Das Neunte Opfer (Filmkritik)

Petersburg, am Ende des 19 Jahrhunderts. Reges Interesse wächst für alle Dinge, die sich rund um Okkultismus und Esoterik drehen. Das britische Medium Olivia Reed (Daisy Head) weilt derzeit in der Stadt und unterhält die Menschen mit ihren spirituellen Sessions, bei denen die Leute ihre geliebten Angehörigen als Geister für kurze Zeit wiedersehen. Zur gleichen Zeit geschehen in der Gegend grausame Frauenmorde.

Die Damen werden dabei auf sehr bestimmte Art und Weise ermordet und Symbole werden ebenfalls eingesetzt. Deshalb wendet sich der leitende Beamte Sergey Rostov (Evgeniy Tsyganov) an Olivia, da er bisher kaum Spuren hat, um den Täter ausfindig zu machen. Zunächst verstehen sich die beiden nicht sonderlich gut doch schon bald wird klar, dass die Geschehnisse näher mit Olivia zu tun haben, als ihr lieb sein kann und Sergey der Einzige ist, der ihr als Unterstützer bleibt.

Bei dieser russischen Produktion von Regisseur Nikolay Khomeriki (Selfie) handelt es sich um einen okkulten Killer-Thriller, mit einer Gastschauspielerin aus England in einer Schlüsselrolle. Im Vergleich zu Abigail, wo die Sache von den Akzenten her (und auch drum herum) schief gegangen ist, ist die gesprochene Sprache hier russisch, nur die Dame und der Inspektor sprechen auch englisch. Auch in der deutschen Synchronisation wird so gezeigt, dass sie gerade in ihrer Muttersprache spricht.

Die sprachliche Komponente ist somit also geglückt und ansonsten setzt dieser Krimi vor allem auf eines und das ist seine Atmosphäre. Die Bedrohlichkeit, die einfache Spaziergänge auf der Straße ausüben können, die dich in ihrer Dunkelheit verschlucken wollenden Gassen, die schmutzigen, beobachtenden Gesichter der Menschen, das alles erzeugt bei Betrachtung ein gewisses angespanntes Gefühl und man fühlt sich einfach unsicher.

Mit brutalen Szenen hält man sich angenehm zurück, meist sieht man dann „nur“ die Opfer selbst nach der Tat und nicht während der Täter sein Werk vollbringt. Was weniger gut gelingt, das sind die Action-Momente. Davon gibt es zwar nicht viele, doch diese wirken choreographiert und sind zusätzlich auch noch schlecht geschnitten. Am Negativsten fällt jedoch wohl gleich der Beginn auf, denn diese Szenen in der Höhle sind Trash und die Effekte klar als solche erkennbar, da Alles sehr künstlich wirkt.

Da diese Momente und der erste Kampf am Anfang des Filmes kommen, kann man sich im Laufe der Handlung dann aber sehr schön davon erholen. Wer der Täter ist dürfte den meisten Zusehern sowieso bald klar sein, es geht auch nicht darum sondern viel mehr um die Figuren von Olivia und Nikolay und wie sie eine Bindung zueinander schaffen. Daisy Head (Underworld: Blood Wars, nächstes Jahr im Wrong Turn Reboot mit dabei) als Olivia ist für mich dabei klar das Highlight gewesen.

Bei ihr schwingt immer etwas mysteriöses mit, man sieht Schmerz und Verletzlichkeit, doch ebenso ist immer eine gewisse Unberechenbarkeit mit dabei, vor der man sich in Acht nehmen sollte. Einerseits nicht von dieser Welt und andererseits voll in ihr drinnen, sie macht eindeutig mehr aus ihrer Figur, als es die Grundvoraussetzungen vermuten lassen würden. Evgeniy Tsyganov (Red Sniper) als Sergey bringt diese „ohne Rücksicht auf seine Gesundheit“ Art perfekt herüber, natürlich steckt da ein persönlicher Verlust dahinter, wie sollte es auch anders sein.

Insgesamt daher ein vor allem mit der Stimmung, dem Setting drum herum und der Performance der Hauptdarstellerin punktender Krimi/Thriller, der dem Genre nichts Neues hinzu fügt, jedoch über weite Strecken fesseln kann und beim Finale eine Szene dabei hat, wo man einfach sehr gespannt wäre auf die Reaktionen der Protagonisten bzw. wie es weiter gehen würde. Was meine Erfahrungen mit Filmen aus Russland betrifft, ist dieser somit klar im Mittelfeld angesiedelt.

„Das Neunte Opfer“ bekommt von mir 6/10 sich nicht mit der Opferrolle abfindende Empfehlungspunkte.


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