstes Mal im „Tales“-Universum verweilen absolut unterhaltsam gestaltende, Punkte.


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